Keine Kompromisse

Die Fans von Austria Salzburg beenden die Gespräche mit Red Bull. Eine Vereinsgründung kündigt sich an.
Reinhard Krennhuber | 16.09.2005

Es ist soweit. Salzburgs violette Fans wollen sich von Red Bull im Farbenstreit nicht mehr länger hinhalten lassen. Per Presseaussendung erklärte die Initiative Violett-Weiß am Freitag nach einem gescheiterten Gespräch am Tag zuvor die Verhandlungen mit den neuen Vereinseigentümern für beendet.

»Red Bull war es nicht möglich, einen kleinen Schritt auf dem von uns ausgebreiteten violetten Teppich entgegenzukommen und unsere Minimallösung in der Dressenfrage zu akzeptieren«, heißt es in dem Kommunique. Und der Ärger der Fans ist verständlich, wären ihrem Vorschlag zufolge (siehe Bild) doch nur die Ränder von Leibchen, Hose und Stutzen violett eingefärbt worden, Logo und Red Bull-Wappen unangetastet geblieben.

Der Gegenvorschlag von Red Bull kann nur als Verhöhnung der Fans gesehen werden, in diesem Streit um überbordende Kommerzialisierung. Denn lediglich die Symbole des Ausstatters adidas am Trikot wären violett gewesen, in Summe also ein Promilleanteil. Weiters im Angebot des Getränkeriesen: Ein Tormann mit violetten Stutzen und ein Kapitän mit violetter Binde. Und dann kam auch die in den letzten Wochen so oft gezeigte Sensibilität noch einmal zum Tragen, als Red Bull die violetten Fans, nach dem das Scheitern der Gespräche offensichtlich war, auch noch aufforderte »aus Gründen der Fairness« das Stadion künftig vollkommen meiden.

Zumindest an diesem Wochenende wird dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen, denn die Salzburg-Fans haben unter dem Motto »Mit Herz ­ statt Kommerz! Stoppt Red Bull und den modernen Fußball!« zu zu internationalen Aktionstagen aufgerufen. Laut Moritz Grobovschek von den Tough Guys werden Fans in rund 150 europäischen Stadien ihre Solidarität mit den violett-weißen Fans und ihre Abneigung gegen Red Bull demonstrieren. Grobovschek stellt in diesem Zusammenhang klar, »dass es sich um eine Aktion handelt, die direkt auf den Fall Red Bull Salzburg gemünzt ist«, und nicht wie von Seiten der Vereinsführung behauptet um eine »allgemeine Aktion gegen den Kapitalismus«.

Was danach in Salzburg passiert, ist offen. Fest steht lediglich, dass die Initiative Violett-Weiß mit Aktionen nicht mehr in den Meisterschaftsalltag eingreifen wird, also keine Supportlinien mehr vorgibt und keine Choreographien/Spruchbänder organisiert. Die Gründung eines eigenen Vereins dürfte im Raum stehen, denn die Fanvereinigung kündigt in ihrer Aussendung an: »Allen violetten Fans und den vielen solidarischen Unterstützern im In- und Ausland sei gesagt, dass wir gemeinsam Austria Salzburg wieder auferstehen lassen werden.«

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