Karels Heimkehr

cache/images/article_1182_karel_weg_140.jpg Tschechien wundert sich über den unrühmlichen Abgang von Karel Brückner als ÖFB-Teamchef. Das Ziel, sich für die WM zu qualifizieren, wird als utopisch betrachtet. In Pension wird der Ex-Teamchef wohl noch nicht gehen: Brückner soll Angebote aus dem arabischen Raum und Tschechien haben.
Stephan Wabl | 06.03.2009
»In Österreich regiert weiterhin der Populismus«, schrieb Daniel Kaiser am Mittwoch in der tschechischen Tageszeitung Lidové Noviny. Die Rede war allerdings nicht vom ÖFB, Kaiser kommentierte vielmehr den Ausgang der Kärntner Landtagswahlen. Karel Brückners Ablöse als Teamchef der Nationalmannschaft wurde von der tschechischen Presse jedoch als durchaus ähnliches Phänomen beschrieben. Vor allem die Art und Weise des Rauswurfs durch Neo-ÖFB-Chef Leo Windtner gab Anlass zur Diskussion.

Kein Verständnis fürs ÖFB-Theater
»Österreich gegen Brückner«, betitelte die Presseagentur CTK am Mittwoch ihre Geschichte zum Abgang des 69-jährigen Tschechen und beschäftigte sich mit dem Zeitpunkt der Verkündigung. »Ich habe bereits am 23. Februar mit Generalsekretär Alfred Ludwig meinen Rücktritt vereinbart. Ich wollte das nicht hinausposaunen, warum man so lange gewartet hat, weiß ich nicht«, wird Brückner zitiert.

Bereits am 28. Februar hatte die Zeitung Deník Sport geschrieben, der Abgang sei beschlossene Sache.  Jirí Kubícek, Sportdirektor des SK Sigma Olmütz, sprach mit Brückner darüber unmittelbar nachdem der Abgang offiziell gemacht wurde. »Brückner hat mich gleich nach der Bekanntmachung angerufen und wollte mich auf einen Kaffee treffen. Er versteht das ganze Theater nicht«, sagte der Funktionär am Mittwoch zu Deník Sport

Kubícek meinte in dem Interview, Brückner habe zu wenig Zeit bekommen, um den österreichischen Fußball zu entwickeln. »In Wahrheit haben sie ihm keine Chance gegeben. In Österreich überschätzt man die Qualität des heimischen Fußballs. Brückner hat auf die Mängel hingewiesen, aber von einem Außenstehenden hört man eben nicht gerne, dass das eigene Haus geputzt werden muss«, so der Olmütz-Sportdirektor. 

Pitak vermisst Qualität
Für den Journalisten Petr Adam ist die Selbstüberschätzung des österreichischen Fußballs gepaart mit Brückners Wesen Schuld am Scheitern des Tschechen als Teamchef.  Die Qualifikation Österreichs für eine WM sei derzeit eine Utopie, Brückners zurückhaltende Art und seine schlechten Deutschkenntnisse hätten aber auch ihren Teil zur Misere beigetragen, schrieb Adam am Dienstag in Lidové Noviny

Karel Piták, Mittelfeldspieler bei Red Bull Salzburg, sieht die Sache ähnlich. »Bis auf einen Tormann bei Juventus und einen Spieler in England hat Österreich an Qualität nicht viel zu bieten. Und Brückner hat sein Training nicht geändert, das lief genauso ab wie in Tschechien«, sagte Piták in einem Interview mit Deník Sport. Pitáks österreichischen Mitspielern sei schon seit einiger Zeit klar gewesen, dass Brückner nicht mehr lange Teamchef bleiben werde: »Wir haben oft in der Kabine darüber gesprochen. Für meine Kollegen war es nur eine Frage der Zeit.« 

Karel ist nicht Josef
Wie Brückner nun seine freie Zeit verbringen wird, darüber gibt es in den tschechischen Medien unterschiedliche Ansichten. Rudolf Repka, Generalsekretär des tschechischen Fußballverbandes, sagte, er habe mit Brückner schon vor zwei Monaten bei einem Galaabend über einen möglichen Job beim nationalen Verband gesprochen. »Es wurde eine Zusammenarbeit sondiert, konkrete Ergebnisse hat es aber keine gegeben«, zitierte Mladá Fronta Dnes Repka am Mittwoch.

Laut Olmütz-Sportdirektor Kubícek liegt dem ehemaligen tschechischen und österreichischen Teamchef ein Angebot aus dem arabischen Raum vor, aber auch Budweis, Olmütz und Sparta Prag werden als Optionen genannt. Wüstenambitionen wie sie Josef Hickersberger hegte, kann sich  Kubícek bei Brückner nicht vorstellen. »Er wird sicher nicht mehr aus Tschechien weggehen. Ich hätte ihn gerne als Berater bei uns«, so der Olmütz-Sportdirektor.

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Rubrik: Aktuell
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