»Küssen ist ein wenig übertrieben«

cache/images/article_1448_deutschlan_140.jpeg WM-BLOG Der ballesterer sprach mit Sturm-Graz-Trainer Franco Foda darüber, wie man Deutschland schlagen könnte. Außerdem erklärte uns Foda, warum er Spielern bei ihrer Auswechslung immer die Hand gibt.
Martin Schreiner | 19.06.2010
Wie würden Sie mit Sturm Graz gegen Deutschland spielen?
Wir spielen immer in einer Raumdeckung. Wir wollen in einer bestimmten Zone die Spieler übernehmen. Gegen eine Mannschaft wie Deutschland muss man die Distanz zwischen Stürmer und Verteidigung sehr eng machen. Es gilt die Räume, in die schnelle Spieler hineinlaufen können, zu schließen. Wichtig ist es aber, nach vorne zu spielen. Denn die Defensive von Deutschland muss gefordert werden.

Löw nimmt Podolski und Klose zur WM mit, obwohl die nicht unbedingt eine gute Saison gespielt haben. Stellt er damit das Mannschaftsgefüge über die Einzelleistung?
Das ist richtig. Normalerweise würde man auch davon ausgehen, dass er nur die Spieler mit der besten Form mitnimmt. Aber Klose und Podolski haben in der Nationalmannschaft immer überzeugt und ihr Potential abgerufen. Generell ist es immer wichtig, dass der Trainer Linie hat und auch mal an Spielern festhält, von denen er überzeugt ist, auch wenn sie nicht in Form sind. Gerade für Stürmer ist es wichtig, dass sie das Vertrauen des Trainers spüren.

Was macht Löw gerade bei so Typen wie Podolski richtig?
In der Nationalmannschaft hat Podolski natürlich auch viel bessere Mitspieler als bei Köln. Außerdem herrscht in Köln die Maxime, hinten gut zu stehen - die Nationalmannschaft spielt hingegen offensiv. Podolski spielt im Team anders als bei Köln über den linken Flügel und das scheint ihm ganz gut zu tun.

Wird die deutsche Nationalelf durch das Fehlen von Balack flexibler, weil sie nicht mehr so zentral auf einen Spieler ausgerichtet ist?
Nein, das glaube ich nicht. Die Qualität von Deutschland hat sich dadurch verändert, dass sie nur mit einer Stoßspitze spielen und dahinter mit vielen beweglichen Spielern, die auch immer wieder ohne Ball gefährlich in die Angriffzone hinein gehen. Das sind die entscheidenden Spieler. Lahm, Özil und Trochowski nützen genau diese Position aus. Die Anzahl der nominellen Spitzen ist nicht so wichtig.

Welcher Trainer fällt ihnen bei der WM besonders auf?
Maradona beeindruckt als Star. Ich kann über seine Qualität als Trainer nichts sagen. Er hat aber einen guten Draht zu den Spielern wie es scheint. Er umarmt und küsst sie, wenn sie das Feld verlassen. Da scheint die Stimmung zu passen.

Wie halten Sie es mit dem Küssen von Spielern?
Ich gebe jedem Spieler beim Verlassen des Feldes immer die Hand. Ich glaube, das gehört sich so. Die Spieler haben eine Leistung abgerufen. Es gibt natürlich immer wieder Spieler, die an einem Tag weniger gut sind. Aber deswegen gebührt ihnen trotzdem mein Respekt. Küssen ist ein wenig übertrieben.
ballesterer # 121

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