Italien wird Weltmeister

Philipp Glanner weiß, warum am Sonntag der Pokal an die nette Halbinsel unterhalb von Klagenfurt geht.
Gastautor | 08.07.2006

Sechs subjektive und irrationale Gründe warum die Italiener am Sonntag gewinnen müssen/sollen.
  1. Zidane hin oder her. Die Squadra Azzurra wartet seit 1982 auf den Weltmeistertitel. Und was heißt da überhaupt Bühnenabgang von Zinedine?! "Zizou" wird nach einer grauslichen EM-Qualifikation der Franzosen für Österreich/Schweiz schon überredet werden, zum wirklich letzten Mal "auszuhelfen".
  2. Das Kollektiv ist der Star der Blauen. Trotz Toni, Totti, Del Piero und Cannavaro wurden während dieser WM laufend neue Stars geboren. Zuletzt spielte sich Fabio Grosso in die Herzen der Tifosi. Neue italienische (Welt-)Meister statt französische Altmeister lautet das Motto.
  3. Italien verdient sich diesen Titel, weil sie mit Romano Prodi die sympathischere Führungspersönlichkeit im Amt haben. Da müssen noch einige Autos in der Pariser Vorstadt brennen, damit die Franzosen Chirac vergessen machen können.
  4. Italien muss gewinnen, weil dann beim Zannoni am Schwedenplatz wieder die Post abgeht: Italienische Trikolore überall, Hupkonzert und feiernde Menschen ganz im Zeichen von Celentanos "Una festa sui prati". Da wird die Wiener Donau zum römischen Tiber werden.
  5. Am Montag werden viele Tifosi ins Koma fallen, da dann das Urteil im Manipulationsskandal erwartet wird. Mit Juventus, AC Milan, AC Fiorentina und Lazio Rom sind nicht weniger als vier Mannschaften mit einem möglichen Zwangsabstieg konfrontiert.
    Es sei denn es kommt zu einem großzügigen Gnadenakt der Justiz und das wäre ja äußerst skandalös und auch wieder so "typisch italienisch" und damit sind wir beim letzten Grund angelangt warum Italien Weltmeister werden muss.
  6. Die Italiener sollen siegen, damit die ganzen "Südfußball-Hasser" für einen Moment schweigen und oder sich zumindest gründlich ärgern müssen. Damit sammeln diese aber nur wieder Kräfte, um nachher noch deutlicher und vehementer das Gesülze von Abwehrbeton, Schauspielerei und Angsthasenfußball der Tifosi vortragen zu können.
    Und jetzt einmal ehrlich. Ohne diese Grundsatzdiskussionen und Streitereien unter den Fußballstammtischphilosophen wäre ja so manche WM oder EM schon zum totalen Reinfall geworden. Also, in diesem Sinne: Forza Azzurri!


Philipp Glanner, Wien-Simmering

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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