Hellas, ein Erschütterungsexperiment

cache/images/article_1151_hellaskagr_140.jpg Politischer Konflikt, Provokationen und Burschenschaftler. Eine Diskussion rund um Hellas Kagran, Rassimsus/Antirassismus und dem FPÖ-Politiker Martin Graf. Mit am Podium: ballesterer-Redakteur Georg Spitaler.
Clemens Schotola | 30.01.2009
Vergangenen Samstag organisierte die SLP eine Podiumsdiskussion zum Thema »Rassismus und Antirassismus am Beispiel Hellas Kagran« . Es sollte nicht nur um Hellas gehen, sondern um Rassismus und die FPÖ in Österreich allgemein, kündigten die Veranstalter an. Gemäß dieser Devise ging Margarita Döller, eine von den drei suspendierten Spielerinnen bei Hellas, nur kurz auf die Geschehnisse rund um ihren Rauswurf aus dem Frauenteam von Hellas ein. Dem Publikum im vollen Saal des LTM-Klubrestaurants wurde vielmehr ein allgemeines Referat über die wirtschaftliche und politische Situation in Österreich geboten. Conclusio: »Die FPÖ profitiert von der wirtschaftlichen Situation.«

 

Werner Raabe, Geschäftsführer des ASKÖ-Wien, versuchte diesen allgemeinen Lagebericht auf den Fall Hellas Kagran herunter zu brechen. Raabe stellte sich die Frage, wie Martin Graf, FPÖ-Politiker und Mitglied bei der rechtsextremen Burschenschaft Olympia, überhaupt so viel Einfluss bei Hellas gewinnen konnte. »Die (finanziellen) Hilferufe des Vorgängers (Anm.: von Graf) wurden nicht gehört«, stellte Raabe fest. Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlichte seine Argumentation. Die Wiener Sportförderung hat jährlich 900.000 Euro zu verteilen. Bei 1.600 Vereinen bleiben im Durchschnitt 562,5 Euro für jeden Verein oder zwei Euro für jeden Sporttreibende/n.

 

Für Rechtsextremismus-Experten Werner Purtscheller (»Die FPÖ wird im Gegensatz zu anderen Schmuddelkinder, wie dem Vlaams Block in Belgien, zu wenig ausgegrenzt«) sind die Versuche von Rechtsextremen, über den Fußball Nachwuchs zu rekrutieren, zurückgegangen. »Im Kreis von Küssel bewegten sich damals gut 500 Personen bei Rapid«, so Purtscheller. Doch im Vergleich zu früher ist derartiges offenes Auftreten auf den Fußballtribünen nicht mehr möglich.

 

David Ellensohn, Stadtrat der Wiener Grünen, sah Widersprüchlichkeiten im System: »Oben schütten wir für Antirassismus, auch mit Hilfe der UEFA, viel Geld rein und unten wird gestraft, wer gegen Rassismus auftritt«. Vorgeschichte: Vier Nachwuchsspieler von Union Mauer zeigten sich beim Aufwärmen in einem Spiel gegen Hellas in T-Shirts mit der Aufschrift »Zeigt Martin Graf die rote Karte«, und wurden dafür gesperrt. Kurioses Detail am Rande: einer der Spieler ist Mitglied der SLP und wurde mit einer höheren Sperre belegt als seine Mannschaftskollegen.

 

»Habe mir Ausschluss nicht gewünscht«

 

Georg Spitaler, Politologe und ballesterer-Redakteur, diagnostizierte bei den Strafen gegen Union Mauer eine Überforderung des Wiener Fußball Verbandes (WFV). In den Geschehnissen rund um die Suspendierungen bei Hellas sah Spitaler ein »Erschütterungsexperiment« und mutmaßte Provokationen der Spielerinnen gegen die Vereinsführung: »Ich vermute, dass hier ein politischer Konflikt ausgetragen wird.« So hielt auch Döller zuvor fest: »Warum ich gegen Graf bin? Weil ich bei der SLP bin!« Spitalers Fazit: »Die Suspendierungen kamen sicher nicht überraschend.« Döller durchaus nachvollziehbare Replik: »Ich habe mir den Ausschluss nicht gewünscht.«

 

In der anschließenden Publikumsrunde meldete sich Beate Saschnig, Präsidentin des ASKÖ Wien, zu Wort. Zwischen Hellas und ASKÖ tobt derzeit ein Streit über den Austritt des Vereins (Stellungnahme Hellas Kagran) aus dem Dachverband. »Der ASKÖ-Austritt von Hellas war uns nicht einerlei«, erklärte Saschnig. Schlechtes Gewissen war heraus zu hören. Denn Hellas Kagrans offene Flanke für einen rechtsextremen Burschenschaftler hat natürlich eine Vorgeschichte. Ein finanziell ausgehungerter, im Stich gelassener Verein suchte sich einen Retter. Die Unterstützung für die suspendierten Spielerinnen bei Hellas war gleich null. Nur eine ehemalige Teamkollegin nahm am Solidaritätsturnier vor der Podiumsdiskussion teil (Turnierbericht: Das schwere Los des ballesterer).

 

Versuche, die Vereinsmitglieder gegenüber Graf zu sensibilisieren, scheiterten. Die Reaktion pendelten zwischen »Wir brauchen das Geld« bis hin zu »Ihr zerstört den Verein«, berichtete Döller. In der Zwischenzeit brachte Graf seine Parteikollegen in Stellung. Marcus Vetter, bekannt durch seine Bestellungen beim »Aufruhr«-Versand, bekam die Pachtrechte für die Kantine bei Hellas. Doch Proteste alleine werden wohl nicht genügen. Hellas Kagran braucht handfeste Alternativen zu Graf, Vetter und Co.


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