Fußballfreunde in Neonblau

cache/images/article_969_volunteer_140.jpg Rund 5.000 Volunteers sind in den acht Austragungsstätten der EM im Einsatz. Gehalt bekommen sie keines, trotzdem würden es die meisten von ihnen wieder machen. Cornelia aus Innsbruck bricht das offizielle Redeverbot und erzählt warum.
Stephan Wabl | 24.06.2008
ballesterer fm: »Wir sind reich«, sagte Michel Platini neulich in einem Interview. Die EM wird der UEFA 250 Millionen Euro Gewinn bringen. Ihr Volunteers arbeitet allerdings umsonst. Stört dich das?
Cornelia: Nein, solange das Geld für gute Projekte verwendet wird. Bekämen wir Geld, würde die ganze Idee ohne Bezahlung bei einem lässigen Event zu arbeiten verloren gehen. Dann würden es nur mehr Leute machen, die einfach Geld verdienen wollen und denen es nicht mehr um den freiwilligen, idealistischen Charakter der ganzen Sache geht.

Der UEFA geht es ja auch ums Geldverdienen
Ja, sicherlich. Aber der Gedanke, dass Menschen aus freien Stücken bei der EM dabei sind und mithelfen, sollte aufrechterhalten bleiben. Die Langzeit-Volunteers, die ja wirklich viel Zeit für die EURO opfern, denen sollte man ruhig etwas zahlen.

Was hast du dir von deiner Volunteers-Tätigkeit erwartet?
Ich wollte Leute kennenlernen und bei der EM-Begeisterung dabei sein. Es kommen ja nur rund 50 Prozent der Volunteers aus Österreich, der Rest aus vielen unterschiedlichen Ländern. Das war sehr spannend. Meine Arbeit, VIPs über den roten Teppich ins Stadion zu begleiten, war nicht so aufregend. Aber ich konnte immerhin die Spiele sehen.

Wie oft hast du gearbeitet?
Nur an den Matchtagen. Aber wie oft und wie lange du arbeitest, ist von Aufgabe zu Aufgabe verschieden. Ich war pro Spiel rund zehn Stunden im Einsatz, andere Volunteers haben allerdings mehrere Wochen lang beinahe jeden Tag gearbeitet.

Volunteers erkennt man an ihren neonblauen Outfits. Die meisten werden als freundlich und hilfsbereit beschrieben, zeigen Gästen den Weg oder stehen Spalier. Fühlt man sich da nicht ein wenig wie ein Maskottchen?
Nein, das sehe ich nicht so. Volunteers arbeiten ja in vielen unterschiedlichen Bereichen: in der Presseabteilung, im Stadion, in der Gästebetreuung und so weiter. Ich habe auf die »Volunteers-Uniform« auch nur positive Rückmeldungen bekommen.  Dass alle die gleichen Sachen tragen, stört mich nicht. Das hat auch einen Erkennungswert untereinander und nach außen.

Hand aufs Herz: Wirst du Teile aus dem ominösen 17-teiligen adidas-Volunteers-Set tatsächlich noch einmal tragen?
Hey, das sind super feine Sachen. In der Innsbrucker Innenstadt würde ich wohl nicht damit herumlaufen, aber um Sport zu machen oder fürs Bergsteigen ziehe ich sicher einmal etwas davon an.

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
ballesterer # 120

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