»McDonalds gehört keinem Schwarzen«

cache/images/article_1486_pule2_140.jpg WM-BLOG Südafrika ist eine Grillnation, das Braai ein gesellschaftliches Ereignis. In den WM-Stadien kommen die Besucher jedoch nicht in den Genuss saftiger Steaks und schmackhafter Burenwürste. Und auch davor mussten sich die Grillmeister ihre Standplätze erst hart erkämpfen.
In der Fitzroy Street am Ellis Park steigt Rauch auf. Für die Sicherheitskräfte eher ein Pausensignal als ein Alarmzeichen. Denn Grillmeister Pule hat in seinem Stand vor dem WM-Stadion Steaks und Hendl aufgelegt, die beiden Frauen neben ihm braten Boerewors, die klassische südafrikanische Grillwurst.

Die Fans von Brasilien und Chile, die an diesem Abend im Achtelfinale aufeinandertreffen, ziehen an den von der Stadt Johannesburg vermieteten Ständen vorbei. Vom Geruch der Grillage zeigen sich nur die wenigsten angezogen, das Geschäft läuft nicht nach Pules Vorstellungen.  »Außer an euch hab ich heute noch nichts verkauft. Es werden am Ende nicht mehr als ein Topf Pap (der traditionelle südafrikanische Maisbrei, Anm.) und 20 Steaks werden«, sagt der Grillfuchs aus Soweto. Dazu kommen noch die Coupons, die er von den Securities und Polizisten erhält.

 

Kämpfen für den 16-Stunden-Tag
»Vor der WM haben wir das Essen fast ausschließlich im Stadion verkauft. Wir sind sehr enttäuscht, dass das jetzt nicht möglich ist«, meint Pule. Ursprünglich wollten die Behörden die Kleinunternehmer auch vor dem Stadion nicht zulassen. »Dieses Recht mussten wir uns erst erkämpfen. Wir haben vor dem Gebäude des südafrikanischen Verbands demonstriert, bis sie uns Zugeständnisse gemacht haben.«


Das Recht, vor dem Ellis Park und der Soccer City grillen zu dürfen, hat sich Pule mehr als 800 Rand (rund 80 Euro) kosten lassen, der Großteil davon ging für die Registrierung drauf. Eine Investition, die sich trotz des an diesem Nachmittag mäßigen Andrangs bezahlt macht. »Bei Mexiko gegen Argentinien hab ich 800 Rand Umsatz gemacht, aber die Brasilianer kaufen nichts.« Der Aufwand, den der Mann aus Soweto betreibt, geht an die Substanz. »Heute bin ich um sechs Uhr in der Früh hier gewesen«, lacht er ironisch, »heimgehen kann ich erst nach dem Spiel. Das sind also rund 16 Stunden.«

Kein Bier und kein Pepsi

Neben Essen hat Pule auch Getränke in seinem Sortiment. In Blechwannen werden Coca-Cola-, Sprite und Fanta-Flaschen von einem Eisblock kühl gehalten. »Wenn wir Pepsi anbieten, schmeißen sie uns raus, weil das kein FIFA-Sponsor ist.« Noch heikler sei die Sache beim Alkohol: »Wenn du Bier verkaufst, wirst du überhaupt gleich mitgenommen.« Wie die Straßenhändler, die Fahnen, Vuvuzelas und Makarapa-Helme verkaufen, fürchtet auch Pule die Willkür der Polizei. »Das Essen wird ausschließlich frisch zubereitet, trotzdem gibt es Problemen mit den Inspektoren. Sie verteilen Strafen für Sachen, die ich nicht nachvollziehen kann. Kürzlich habe ich 500 Rand bezahlt, weil mein Gaskocher kurz ausgegangen ist. Das ist einfach zu viel.«

Die Hoffnung, mit der WM viel Geld zu machen, hat der Anfang Dreißigjährige längst aufgegeben. »Die kleinen Leute werden vom World Cup nicht groß profitieren nur die FIFA und die Konzerne. McDonald's gehört keinem Schwarzen wie mir. Wenn die big guys sich das Geld eingesteckt haben, darf ich wieder im Stadion verkaufen.« Seinen Stand möchte er trotzdem nicht aufgeben. »Zumindest ist für uns auch ein kleines Stück vom Kuchen abgefallen. Es war kein großes, aber besser als nichts.« War es eine gute Idee, die WM nach Südafrika zu bringen? »Ja, ja und ja«, meint Pule. »Wir haben der Welt gezeigt, dass Afrika bereit ist, solche Großveranstaltungen auszutragen. Und Ghana wird den Pokal holen.«

Schließlich findet sich doch noch Kundschaft ein. Die vermeintlichen Fans aus Brasilien und Chile entpuppen sich als Itai und Ilai aus Israel, die seit zwei Wochen durch Südafrika touren. »Das Essen schmeckt hervorragend. Auch wenn die Bedingungen, unter denen es gemacht wird, nicht superhygienisch ausschauen«, meint Ilai und verweist auf das deutliche bessere Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum Stadion-Fast-Food. 30 Rand für die Boerewors und 40 für das Steak mit Beilage, machen den Plastik-Hot-Dog, der im Ellis Park für 25 Rand über den Tresen geht, zum entbehrlichen Gaumenvergnügen. Für den Unmut Pules zeigen die beiden Israelis Verständnis. »Es ist eine Schande, dass sie nicht im Stadion verkaufen dürfen. Aber das ist die FIFA. Mit denen lässt sich nicht streiten.«

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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