Gelernte Geschichte

cache/images/article_1254_rapidschal_140.jpg Am Samstag feierte der SK Rapid sein 110-jähriges Jubiläum mit einem Spiel gegen den FC Schalke 04. Im Rahmen der Neuauflage des Finales um die »Deutsche Meisterschaft« von 1941 wurde auch an die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen des Matches erinnert.
Emanuel Van den Nest | 15.07.2009
Die Vorgeschichte: In der Bewerbung des Jubiläumsmatches hatte der SK Rapid das Endspiel um die Meisterschaft Nazideutschlands vom 22. Juni 1941 zunächst nur als »markantes Spiel aus der Vergangenheit« bezeichnet. Der ballesterer teilte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger daraufhin seine Verwunderung über die fehlende Kontextualisierung der Begegnung mit. So unterlag der Fußball zu dieser Zeit durch die Nürnberger Rassengesetze großen Einschränkungen. Und am Tag des Finales überfielen deutsche Truppen die Sowjetunion.

Die Antwort folgte prompt. Edlinger beantwortete den Brief des ballesterer und versprach, das Kapitel Rapid und Nationalsozialismus genauer unter die Lupe nehmen zu wollen: »Aus diesem Grund habe ich das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, dessen Präsident ich bin, beauftragt, die Rolle des SK Rapid während der Nazi-Barbarei zu untersuchen. Das Ergebnis werden wir in einer wissenschaftlichen Dokumentation auf unserer Homepage veröffentlichen.«

Der Rekordmeister machte darüberhinaus im Rahmen der Pressekonferenz zum Spiel, im Matchprogramm und auf seiner Homepage auf die fatalen Umstände von 1941 aufmerksam: »Der SK Rapid ist ein Verein, für den es zur Nazi-Barbarei nur eine Meinung gibt: eine klare Distanzierung und Verurteilung.«

Zu hoffen bleibt, dass damit ein Stein ins Rollen gebracht wurde. Denn auch bei anderen österreichischen Klubs bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Rapid-Chef Edlinger brachte es auf den Punkt: »Man muss die sportliche Bühne nutzen, um gesellschaftpolitische Angelegenheiten zu thematisieren.«

Edlinger betonte in seinem Antwortschreiben an den ballesterer ebenso die gemeinsamen Werte und Traditionen beider Vereine: »Es wäre nicht richtig, die Einladung für den FC Schalke 04 auf die damalige Begegnung im Spiel um die Deutsche Meisterschaft zu beschränken. Vielmehr gründet sich das Verhältnis auf einer internationalen Verbundenheit, die sich über die Jahrzehnte entwickelte. Als der FC Schalke 04 sein 50-jähriges Jubiläum feierte, wurde der SK Rapid eingeladen. Ebenso war der Verein aus Gelsenkirchen bei unseren 80 Jahre-Feierlichkeiten zu Gast in Wien. Dass beide Vereine zudem als Arbeiterklubs bekannt sind, und auch zwischen einzelnen Fangruppierungen über die Grenzen hinaus Verbindungen bestehen, sind nur zwei weitere Punkte, die ich hier erwähnen möchte.«

Die Partie selbst geriet zu einem von beiden Mannschaften sehr ernsthaft geführten Testspiel. Die etwa 700 Schalke-Anhänger machten schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn ordentlich Dampf. An der Rückwand des Block West präsentierten die Rapid-Fans die Konterfeis von Legenden wie Franz Binder und Hans Krankl auf riesigen Bannern. Die gute Stimmung im Stadion übertrug sich auch auf das Spielfeld. Von Anfang an wurde kampfbetont agiert, Stefan Maierhofer und Marcello Bordon machten es vor.

Jimmy Hoffer brachte Rapid in Halbzeit eins nach präziser Vorlage von Neuerwerbung Milan Jovanovic mit 1:0 in Führung. Diese währte jedoch nicht lang. Farfan von Payer mit unfairen Mitteln am Ausgleich gehindert, den folgerichtigen Elfmeter verwandelte Rakitic zum 1:1. Nach Seitenwechsel setzte sich zunächst die Westtribüne in Szene und produzierte eine gewaltige Rauchschwade. Wenig später brachte Kevin Kuranyi die Gelsenkirchner in Front. Die Grün-Weißen kamen gegen Ende noch ordentlich in Fahrt und hätten sich nach einem Foul an Jelavic in der 87. Minute ebenso einen Strafstoß verdient. Dem Schiedsrichter lag jedoch scheinbar wenig an einem versöhnlichen Abschluss, womit es bei einem knappen 2:1 für die »Königsblauen« blieb.

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