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Grantelnder Fabio, schweigender Marcel

cache/images/article_2306_papagei_140.jpg WM-BLOG Russland verliert zwar gegen Belgien, zeigt sich aber gegenüber dem Auftakt verbessert. Was Marcel Koller zu Österreichs EM-Qualifikationsgegner sagt, erfahren vorerst nur Leser der Krone oder ORF-Zuschauer.

Ein Sonntag im Maracana ist immer noch etwas Besonderes. Schon in der U-Bahn mischen sich Fans aus allen möglichen Ländern. Ich komme mit einigen Royal-Antwerpen-Fans ins Gespräch, die mir von Auswärtsfahrten in den 1990er Jahren nach Salzburg und die Südstadt ("Das Stadion ohne Dach") erzählen. Dann mischt sich Janosz aus Ungarn ein, der sich als guter Freund von Red Bull Salzburgs neuem Co-Trainer Zsolt Löw entpuppt. Verbindend ist nicht nur die Herkunft aus Städten des ehemals großen Donaufußballs, sondern auch der Respekt für das, was die Belgier in den letzten Jahren aufgebaut haben.

Nur der Papagei hat keine Karte

Am Stadion angekommen zeigt sich die gegenüber dem Match Chiles gegen die Spanier deutlich erhöhte Präsenz an Sicherheitskräften. Die Fans müssen rund zehn Polizeiketten passieren, die Tickets werden streng kontrolliert. Vor dem Eingang entdecke ich dann aber doch einen kartenlosen Genossen. Ein Fluminense-Fan gehobenen Alters hat einen Papagei auf dem Arm sitzen, mit dem er ein geselliges Schwätzchen führt und so zum beliebten Fotomotiv wird. Vor dem Eingang zum Pressezentrum, den chilenische Fans vier Tage zuvor gestürmt hatten, wieder ein komplett anderes Bild. Eine Spezialeinheit wurde abgestellt, um allen zu signalisieren, dass so etwas nicht ein zweites Mal passieren wird.

Nicht möglich ist auch ein Aufeinandertreffen mit Marcel Koller. Der ÖFB-Teamchef ist zwar im Stadion, um den Russen angesichts der bevorstehenden Aufeinandertreffen in der EM-Qualifikation auf die Beine zu schauen, seine Erkenntnisse will er aber erst nach der Vorrunde mit der Öffentlichkeit teilen. Er sehe keine Chance, nicht einmal für ein kurzes Gespräch, schreibt ÖFB-Pressesprecher Wolfgang Gramann am Vorabend, obwohl sich der ballesterer bereits vor Turnierauftakt um einen Termin mit dem Teamchef bemüht hatte. Ob das ein professionelles Auftreten ist, mag jeder selbst beurteilen. Einmal mehr zeigt sich jedenfalls, dass manche Medien gleicher sind. Denn der Krone und dem ORF hatte Koller beim Match der Schweiz gegen Frankreich in Salvador dann doch ein paar Sätze gesteckt.

Spritknappheit im Finish

So kann man nur vermuten, was Koller in seinen Block notiert hat, wenn er nicht gerade von essenden oder fotografierenden Fans gestört wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dem Teamchef die Leistungssteigerung der Russen gegenüber dem 1:1 gegen Südkorea aufgefallen sein. Gegen die Belgier präsentiert sich das Team von Fabio Capello ballsicher, kompakt, lässt nur wenige Chancen zu und kommt selbst zu einigen gefährlichen Kontern. Dass es schließlich trotzdem zu keinem Erfolg reicht, liegt einerseits daran, dass die Belgier im Finish doch noch das Tempo verschärfen und ihre individuelle Klasse ausspielen. Den Russen dagegen geht am Ende das Benzin aus, wie es Marc Wilmots in der anschließenden Pressekonferenz formuliert. Dass das Match aber einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn die russische Solospitze Alexander Kokorin kurz vor der Pause völlig freistehend das 1:0 gemacht hätte, muss auch der belgische Teamchef anerkennen.

Sein Gegenüber Fabio Capello macht bei seinem Auftritt keinen Hehl aus seiner schlechten Laune und seiner eigenen Sicht auf das Spiel, das in den 90 Minuten davor nicht nur Brasiliens ehemaligen Mittelfeldstar Zico, sondern auch den Großteil der restlichen 73.000 Zuschauer gelangweilt hatte. "Ich finde, es war ein exzellentes Match mit hohem Tempo und großer Intensität", sagt Capello. Der Italiener rechnet offenbar fix damit, auch nach der WM noch russischer Teamchef zu sein. Ansonsten hätte er kaum gesagt: "Das Turnier in Brasilien ist für uns eine Bühne, um das Niveau kennenzulernen, das wir für eine WM brauchen. Aber es kommt vorher noch die EM 2016." Ob er im November beim Spiel gegen Österreich in Wien aber tatsächlich noch im Amt sein wird, hängt wohl in erster Linie vom Ausgang des dritten Gruppenspiels gegen Algerien ab.

 

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