Kein Platz für Krankls Barca-Dress

cache/images/article_1796_rapideum_140.jpg Im Dezember 2011 hat in Wien-Hütteldorf das »Rapideum« seine Pforten geöffnet. Kurator Thorsten Leitgeb hat den ballesterer durch das neue Museum des SK Rapid geführt und wenig bekannte Geschichten über Vereinsfarben, Tagebücher und einen steinalten Pokal ans Licht gebracht.
ballesterer: Im Rapideum kann man allerhand zur Geschichte des SK Rapid entdecken. Was bleibt unentdeckt?
Thorsten Leitgeb: Zum Beispiel kennen wir das Motiv für den Farbwechsel von Blau-Rot auf Grün-Weiß nicht eindeutig. Dazu gibt es zwei Theorien. Das Rudolfsheimer Wappen hat auch grün und weiß enthalten, aber eben auch blau. Das überzeugt mich nicht. Überzeugender ist da schon, dass die Straßenbahnen früher Liniensignale und keine Nummern verwendet haben. Und das Signal der Straßenbahn, die nach Hütteldorf gefahren ist, war grün-weiß.

Auch die Gründungsfarben werden im Rapideum thematisiert.
Wir haben eine Replika eines alten, hemdähnlichen, rot-blauen Trikots mit Brusttaschen anfertigen lassen. Daneben haben wir ein rot-blaues Auswärtstrikot von Ümit Korkmaz platziert. Das hat zwei Gründe: Erstens, weil über die Rückbesinnung auf die Traditionen des Klubs durch die Fans, die Gründungsfarben erst wieder aufgegriffen wurden und die Auswärtstrikots deshalb wieder rot-blau geworden sind. Zweitens verkörpert Korkmaz Rapids Verbindungen mit den Migranten in Wien. In den Anfangszeiten Rapids hatten an der Schmelz, als Teil eines Außen- und Arbeiterbezirks, viele Menschen und so auch viele Rapidler tschechische Wurzeln, wie etwa Josef Uridil. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Vereinsgeschichte: In den 1980er Jahren war Rapid auch als »FC Jugo« bekannt, in den vergangenen Jahren gab es vermehrt Spieler mit türkischen Wurzeln bei Rapid, wie eben Ümit Korkmaz oder Veli Kavlak.

Was gehört zu deinen persönlichen Highlights?
Eines meiner liebsten Objekte ist ein Tagebuch einer gewissen Frau Haubert. In den 1960er Jahren hat sie als Mädchen geschrieben: »Nichts besonderes in der Schule. Heut bin ich mit Paps nach Hütteldorf gegangen. Am Rapid-Platz gegen Wacker. Das Spiel wurde abgebrochen, es war eine Keuscherei, wir gingen wieder heim. Die Austria ist eine Trottelmannschaft, hoffentlich besiegt sie Rapid.« Völlig unvermittelt taucht plötzlich die Rivalität zur Austria auf, wie halt Kinder so schreiben.

Der älteste Pokal des Museums ist von 1902. Wie habt ihr den aufgetrieben?
Es ist der »II. Preis vom zweiten Fußballturnier des Sportclub Rapid 1902«. Den hat uns ein Altwarenhändler für 700 Euro angeboten. Der Andy Marek war zunächst skeptisch und hat gesagt: »Wie können wir wissen, dass der echt ist«. Dann hat der Fanklub »Flo Town Boys« angeboten, ihn für uns zu kaufen, das haben wir dankend angenommen. Es muss erst einmal jemand beweisen, dass der nicht echt ist. Endgültig sagen kann man das wohl nie. Bei Barcelona steht der gleiche Pokal aus dem gleichen Jahr. Man könnte sagen: »Die sind dem Typen wohl genauso auf den Leim gegangen.« (lacht) Ich würde eher sagen, das spricht dafür, dass er echt ist. Damals hat sich alles an England orientiert, es wird dort Leute gegeben haben, die den Pokal angefertigt und dann nach Europa geliefert haben, wo er entsprechend graviert worden ist.

Im Rapideum dreht sich nicht alles um Fußball. Was hat darüberhinaus noch Eingang gefunden?
Rapid hat für lange Zeit über andere Sportsektionen verfügt: Eine Radfahr-, eine Box-, eine große Leichtathletik- und eine erfolgreiche Handballsektion. Da könnte man noch genauere Recherchen anstellen, viel wissen wir nicht darüber. Die Feldhandballer haben zeitweise das Vor- bzw. Nachspiel auf der Pfarrwiese bestritten, das dann einige tausend Zuseher mitverfolgt haben. Und was wohl die wenigsten wissen: Sie waren immerhin viermal Staatsmeister, haben aber später mit West-Wien fusioniert. Vielleicht wird es wieder einmal andere Sektionen geben oder endlich eine Frauenmannschaft. Da sind uns ja andere Vereine voraus.
Haben bereits viele Spieler das Museum besucht?
Ja, Steffen Hofmann zum Beispiel. Er musste versprechen, die leere Vitrine mit der Aufschrift »Der Teller gehört nach Hütteldorf« mit der Meisterschale zu füllen. Atdhe Nuhiu ist vor dem letzten Spiel im Herbst gegen die Admira ins Museum gekommen und hat sein Tor gegen Aston Villa gesehen. Das hat ihn sichtlich motiviert, denn er im anschließenden Match hat er das Führungstor geschossen. Auch ehemalige Spieler sind schon hier gewesen. Der Hans Krankl hat sofort die ihm gewidmete Vitrine betrachtet und gefragt: »Wo ist meine Barcelona-Dress?«. Das Trikot hatte leider keinen Platz mehr.

Einen Vergleich der beiden Vereinsmuseen anlässlich des 300. Wiener Derbys finden Sie in der aktuellen Printausgabe des ballesterer (Nr. 69, März 2012) ab sofort österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!
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