Fußball am großen Fluss

Die WM-Stadt Frankfurt hat mit der "Main-Arena" die außergewöhnlichste "Public Viewing Area" der zwölf deutschen Spielorte
Gastautor | 27.06.2006

In Frankfurt leben Menschen aus 180 Ländern - "Lebbe geht wieder" lautet die Devise, zwischen Apfelweinwirtschaften und Bürotürmen. Eine einzigartige Mischung aus Großstadtflair und Lokalkolorit. Frankfurts Skyline wird von 80 Hochhäusern geprägt - eine europaweit einmalige Silhouette.

Zur WM hat Frankfurt zunächst seine Wolkenkratzer ins Spiel gebracht. Nachdem in der "Sky Arena" zwischen dem 2. und 7. Juni unter dem Motto "Interkulturalität und Internationalität des Fußballs" riesige Projektionsfläche für Porträts von Fußballstars oder abstrakte Kunstwerke mit Produktionskosten von rund 3,5 Mio. Euro geschaffen worden war, kam rechtzeitig zur WM der Main, der große Fluss, zum Einsatz. Die "Mainarena" bietet den Fußballfans aus aller Welt in Frankfurt seither eine beinahe einzigartige Perspektive auf die WM-Spiele. Mitten im Main ist eine schwimmende Großbildleinwand auf einem Ponton installiert, während zwischen der "Obermainbrücke" und "alten Brücke" Platz für 15.000 Fans ist. Patrouillenboote sorgen dafür, dass der Schiffsverkehr dem Fußballvergnügen nicht in die Quere kommt. "Mit der Mainarena", sagt der für Sport zuständige Frankfurter Bürgermeister Achim Vandreike, "können wir an beiden Uferseiten echte Stadionatmosphäre entstehen lassen." Eine weitere Großbildleinwand findet sich ein Stück flussabwärts, an der "Weseler Werft." Und das ist auch gut so, denn bei großen Spielen wie bspw. Niederlande gegen Argentinien, wo fast 40.000 "Oranje"-Fans ohne Tickets in Frankfurt zu Gast waren, lohnt es sich, mindestens zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn zum Main zu pilgern. Andernfalls steht man in der "Mainarena" schnell vor verschlossenen Toren.

Das "Weseler Ufer" wird somit zur lohnenden Alternative. Wohltuend zurückhaltend sind in Frankfurt auch die Moderatoren des Radiosenders "hr 3", die weit weniger marktschreierisch daher kommen, als die Kollegen aus Hamburg ("Seid ihr gut drauf?").

Fußball am großen Fluss in Frankfurt - das ungewöhnliche "Public Viewing"-Event birgt für Verantwortliche und Ordnungshüter aber auch ungeahnte Gefahren. Beim Spiel England gegen Paraguay (1:0) erkletterte ein englischer Fan todesmutig den mehr als 20 Meter hohen Bogen der "alten Brücke". Noch ehe die Sicherheitskräfte einschreiten konnten, stellte der Mann fest, dass sich der luftige Ort wohl doch nicht zum Schießen von guten Fotos eignete, und trat spontan den Rückzug an. Glück gehabt.

Carsten Germann, Frankfurt

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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