Lachen mit dem ORF: »Weniger ist mehr«

cache/images/article_1083_faroer_tz_140.jpg Länderspiele gegen die Färöer Inseln ermuntern österreichische Protagonisten zu immer neuen Blamagen. Insofern fast logisch, dass der Staatsfunk auf Live-Bilder aus Torshavn verzichtete. Peinlich wars trotzdem. Ein »Lachen mit dem ORF Spezial« über gute schlechte Nachrichten und unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeiten.
Wolfgang Federmair | 12.10.2008
Zur Anstoßzeit, kurz vor 17 Uhr, läuft ein Tennisspiel, ein Insert am unteren Bildschirmrand sagt uns: »Aus technischen Gründen verzögert sich die Übertragung aus Torshavn.« Was folgt, ist aber nicht das Fußballspiel, sondern ein »ZiB-Flash«: »Schock und Trauer in Österreich: Jörg Haider ist tot.« Abgesehen davon, dass sich der Newswert dieser Meldung mehr als einen halben Tag nach dem Unfall Haiders in Grenzen hält. Was ist mit dem Match?


Dann erscheint ein grinsender Herbert Prohaska auf dem Bildschirm. Er macht Werbung für eine umstrittene Geldanlagefirma und scheint sich dabei über die weltweite Finanzkrise lustig zu machen: »Weniger ist mehr.«


Einige Minuten später erklärt Boris Jirka im Wiener ORF-Studio: »Die gute Nachricht: Das Fußballspiel gegen die Färöer Inseln findet statt. Die schlechte Nachricht: Das Fußballspiel findet zumindest derzeit nicht im Fernsehen statt.«


Schließlich vernehmen wir die vertraute Stimme von Thomas König: »Grüß Gott, liebe Fußballfreunde, aus dem Nordatlantik.« Und wirklich: Da ist ein kleines Stadion am Meer zu sehen allerdings nur auf einem etwas unscharfen Standbild. Ebenfalls erkennbar: Spieler mit weiß-blauen bzw. rot-weißen Dressen und am Bildschirmrand hinter dem rechten Tor zwei Flaggen: eine Schweizer und eine der Färöer Inseln. Einem Insert ist Folgendes zu entnehmen: »Aus Versagen des Vertragspartners kann der ORF ihnen keine Fernsehbilder aus Torshavn liefern! Wir informieren sie jetzt in Form einer Radioübertragung.«


Die unkorrekte Höflichkeitsform ist nicht nur uns aufgefallen, in der 35. Minute wird aus dem sie ein Sie und aus dem ihnen ein Ihnen. Im Lauf der Zeit wird man noch höflicher und ergänzt das Insert: »Wir bitten um Entschuldigung.« Außerdem nimmt man von der Radioübertragung Abstand, es scheint »unser Kommentator« auf. In der 69. Minute ist bereits der halbe Bildschirm überschrieben (immer noch das selbe Bild), neueste Ergänzung: »Wir ersuchen Sie um Verständnis.«


Thomas König bemüht sich unterdessen uns nahe zu bringen, was auf dem Spielfeld im stürmischen Nordatlantik so abläuft. Wir bemühen uns auch, haben aber zum Teil trotzdem Mühe, ihm zu folgen:
»Fehlpass auf Hoffer.«
»Fuchs mit dem Eckball von draußen.«
»Viele unsaubere Zweikämpfe im Zweikampf bei den Färingern.«
»Ball von Fuchs aber schon wieder weggedrescht.«
»Ein kleiner Lichtblitz von oben: kein Gewitter, sondern ein kleiner Sonnenblitz.«


Umso erstaunter sind wir, als Herbert Prohaska dann tatsächlich eine Partie analysiert, die er gar nicht gesehen hat. Mit Hinweis auf Königs Kommentar spricht er von einem einfallslosen Spiel und stellt fest, dass man nur mit hohen Bällen einfach nicht gewinnen könne.


Sicher ist, dass das Spiel 1:1 ausgegangen ist. Boris Jirka fragt: »Wie peinlich ist das für den österreichischen Fußball?« Prohaska:»Ja peinlich. Das ist einfach ganz klar schade ... außer wir gewinnen auswärts gegen die sogenannten Großen aber das ist wahrscheinlich unwahrscheinlich.«

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Rubrik: Aktuell
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