»Ich profitiere vom Tempo«

cache/images/article_1218_wenningera_140.jpg Sie gilt als Ausnahmetalent des österreichischen Frauenfußballs: Mit 18 schaffte Carina Wenninger den Sprung zu Bayern München. Mit dem FCB liegt sie nun auf Titelkurs in der deutschen Bundesliga, im U19-Nationalteam reichte es dagegen nicht zur EM-Qualifikation. Carina Wenninger über ihren Traum von einer EM-Endrunde und Unterschiede zu Sebastian Prödl.
Christoph Witoszynskyj | 11.05.2009
ballesterer: Wie beurteilst du deinen Wechsel von LUV Graz zum FC Bayern im Sommer 2007?
Carina Wenninger: Sicher positiv. Fußballerisch kann man sich immer weiterentwickeln. Das erste Jahr habe ich in der  zweiten Mannschaft gespielt, heuer bin ich im Bundesligateam. Dort profitiere ich vom Tempo und von den Mitspielerinnen enorm.

Wie siehst du dich im Leistungsvergleich zu deutschen Nachwuchsspielerinnen, etwa Julia Simic und den Banecki-Schwestern, Nicole und Sylvie?
Die Simic und die Baneckis sind zwei Jahre älter als ich und sehr gute Fußballerinnen. Das war ja auch ein Grund zum FC Bayern zu gehen: Weil ich dazu lernen will. Die deutschen Jugendnationalteamspielerinnen sind generell stark, aber nicht so weit weg. Mit denen in meinem Jahrgang, also '90/'91, kann ich durchaus mithalten.

Kann man daraus den Schluss ziehen, dass die Ausbildungsarbeit in Österreichs Frauenfußball funktioniert?
Wir haben viele gute Spielerinnen, das sieht man auch im U19-Team. Wir können vorne super mithalten, wie gegen Schweden im letzten Jahr. Ich glaube, dass die Jugendarbeit sehr gut ist, nur ist die deutsche Bundesliga vom Niveau her eine Klasse besser als in Österreich. Aber im Jugendbereich wird alles dafür getan, dass gute Spielerinnen nachkommen. In der U19 wäre es ein Traum, einmal zur EM zu fahren. Das hätten wir uns verdient, weil Potenzial in der Mannschaft steckt.

Wo siehst du dich fußballerisch in fünf Jahren?
Weiterhin in der deutschen Bundesliga. Ich möchte regelmäßig zum Einsatz kommen und Stammspielerin sein. Im Nationalteam will ich natürlich eine Führungsrolle und Verantwortung übernehmen. Und mit Österreich stärker werden...

Wie ist die Situation bei den Bayern bezüglich der Doppelbelastung Schule und Fußball?
Es ist stressig. In Deutschland wird extrem viel verlangt, da muss man sich auch nachher noch hinsetzen und lernen und dann gehts ab zum Training. In Graz hatte ich ein bisschen mehr Freizeit, weil ich mir in der Schule leicht getan habe und das Trainingsgelände der LUV zehn Minuten entfernt war. Jetzt trainiere ich vier Mal statt drei Mal in der Woche und fahre 40 Minuten mit dem Auto nach Aschheim, wo das Frauenteam trainiert. In Österreich hätte ich heuer maturiert, aber in Deutschland dauert die Schule ein Jahr länger und so habe ich erst nächstes Jahr Abitur.

Wie schaut deine Zukunft nach der Schule aus? Derzeit ist ja nicht absehbar, dass man als Frauenfußballerin vom Sport leben kann.
Mir ist klar, dass ich nach der Schule etwas machen muss. Mich würde ein Studium in Richtung Sportmanagement interessieren. Weil mit Fußball allein wirds nicht gehen. Mit 18 ist es kaum möglich, davon zu leben.

Packt dich der Neid, wenn du deine Situation mit der von männlichen Kollegen wie Sebastian Prödl vergleichst?
Sicherlich. Wenn man sich den Männerbereich anschaut, wäre es schon super, wenn das im Frauenfußball auch so wäre. Ich glaube, das wird besser werden, aber es wird noch ein paar Jahre dauern, bis man als Fußballerin davon leben kann. In Deutschland sind die zehn oder 15 besten Nationalspielerinnen Profis, die anderen können sich vielleicht ein schönes Taschengeld verdienen. Aber das haben die Männer bei uns in der Landes- oder Regionalliga auch. Der Vergleich ist nicht ganz fair, aber das ist halt einmal so.

Zur Person:
Carina Wenninger ist Kapitänin des österreichischen U19-Nationalteams. Im April verpasste die von Ernst Weber gecoachte Elf die Qualifikation zur Europameisterschaft in Weißrussland. Die 18-jährige Innenverteidigerin wechselte im Sommer 2007 vom damaligen Vizemeister LUV Graz zum FC Bayern München in die deutsche Bundesliga. Im Kader der Münchnerinnen stehen mit Goalgetterin Nina Aigner (Interview in der aktuellen ballesterer-Ausgabe), Torfrau Birgit Leitner und Nachwuchsspielerin Viktoria Schnaderbeck drei weitere Österreicherinnen. Die FCB-Frauen liegen zwei Runden vor Schluss an der Tabellenspitze der deutschen Frauenbundesliga.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
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