Gabun und die chinesischen Freunderln

cache/images/article_1766_can02_web_140.jpg CAN 2012 Das Gastgeberland Gabun versucht, sich dem europäischen Besucher von seiner besten Seite zu zeigen. Visa werden ohne viel bürokratischen Aufwand erteilt und das Land fiebert dem Match gegen Niger entgegen. Das Stadion der Freundschaft mit China gleicht allerdings kurz vor dem ersten Spiel noch einer Baustelle. Und die Bekanntheit des ballesterer in Westafrika ist enden wollend.
Beim Anflug auf den direkt am Meer liegenden Flughafen von Libreville stimmen einige Passagiere in der aus Paris kommenden Maschine spontan ein »Vive la CAN« an. Die Visa- Prozedur dauert nur flotte 1,5 Stunden. Der Zollbeamten meint, es fehle ein Brief über meine offizielle »Mission«, der ballesterer ist ihm leider kein Begriff, daher versichert er sich lieber telefonisch bei einem Oberen des Organisationskomitees, ehe ich erleichtert die Visagebühr begleichen kann.

Zeitgleich mit unserem Flug kommt auch die South-African-Airways-Maschine mit dem Team aus Ghana an. Die »Black Stars« werden vor dem Flughafengebäude von der ghanaischen Migranten-Community frenetisch empfangen. Das ölreiche und dünnbesiedelte Gabun ist Anziehungspunkt für Arbeitsmigranten. Die Taxifahrer kommen aus Nigeria, die Securities und Köche aus dem Senegal. Überhaupt scheint hier jeder seine Community zu haben, auch die Leute aus Mali. Im Hotel treffe ich Moussa, einen Sportjournalist der Tageszeitung Nouvel Horizon aus Bamako. Den ballesterer kennt auch er nicht, aber er tröstet mich, dass es keine Zeitung gibt, die zu klein ist, um wichtig zu sein. Wir wollen beide nach Franceville zu den Spielen der Gruppe D. In seinem Fall ist das alles schon organisiert von der Community natürlich.  

Yes we CAN
Zur Eröffnungsfeier in Äquatorialguinea habe ich es dann doch nicht mehr geschafft. Für 165 Kilometer Luftlinie nach Bata braucht man einen ganzen Tag, davon viereinhalb Stunden auf einer Piroge, um die Flussmündung im Grenzgebiet zu überschippern. Stattdessen verfolge ich das Geschehen in einer Snackbar in Libreville. Der staatliche Sender RTG 1 bringt die Zeremonie in voller Länge, samt den Darbietungen einer Lokalausgabe von Michal Jackson und den salbungsvollen Worten von Präsident Teodoro Obiang Nguema, der das ölreiche Land seit 1979 diktatorisch regiert.

Das späte Siegestor des CAN-Neulings Äquatorialguinea über das aus dem Bürgerkrieg wieder auferstandene Libyen war völlig verdient. Auch im schicken Quartier Louis in Libreville wurde das Tor des Co-Gastgebers frenetisch bejubelt. Vom Landwirtschaftsminister, der zufällig der Sohn des Präsidenten ist, gibt es dafür eine Million Dollar Prämie. Menschenrechtsaktivisten halten das für keine so gute Idee.

Die Strategie, sich die Teamkicker anderswo einzukaufen und mit Pässen auszustatten, scheint für das im FIFA-Ranking hinter Samoa nur auf Rang 151 platzierte Äquatorialguinea aufzugehen. Von den 14 eingesetzten Kickern sind lediglich zwei im Land geboren: Sechs kommen aus Spanien, jeweils zwei aus Nigeria und Kamerun und dazu noch jeweils einer aus Cote dIvoire und Brasilien. Das FIFA-Regulativ verbietet solchen Passhandel, doch der afrikanische Kontinentalverband CAF sieht dem Treiben tatenlos zu. Spätestens wenn die »Nzalang Nacional« aufsteigen würden, werden die anderen Teams wohl aufs Heftigste protestieren.

Im Abendspiel startete Sambia überfallsartig ins Match und schockierten den Turniermitfavoriten Senegal mit einem 2:0 nach nur 20 Minuten. Senegals augenscheinliches Problem waren die drei zentralen Stürmer. Erst nachdem Sow und Niang rausgenommen wurden, entwickelte sich deren Spiel aus dem Mittelfeld und über die Flanken, vor allem über den Ex-Freiburger und nunmehrigen Newcastle-Angreifer Patrice Demba Cisse. Zu mehr als zum Anschlusstor durch Dame NDoye reichte es aber nicht mehr.  

Baustelle der sino-gabunesischen Freundschaft
Heute fiebert also ganz Gabun dem Turniereinstieg ihrer »Pantheres« entgegen. Der Gegner im ersten Spiel der Gruppe C heißt Niger, das in seiner Qualifikationsgruppe Ägypten und Südafrika hinter sich gelassen hat. Fast alle Taxis und auch die fetten SUVs der Oberschicht sind in beflaggt. Ein Souvenirhändler bietet an der Straße zum Stadion sogar ein Leopardenfell feil.

Noch am Samstag beim Abholen meiner Medienakkreditierung, glich das komplett neue Stadion einer riesigen Baustelle. Draußen werden die Parkplätze geteert, Monumente in Kreisverkehren aufgestellt und Palmen frisch gepflanzt. Im Stadion ist zumindest schon der gepflegte Rasen verlegt, ansonsten stehen überall noch Farbtöpfe, nicht montierte Sitze und eingeschweißte Hinweisschilder herum. Das Stadion ist von der der chinesischen Baufirma Shanghai Construction auf einem 30 Hektar großen Areal im Vorort Angondje in Rekordzeit hingeklotzt worden. Der protzige Bau mit einer Kapazität von 40.000 ist der Freundschaft mit China gewidmet und nennt sich deshalb Stade de l'Amitié Sino-Gabonaise. Zur Einweihung im November engagiert man Brasilien, gegen das man 0:2 verlor. Heute stehen die Chancen auf eine bessere Ausbeute ungleich besser. Und wie es um die Stadionbaustelle steht, wird sich in Kürze zeigen.

 

Kurt Wachter ist langjähriger Mitarbeiter und Mitgründer der Antidiskriminierungsinitiative »FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel.« Während eines Studienjahrs in Ghana sah er im TV die Black Stars von Ghana im Finale des CAN 1992 gegen Côte d'Ivoire scheitern. Seit damals faszinieren ihn der afrikanische Fußball und das Drumherum. Nach seinem ersten Afrika-Cup in Burkina Faso 1998 folgten Ghana/Nigeria (2000), Tunesien (2004) und Ghana (2008). Gabun und Äquatorialguinea ist somit sein fünftes Turnier.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png