Mehr als ein Sieg

cache/images/article_1236_green_iran_140.jpg Die iranische Nationalmannschaft wird nicht an der WM 2010 in Südafrika teilnehmen. Doch die Solidarität des Teams mit dem protestierenden Volk im Match gegen Südkorea zählt für viele Iraner mehr als jeder Sieg.
Mahdi Rahimi | 18.06.2009
Die Financial Times berichtet nur selten über Fußball. Noch seltener schafft es ein Fußballteam aufs Cover und schon gar nicht das iranische Team, seit gestern offiziell auch in Asien nur mehr Mittelmaß. Doch ein 1:1 gegen Südkorea in Seoul und das damit verbundene Ausscheiden aus der WM-Qualifikation brachten sie trotzdem auf die Titelseite des renommierten Blattes.

Sechs Spieler des Nationalteams Mehdi Mahdavikia, Ali Karimi, Javad Nekounam, Masoud Shojaei und die im Iran spielenden Pejman Nouri und Hossein Kaabi trugen wegen der Ereignisse rund um die Präsidentenwahlen im Iran und aus Solidarität mit dem protestierenden Volk grüne Armbänder. Grün ist die politische Farbe der Demonstranten und des unter zweifelhaften Umständen unterlegenen Kandidaten Moussavi. Zwar wurden sie zur Halbzeit gezwungen die Bänder zu entfernen wogegen sich Mahdavikia widersetzte, doch 45 Minuten hatten gereicht, eine große Geste zu setzen.

Diese Aktion war alles andere als selbstverständlich. Noch nie in der Geschichte des Irans haben Sportler derart politisch Farbe bekannt und sich mit weiten Teilen der Bevölkerung solidarisiert. Vielmehr war es der Normalfall, dass Sportler - seien es Ali Parvin, Gewichtheber Hossein Rezazadeh oder auch Ali Daei immer wieder einen Kuschelkurs mit den Mächtigen fuhren.

Vor und nach den Wahlen zeigten sich Hamid Estili, der Torschütze zum 1:0 gegen die USA bei der WM 1998, und Khodadad Azizi solidarisch mit Ahmadinejad. Freundschaftsspiele und Turniere standen unter politischen Slogans wie »Atomkraft ist unser natürliches Recht« und Ahmadinejad selbst zeigte sich immer wieder bei Fussballspielen als Fan. Dies führte mehr und mehr dazu, dass das Interesse der Iraner an den Spielen der Nationalmannschaft abnahm. Hinzu kamen Faktoren wie die Unbeliebtheit von Ali Daei, der Qualitätsmangel im Team und die Tatsache, dass sich einige Spieler wie Karimi immer mehr als eigensinnige Diven präsentierten.

Mit diesem Stil war es am Mittwoch jedoch vorbei. Im WM-Stadion von Seoul zeigte sich ein solidarisches Team, das sich ein letztes Mal die Seele aus dem Leib rannte und  kämpfte. Am Ende reichte es trotz Führung nicht, doch die iranischen Spieler brauchten sich keine Vorwürfe zu machen. Teamchef Afshin Ghotbi hatte vor dem Spiel prophezeit, dass das Spiel in Seoul wie jenes in Melbourne 1997, als man sich für die WM 98 qualifiziert hatte, als großer Sieg in die Geschichte des iranischen Fußballs eingehen werde. Allerdings hätte niemand gedacht, dass er auf diese Art Recht behalten würde.

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Rubrik: Aktuell
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