Foul in Zahlen

cache/images/article_1109_ilco_foul_140.jpg Wenn es sich nicht gerade um ein taktisch grandioses Vergehen handelt, spielen in der Beobachtung von Fußballfans vor allem die Gegner foul. Die LAOLA1-Datenbank versucht diesem verbreiteten Vorurteil den Boden unter den Füßen wegzuziehen und bietet eine akribische Auflistung der Fouls: von den Sorten über die Sünder bis hin zu den Sanktionen.
Jakob Rosenberg | 10.11.2008
In der heimischen Bundesliga haben vor allem die Mattersburger den Ruf, nicht gerade zimperlich mit ihren Gegnern umzugehen. Die Foul-Statistik aus der Vorsaison liefert Vertretern dieser These eine empirische Untermauerung. 835 Mal wurde gegen Mattersburg Foul gepfiffen, die »Filigran-Kicker« von Austria Kärnten und Altach folgen mit 808 bzw. 787 geahndeten Fouls auf den Rängen zwei und drei. Die wenigsten Vergehen wurden bei Salzburg, Sturm und Rapid registriert.

Leider sind der Empirie aber auch in diesem Fall Grenzen gesetzt, schließlich ist das Material durch die scheinobjektive Instanz der Schiedsrichter entscheidend mitgeprägt. Das Fehlen einer Aufschlüsselung der gnädigen und strengen Pfiffe ist aber erstens kaum möglich und zweitens auch nicht weiter tragisch, schließlich lebt eine Diskussion über die Schiedsrichter-Lieblinge der Liga sowieso nicht von kalten Zahlen.

Jancker und Naumoski top
Die Weisheit von Angriff als bester Verteidigung dürfte zumindest im Burgenland gelten. In den letzten drei Saisonen gewann jeweils ein Mattersburger Stürmer (2007/08: Carsten Jancker, 2005/06 sowie 2006/07 Ilco Naumoski) die individuelle Foulstatistik mit überlegenem Vorsprung. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet im Pappelstadion ein derart moderner Fußball gespielt wird, wo traditionelle Rollenverteilungen aufgeweicht werden und sich Angreifer maßgeblich in die Verteidigung einbinden. Bis die Stürmer diese Vision des Spiels ihren Mannschaftskollegen auch für den umgekehrten Fall gelehrt haben, wird den unerkannten SVM-Fußballpionieren aber wohl das undankbare Holzhacker-Image erhalten bleiben.

Wenig überraschend geht aus den Daten auch hervor, dass der überwiegende Teil der Gelben Karten von Fouls herrührte. In 72 Prozent der Fälle (642 von 888) veranlassten stehen gelassene oder gstreckte Beine und andere Fouls die Schiedsrichter zum Griff in die Hemdtasche.

Kein Schiedsrichter zum Angreifen
Überaus interessante Einblicke gibt die Statistik aber auch über die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schiedsrichter, die jeweils einmal zu starke und zu geringe Nähe sanktionierten: so zogen sowohl das Vergehen »Schiedsrichter angefasst« als auch »nicht korrekt bei Schiedsrichter angemeldet« Gelbe Karten nach sich. Anhand solch detaillierter Begründungen wäre noch interessant zu wissen, welche Vergehen sich hinter den zwei ausgewiesenen »sonstigen« Gelben verbergen könnten.


Infos zur Laola1-Datenbank:
Die LAOLA1-Datenbank wurde mit Beginn der Saison 2004/05 erstmals in Österreich etabliert. In einer Zusammenarbeit zwischen IMPIRE (Produzent und Erfinder der ran-Datenbank), Premiere und LAOLA1.at, Österreichs größtem Sportsportal, entstand die umfassendste und qualitativ hochwertigste Statistik-Datenbank zur österreichischen Fußball-Bundesliga. Pro Spieltag halten 25 Mitarbeiter mehr als 2.000 Ereignisse fest: Jeder einzelne Ballkontakt wird dokumentiert, jeder Pass, Zweikämpfe, Fouls, Schüsse, Tore u.v.m.  Zusätzlich wird die LAOLA1-Datenbank mit historischen Bundesliga-Daten angereichert. Die LAOLA1-Datenbank dient u.a. als (Live-)Quelle für den Bundesliga TV-Partner Premiere. Die Fülle der daraus gewonnenen Kenntnisse wird weiters von zahlreichen Internet- und Printmedien sowie von Bundesliga-Klubs in Anspruch genommen.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
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