Mortal Kombat im Selhurst Park

cache/images/article_1277_ashikf5004_140.jpg Im Selhurst Park von Crystal Palace erlebte Eric Cantona am 25. Januar 1995 seinen Hollywood-Moment. Mit dem Kung-Fu-Tritt gegen Matthew Simmons zeichnete »King Eric« verantwortlich für eines der unvergesslichsten Vergehen in der Fußballgeschichte, das Martial-Art-Experten und Fans auch heute noch bewegt. 
Radoslaw Zak | 16.09.2009
Die Farbe der Auswärtsdressen von Manchester United hätte an diesem Abend nicht besser gewählt sein können: getreu dem Kostümdesign von Martial-Arts-Filmen traten die Spieler ganz in Schwarz gekleidet zur Partie gegen Palace an, in der Eric Cantona Selbstjustiz übte. Nach seinem Platzverweis wurde er von Matthew Simmons rassistisch beschimpft, daraufhin schmetterte er dem Provokateur sein rechtes Bein entgegen und traf dessen Brust.

Kung-Fu-Trainer Rudolf Hauner möchte im Gespräch mit dem ballesterer »aufgrund der Unangebrachtheit der Tat« keine Haltungsnoten vergeben. Der Bundestrainer der Austria Kung Fu Association meint jedoch durchaus anerkennend: »Der Tritt war in seiner Ausführung ansprechend.« Bei dem seitwärts gesprungenen Kick handle es sich um einen Nan Pai Yuk Tek, der in seiner Anwendung äußerst effektiv sei. »Cantona hatte bei der anschließenden Landung das Pech, über ein Geländer zu stürzen«, so Hauner, »das hätte böse enden können. Er hat sich jedoch geistesgegenwärtig seitlich im Sprung abgedreht und so eine Verletzung vermieden.«

In den Momentaufnahmen diverser Fotografen und Kameraleute zeigen die Gesichter um den attackierten Simmons das breite Spektrum menschlicher Emotionen. Während beim Tritt im Zentrum des Bildes die Wut Cantonas dominiert, sind die Antlitze der Zuschauer in der Peripherie von Erstaunen, Entsetzen, Schmunzeln oder auch Angst gezeichnet. Und auch heute noch bewegt die Aktion die Gemüter von Fußballfans. Im Internet wird in Fanforen nicht nur an jedem Jahrestag an den Kick erinnert, sondern auch anlässlich »Flugeinlagen« anderer Fußballer, wie etwa jüngst beim noch derberen Tritt des Bolivianers Sergio Jauregui in das Gesichts eines Gegenspielers. Nicht wenige User verherrlichen Cantonas Kick und sprechen vom »berühmtesten Tritt in der Geschichte des Fußballs«. Im Forum auf www.fanlager.de beschreibt der User ConJulio Cantona als »Godfather of extreme Ausrasting«.

Vielleicht war es jener Ausraster, der den Status des Franzosen als mythenbehaftete Figur zementierte und ihn in den Fußballerheldenolymp hob. Unbestritten ist jedenfalls, dass der Angriff schnell in die Popkultur einzog: nur zwei Monate später zierte das Foto der Attacke das Cover der Single »Kung Fu« der nordirischen Popband Ash und in Manchester fanden Shirts mit Abbildungen der Attacke in jedem Streetwear-Shop reißenden Absatz.

Referenzen:

Heft: 45
ballesterer # 120

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