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Mehr Welt als Meisterschaft

cache/images/article_2310_2014-06-12_17.15.18_kopie_140.jpg WM-BLOG Am Donnerstag stehen die letzten Vorrundenspiele auf dem WM-Fahrplan, dann folgt ein spielfreier Tag, bevor es in die K.o.-Runde geht. Warum eigentlich? Für viele Teams und Fans heißt es schon Koffer packen, dabei ist es doch am schönsten, wenn noch alle dabei sind.
Nicole Selmer | 26.06.2014

Aufzug fahren in den Hotels der WM-Spielorte, das ist wie Geschenke auspacken. Wenn sich die Türen öffnen, kann man sicher sein, dass WM-Fans drin stehen. Aber wer wird es diesmal sein? Australier in gelben Anzügen und Hüten mit Stoffkänguru im Arm? Mitglieder des Ghana Supporters Clubs mit Fahne über der Schulter? US-Amerikaner mit Trikots aus der Major Soccer League? Südamerikanische Journalisten mit Akkreditierung um den Hals? Oder Hotelangestellte in Brasil-Shirts?

 

Die Vorrunde ist das Beste an einer Weltmeisterschaft, da ist noch alles kunterbunt gemischt. An praktisch jedem Flughafen taucht eine größere oder kleinere Reisegruppe aus Costa Rica auf, egal ob die Mannschaft gerade in dieser Stadt spielt oder nicht. In Salvador sind Brasilianer in den Trikots der Bahia-Klubs im Stadion, die wahlweise für Deutschland oder Portugal jubelten. Zwischen "Super Deutschland Olé" und "Portugal, Portugal" erklang in der zweiten Halbzeit dann jedoch auch "Sou brasileiro com muito orgulho, com muito amor" - "Ich bin Brasilianer mit großem Stolz, mit viel Liebe".

 

Ein junger Mann mit Irokesenperücke in Schwarz-Rot-Gold, St.-Pauli-Shirt mit Totenkopf, der in Brasil-Farben unterlegt ist, holte zum Fotoposing eine kanadische Fahne heraus - wer soll sich da noch auskennen? Während des Flugs von Fortaleza nach Recife tauscht man sich über die bisherigen Reiserouten und die gesehenen Spiele aus, beim Aussteigen holten etliche der Fluggäste neben Taschen und Rucksäcken auch ihre riesigen Sombreros aus den Gepäckfächern.

 

Ich sehe ein, dass das dem kompetitiven Grundgedanken dieser Veranstaltung klar widerspricht, aber von mir aus könnte auch nach der Vorrunde Schluss sein, und zwar für alle. Es gäbe Underdogs und Überraschungen, aber keine echten Verlierer. Die Weltmeisterschaft wäre eher wie ein Kindergeburtstag: Alle haben ihren Spaß, und auch wenn sich zwischendurch mal jemand das Knie blutig schlägt, wird niemand gebissen, niemand muss früher abgeholt werden, und am Ende kriegen alle noch ein paar Süßigkeiten mit für den Heimweg.

 

Stattdessen reisen die Stoffkängurus samt der australischen Fans jetzt in die eine Richtung ab, der Ghana Supporters Club in die andere, und Cesare Prandelli ist zurückgetreten. Natürlich wird auch in der Vorrunde gewonnen oder verloren, ausgeschieden oder aufgestiegen, aber es ist mehr Welt als Meisterschaft.

 

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