General Dunga und seine Soldaten

cache/images/article_1423_brasilien_140.jpg WM-BLOG Der brasilianische Headcoach Carlos Dunga wird seinem Ruf als unbarmherziger »Befehlshaber«, der streng auf Disziplin und Ordnung in seiner Mannschaft achtet, auch in Südafrika gerecht. Während in Johannesburg das Eröffnungsspiel der 19. WM über die Bühne ging, zog er eine Trainingseinheit mit Schwerpunkt Abwehrverhalten und Ausführen schneller Konter durch.
Robert Florencio | 12.06.2010
Weiterhin virulent im brasilianischen Lager sind die Probleme mit dem ungewohnten neuen Spielgerät Jabulani, der laut Klagen einiger Spieler nicht das macht, was sie beabsichtigen. Dunga hat sich nach seinem verbalen Ausraster gegen FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, dem er vorwarf, ein Bürohengst zu sein, der selbst noch nie auf dem Platz gestanden habe, weil er sonst solche Bälle nicht zulassen würde, jedoch Zurückhaltung auferlegt. Der Teamchef dürfte erkannt haben, dass es nicht opportun ist, sich mit dem mächtigen zweiten Mann des Weltverbandes anzulegen, der bei den Stadionplänen für die WM in vier Jahren viel mitzureden hat. Ein verärgerter Generalsekretär könnte die Anforderungen und somit die Errichtungskosten drastisch in die Höhe schrauben.

Dunga zieht es daher vor, seinen eigenen Spielern Dampf zu machen. Selbst als am Freitag aus einer nahegelegenen Schule des Sportkomplexes der Randburg High School lauter Vuvuzela-Lärm nach dem Führungstreffer der »Bafana Bafana« zu vernehmen war, regierten am Platz alle scheinbar desinteressiert und der Betreuerstab intensivierte sogar noch seine Kommandos angesichts der mangelnden Schusspräzision von Dungas »Soldaten«, wie der Journalist Milton Pazzi jr von der Qualitätszeitung Estado de São Paulo sie in seinem Blog treffend nannte. Die aktuelle »Seleção« weckt bei Pazzi aufgrund ihrer Zusammensetzung und taktischen Ausrichtung nicht von ungefähr Erinnerung an die des »Tetracampeão« von 1994, als Dunga den Pokal aus den Händen von Al Gore entgegennehmen durfte, um ihn in den Nachmittagshimmel von Pasadena zu stemmen.

Nach Trainingsschluss blieb es Luis Fabiano vorbehalten, das leidige Thema der ewigen Rivalität mit den argentinischen »Brüdern« am Köcheln zu halten. Auf eine Stichelei von Juan Sebastián Verón antwortend, der gemeint hatte, mit dem Lächeln von Robinho gewinne man noch kein Spiel, antwortete der FC-Sevilla-Stürmer alle Klischees strapazierend, sein Land sei eben das eines der Freude, des Karnevals und des Sambas, während es bei den melancholischen Argentiniern die verbitterte Grundhaltung sei, die sie so oft bei Turnieren scheitern ließe. Demzufolge ist Fabianos Co-Favorit nach seiner eigenen Mannschaft auch Spanien, denn die wüssten abgesehen von ihrer spielerischen Qualität auch, und das insbesondere in seiner südspanischen Wahlheimat, wie man richtig Feste feiere.

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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