Futbol y Flamenco en vivo!

cache/images/article_957_bodega_140.jpg Spanier gelten gemeinhin als temperamentvoll und heißblütig. Beim Spiel gegen Schweden jedoch zeigte sich das spanische Publikum im Bodega Manchega fast »skandinavisch« cool. Kein Wunder: für Stimmung sorgt hier der Flamenco. Oder der Koch. Erst zur »Nachspeise« von David Villa tanzten dann alle.
Christoph Witoszynskyj | 20.06.2008
Juan Hernandez bemühte sich redlich: Schon eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff hantierte der Chef des Hauses an Receivern, Steckern und Fernbedienungen herum. Allein, es half nichts. Der Fernseher wollte partout keinen Kanal zeigen, der Spanien gegen Schweden mit spanischem Kommentar übertrug. Also musste das Spiel mit österreichischer Fernsehbeteiligung über die Bühne gehen. Über jene Bühne, auf der im Bodega Manchega sonst leidenschaftlicher Flamenco entfacht wird. En Vivo!
 
Ausgerechnet gestern hätte sein Amigo an der Anlage herumgepfuscht, klagt Señor Juan, während er das Kabel wieder und wieder von der einen Buchse in die andere steckt. Irgendwann wurde dann aber das Match an- und auf den richtigen Sender gepfiffen. Immerhin, eine Handvoll Gäste war ja schon da. Hungrige Gäste vor allem, die der exzellenten spanischen Küche wegen gekommen waren. Für sie diente das Match als Untermalung zum Dinner und als Torres in der 15. Minute das 1:0 scorte, waren die Speisen längst serviert. Entsprechend vollmundig, fiel die Resonanz der Gäste aus: Anerkennendes Raunen ging durch das inzwischen anwesende Dutzend.

Con tiempo: Akademisches Viertel auf Spanisch

Den Ausgleich in der 34. Minute durch Ibrahimovic bekamen dann aber alle mit: rund 25 vorwiegend spanisch fluchende Gäste waren mittlerweile zugegen, unüberhörbar auch Fußballfans. Wie es zum guten Ton gehört, waren sie verspätet eingetroffen: Was dem Österreicher die akademische Viertelstunde, ist den Iberern offenbar die ballestrische. Von Camp Nou bis Bernabéu, und auch am Alsergrund.

In der Pause musste dann nicht nur Schwedens Ibrahimovic ausgetauscht werden, sondern auch der Fernseher. Im Gegensatz zum schwedischen Wechsel, erwies sich jener des Fernsehers aber eindeutig als Upgrade. Nicht, dass er nicht weiter auf Deutsch ausgestrahlt hätte, aber der Publikumsandrang war inzwischen zu groß für so wenig Bildschirm. Also übersiedelten Gäste, Teller und Gläser in den Nebenraum, wo eine große TV-Leinwand wartete. Das Rauchverbot wurde kurzfristig aufgehoben und so konnte das Match weitergehen.

Villas Tor zum Dessert

Angesichts der Überlegenheit der »Selección« schien es nur eine Frage der Zeit, bis sie in Führung  gehen würde. Doch so lange es 1:1 stand, war ja auch für die Schweden noch alles drin. Die Zuschauer in der Bodega ließ das völlig kalt. Blieben sie etwa nur cool, weil sie so siegessicher waren? Als Villa in der Nachspielzeit den erwarteten Dreipunkter quasi zum Nachtisch servierte, war's schließlich doch vorbei mit der Stille: Ausgelassener Jubel brach los und auch der Chef musste gestehen: »Wenn der in der letzten Minute nicht das Tor gemacht hätte, hätte ich einen Herzinfarkt bekommen!« Na bitte, also doch Temperament! Dem Vernehmen nach soll noch reichlich Cerveza bis tief in die Nacht geflossen sein. Zu Flamenco natürlich.

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
ballesterer # 121

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