Hoffender Mucha, stichelnder Bossi

cache/images/article_1465_slowakei_140.jpg WM-BLOG Die ersten beiden Vorrundenspiele gegen semiprofessionelle Neuseel├Ąnder und starke Paraguayer haben den hohen slowakischen Erwartungen einen groben D├Ąmpfer versetzt. Vers├Ąumnisse, die nun ausgerechnet gegen Weltmeister Italien wettgemacht werden m├╝ssen. F├╝r Umberto Bossi steht jedoch schon fest, dass daraus nichts wird.
Radoslaw Zak | 24.06.2010
In der Slowakei mangelt es zur Zeit nicht an Stimmen, die einen Weckruf in der Nationalmannschaft fordern. Schon nach dem 1:1 gegen Neuseeland sprach Coach Wladimir Weiss von einer ┬╗sportlichen Trag├Âdie┬ź. In der letzten Minute der Nachspielzeit kassierten seine Burschen den Ausgleich durch die ┬╗All Whites┬ź, bei denen einige Spieler nicht f├╝r einen Profiverein auflaufen und neben dem Fu├čballspielen noch anderen Berufen nachgehen. ┬╗Wir waren besser, haben aber einige Chancen vergeben, um h├Âher als 1:0 zu f├╝hren┬ź, so der Teamtrainer, ┬╗vielleicht wird das Los uns in den kommenden Spielen anl├Ącheln.┬ź

 

Das Schicksal zeigte sich von den Worten Weiss' jedoch auch gegen Paraguay unbeeindruckt, nach der 0:2-Niederlage stieg die Presse auf die Barrikaden. Dass die Auswahl das Land nicht w├╝rdig vertrete und fatal spiele, waren noch die mildesten Reaktionen. Das auflagenst├Ąrkste Boulevardblatt Nov├Ż as geizte nicht mit Spott: ┬╗Das ist die Fu├čballh├Âlle. Nach dem peinlichem Unentschieden gegen Neuseeland, war das die zweite Trag├Âdie. Die Niederlage ist besch├Ąmend, weil der Stil unserer Mannschaft zu w├╝nschen ├╝brig lie├č. Das Team aus S├╝damerika hat uns dominiert und gezeigt wie man Fu├čball spielt.┬ź Die Tageszeitung SME bem├Ąngelte fehlenden Teamgeist sowie nur einen abgegebenen Torschuss.

Allein J├ín Mucha konnte gute Kritiken sammeln. Der Tormann von Legia Warschau, der nach der WM zu Everton wechseln wird, verhinderte mit seiner guten Leistung eine h├Âhere Niederlage. In einem Interview auf der Homepage seines momentanen Arbeitgebers analysiert der Goalie das bisherige Auftreten und glaubt noch an ein Weiterkommen. ┬╗Italien und wir spielen um Alles oder Nichts, beiden Teams hilft nur ein Sieg. Aber die Italiener sind Favorit und stehen unter gr├Â├čerem Druck┬ź, so Mucha. ┬╗Wir k├Ânnen uns das Ergebnis aus dem ersten Spiel nicht verzeihen. Bei einem Sieg ├╝ber Neuseeland w├╝rde uns ein Unentschieden reichen. Aufgrund des ungl├╝cklichen Gegentors m├╝ssen wir jetzt leider gewinnen.┬ź

Von einer Niederlage der Slowaken ├╝berzeugt zeigte sich indes Umberto Bossi, italienischer Minister f├╝r Reformen von der rechten Lega Nord. Der kontroverse Populist sagte in einer Pressekonferenz, das Spiel sei gekauft. Im Gegenzug f├╝r einen italienischen Sieg w├╝rden in der n├Ąchsten Saison zwei, oder drei slowakische Spieler in Serie-A-Klubs auflaufen.

Bossi und seine Parteikollegen sind bekannt daf├╝r, Gesten und Symbolen nationaler Einheit skeptisch gegen├╝berzustehen und f├╝r die ┬╗Squadra Azzurra┬ź nicht viel ├╝brig zu haben. Bossis Sohn Renzo trainierte vor einem Jahr beim ┬╗Viva World Cup┬ź, einem Kr├Ąftemessen von Nationen, die nicht von der FIFA anerkannt sind, das Team des norditalienischen Fantasiestaats Padania. Der italienische Fu├čballverband nahm umgehend zu den Vorw├╝rfen Stellung und sprach von einer ┬╗├ťbertreibung┬ź und einer ┬╗beleidigenden Aussage┬ź.

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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