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Hört Argentinien auf zu leiden?

cache/images/article_2320_dscn2258-1_140.jpg WM-BLOG Die Frage, ob Argentinien bei dieser WM noch der sprichwörtliche Knopf aufgeht, mag angesichts von vier Siegen in ebenso vielen Spielen seltsam anmuten. Gegen Belgien muss das zweifellos vorhandene Potential abgerufen werden, damit nicht zum dritten Mal in Folge im Viertelfinale einer WM Endstation ist.
Markus Leiter | 05.07.2014

Spieler wie Eden Hazard, Axel Witsel und Marouane Fellaini ringen der argentinischen Sportpresse zwar Respekt ab, die gegnerische Mannschaft ist dennoch nur ein Nebenschauplatz. In der Hauptsache beschäftigt man sich lieber mit sich selbst. Und dieses Selbst ist komplex genug, weil gespalten: in Lionel Messi und den Rest der Mannschaft. Im Verlauf des Turniers konnte der Superstar, der stets viele Gegenspieler bindet und die meisten Zweikämpfe bestreitet, so manche Unzulänglichkeit des Kollektivs ausbügeln und mit genialen Treffern das Punktemaximum herausholen. Doch rund um ihn stimmt einiges nicht. Messi ist bislang jedenfalls nicht das Ass im Ärmel einer gut funktionierenden Mannschaft, er hat "nur" dafür sorgen können, dass ein mehr schlecht als recht funktionierendes Kollektiv Basisniveau erreicht.


Systemexperimente wie die Fünferkette im ersten Spiel, Bewegungsarmut und fehlende Rhythmuswechsel im Angriff, aber auch individuelle Schnitzer ziehen sich wie ein roter Faden durch das Spiel der Albiceleste. Gegen die Schweiz trat das Team zwar kompakter auf als zuvor, doch es wurden nur wenige Torchancen kreiert. Der für den Spielaufbau im zentralen Mittelfeld so wichtige Sechser, Fernando Gago, ist vor allem im Passspiel ungewohnt fehleranfällig. Aller Kritik in der Heimat zum Trotz wird er gegen Belgien aber wohl wieder auflaufen - auch weil mit Lucas Biglia keine wirklich hochkarätige Alternative zur Verfügung steht.

 

Steigerungsbedarf
Torjäger Gonzalo Higuaín ist bisher ebenfalls ein Totalausfall. Doch auch er steht bei seinem Trainer (noch) nicht im Abseits. Ebenso wenig wie Ezequiel Lavezzi. Die in ihn gesetzten Erwartungen hinsichtlich einer Belebung des Angriffsspiels konnte er als Agüero-Ersatz gegen die Schweiz nicht wirklich erfüllen. Rodrigo Palacio kam in Hälfte zwei für Lavezzi und machte es besser - nicht nur wegen seiner Torbeteiligung. Die besseren Defensivqualitäten Lavezzis bei Ballverlusten, die Gago und Rechtsverteidiger Pablo Zabaleta entlasten sollen, könnten im Spiel gegen die offensiv starken Belgier aber dennoch für ihn sprechen. Agüero ist von seiner Oberschenkelverletzung so weit genesen, dass er zumindest auf der Bank Platz nehmen wird können.


Nicht dabei sein wird dagegen der gelb-gesperrte Marcos Rojo als linker Außenverteidiger - mit seinen tollen Vorstößen bislang die einzige positive Überraschung im argentinischen Team. Für ihn kommt der schon im Achtelfinale eingewechselte José María Basanta in die Mannschaft. Auch Innenverteidiger Federico Fernández dürfte es nach einer sehr schwachen Achtelfinalleistung "erwischen". Der erst im letzten Moment nominierte Routinier Martín Demichelis kommt höchstwahrscheinlich zu seinem ersten Einsatz in Brasilien.

 

Ein Anflug von Weltklasse
Hoffnungen auf ein besseres Auftreten als zuletzt weckt der gegen die Schweiz in der zweiten Hälfte  immer stärker werdende Angel di María. Mit seinem unermüdlichen Einsatz auf der linken Seite vermochte er die gegnerischen Abwehrreihen zu beschäftigen. Die Kombination mit Messi, die zum Tor führte, ließ zumindest erahnen, was das hochkarätige Offensivpersonal zu leisten imstande ist.


Sabella bleibt auch gegen die Elf von Marc Wilmots bei seinem 4-3-3-System. Besonderes Augenmerk, so war am Tag vor dem Spiel zu erfahren, soll der Besetzung der freien Räume beigemessen werden, um Überzahlsituationen im Mittelfeld zu kreieren. Ob diese Maßnahmen gegen die "goldene Generation der Belgier" (Sabella) reichen werden? Ein argentinischer Sportjournalist brachte die Stimmung vor dem Spiel so auf den Punkt: "Argentinien leidet, gewinnt und hört nicht auf zu leiden."

 

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