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Nach Überstunden zur Fiesta Argentina

cache/images/article_2325_2014-07-09_23.52.28_kopie_140.jpg WM-BLOG Ein von Sicherheits-Taktik und Langeweile geprägtes Halbfinale geht über 120 torlose Minuten ins Elferschießen. Dort avanciert Argentiniens Goalie Sergio Romero zum Helden und lässt Lionel Messi und Co. über eine Finale gegen Deutschland jubeln. Überdies gibt's ein Weltmeister-Dress zu gewinnen.

Eine gute Hundertschaft argentinischer Fans hat sich nach Spielschluss auf dem Marmorboden, der die Tribünenabgänge mit dem Ausgang des Itaquerao-Stadion verbindet, versammelt. Lautstark singen sie ihre Necklieder über die Selecao, vergleichen Maradona mit dem Papa, der auf Besuch beim Veranstalter und sowieso besser als Pele wäre und erinnern nochmals an das 1:7 Debakel der Hausherren gegen die DFB-Elf im ersten Semifinale. Eine fröhliche, ausgelassene Stimmung, begleitet von Fans mit Papst Franziskus Masken und einer billigen Weltpokalkopie in der Hand. Die Barra Brava-Fangesänge der argentinischen Fankurven haben von einem neutralen Vergleichsstandpunkt auch wirklich mehr Power und Drive als die Gesänge der brasilianischen Torcidas.

Ich denke kurz noch einmal an mein Treffen vor knapp 5 Monaten mit dem wahren Hausherren hier, dem Ex-Corinthians Präsidenten und nunmehrigen Stadionverantwortlichen Andres Sanches, zurück. Ob er das so erwartet hat, dass ausgerechnet der Lieblingsfeind aus dem Nachbarland in "seinem Stadion" das Halbfinale austrägt? Das Ausscheiden seiner Corinthians in der Copa Libertadores gegen die Boca Juniors - Vorwürfe der Schiedsrichter wäre gekauft gewesen inklusive - lässt erahnen, dass er vom nun schon zweiten Besuch der Nachbarn nicht gerade begeistert ist. Noch dazu sind erst weniger als 24 Stunden seit der größten Fußball-Pleite Brasiliens vergangen.


Festtag in himmelblau-weiß
Der zweite Halbfinalspieltag ist dagegen für die Gauchos selbst von besonderer Bedeutung. Man feiert die Unabhängigkeitserklärung von 1816 von der spanischen Krone. Im nationalen Pathos schwelgend darf da schon guter Fußball und der Finaleinzug erwartet werden, doch der Tag beginnt für argentinische Sportnation mit einer Hiobsbotschaft. Journalisten-Kollege Jorge Lopes von der Sportzeitung "Ole", ein guter Bekannter von Lionel Messi, stirbt auf tragische Weise in den frühen Morgenstunden nach einem Unfall, in das sein Taxi auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel verwickelt wird. Autodiebe, die vor der Polizei flüchten, rammen mit voller Wucht das Heck des Taxis, der argentinische Kollege wird aus dem Wagen geschleudert und stirbt an Ort und Stelle. Trotz des tragischen Ereignisses wird weder im Medienzentrum, noch vor Spielbeginn dem Verstorbenen gedacht.  Einzig eine Trauerminute für den vor wenigen Tagen verstorbenen Alfredo di Stefano, der sowohl für Argentinien als auch für Spanien spielte, es aber nie zu einer WM schaffte, wird eingelegt. Auch hier zeigt sich einmal mehr die fehlende Sensibilität des argentinischen Verbands AFA, dessen Medienabteilung eigentlich die Aufgabe gehabt hätte, die FIFA und LOK um diese  Geste zu ersuchen und mit Trauerflor zu spielen.  Offensichtlich ist die Familie Grondona, die den gesamten Verband seit unglaublichen 35 Jahren fest in der Hand hat, nur am gewinnbringenden Weiterverkauf der ihnen zugeteilten Gratis- und Hospitalitytickets interessiert.


Taktisches Geplänkel

Auf den Tribünen bekommen jedenfalls bei weitem nicht so viele argentinische Fans Tickets wie in den Gruppenspielen und die Oranjes machen auch nur ein kleines, zerstreutes Grüppchen aus. Die Mehrheit der Zuschauer, dürften Brasilianer sein, die sich aber nach der gestrigen Riesenohrfeige eher zurückhaltend kleiden, und nur bei Provokationen der argentinischen Fans ihre Version des Maradona-Liedes singen. Am Spielfeld selbst tut sich lange Zeit herzlich wenig. Offensichtlich wollen beide Coaches einen ähnlichen Start wie am Vortag Brasilien vermeiden. Äußerst massive Abwehrreihen lassen auf beiden Seiten die Superstars Messi und Robben nicht zur Geltung kommen.

 

Ein Freistoß von Messi, direkt in die Hände von Cillessen sollte auch schon das einzig Vermeldenswerte in Halbzeit eins sein. Durchgang zwei, das selbe, ermüdende Bild. Einzig ein Schuss von Higuain ans Außennetz - allerdings aus Abseitsposition - reißt uns kurz aus unseren Sitzen. Am eher einschläfernden Charakter des Spiels - für mich und einige andere Kollegen, die ebenfalls eine kurze Nacht hatten und aus Belo Horizonte angereist sind - eine zusätzliche Qual zu den herbstlich kühlen Temperaturen von 15 Grad und dem zeitweise einsetzenden Starkregen, der die nicht überdachten Teile der Tribünen voll traf, änderte sich nichts.

 

Überstunden
In der 90.Minute hat es schließlich Robben in der Hand für die Entscheidung zu sorgen, sein Schuss wird aber vom sehr gut positionierten Mascherano abgeblockt. Der neben mir sitzende Kollege aus Australien - er hat übrigens herzlich über meine Akkreditierungserfahrungen im Open-Media-Center von Brasilia gelacht - glaubt genau wie ich, bereits zu Beginn der Verlängerung eine Wiederholung des Costa Rica Spiels zu sehen. Soll heißen: wieder Elferschiessen, allerdings mit wesentlich besseren Schützen auf Seiten der Argentinier. Und das haben sie auch diesmal wieder bewiesen, wie schon im Halbfinale der WM 1990, als sie Sergio Goycochea mit seinen Paraden gegen verzweifelt anrennende Italiener und dann im Elferschießen auf die Siegesstrasse brachte. Und die Geschichte sollte sich wiederholen. Alle Vlaar scheitert zum Auftakt am "Man of the Match", Sergio Romero, drei Argentinier treffen und Sneijder vergibt, Maxi Rodriquez macht den Sack zu. Arjen Robben scheint die Niederlage indes zumindest gefasster zu nehmen als sein kleiner Sohn, der wie auf den TV-Bildern ersichtlich, hemmungslos weint.

Damit kommt es am Sonntag zum dritten deutsch-argentinischen Finalduell der WM-Historie. Beide Teams haben je einmal gewonnen. Einmal mehr hat eine im FIFA-Sitz in Zürich aufbewahrte Ansichtskarte von der allerersten WM 1930 in Uruguay Gültigkeit. Die Stempelaufschrift lautet: "Europa y Sudamerica disputen la supremacia en el futbol" - "Europa und Südamerika kämpfen um die Vorherrschaft im Weltfußball. Gelingt es erstmals einem europäischen Team ein WM-Finale auf südamerikanischem Boden für sich zu entscheiden?

 

Du siehst dich selbst in den Farben des neuen Weltmeisters? Dann beweise uns dein Fußball-Gespür. Der ballesterer verlost gemeinsam mit adidas ein Dress des neuen Weltmeisters. Wie du gewinnen kannst? Einfach bis Sonntag 13. Juli 2014 um 18:00 Uhr eine Mail mit dem Betreff "Finale" an abo(at)ballesterer(punkt)at schicken und einen der beiden Sätze ergänzen: "Deutschland wird Weltmeister, weil ..." oder eben "Argentinien wird Weltmeister, weil ..." und die gewünschte Größe nicht vergessen. Die Teilnahme über den Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

 

Der ballesterer-WM-Blog wird unterstützt von adidas.

 

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