Nur die großen Dribblanskis fehlen

cache/images/article_1135_stadthalle_140.jpg Entgegen dem Motto des diesjährigen Stadthallenturniers »Hallenfußball mit Tradition« schied die Wiener Austria schon in der Gruppenphase aus. Eine grün eingefärbte Reflexion über diese und weitere Überraschungen des ersten Spieltags, getrübt von einigen Affen im Publikum.
Julia Zeeh | 04.01.2009
»Dribblanski« lautet der Name des Turniers am Vogelweidplatz, das die Trainer »sehr ernst nehmen«, wie sie im Vorfeld betonten. Sie wollten »schlagkräftige Mannschaften«, weil sie das »den Fans schuldig« seien. Betrachtet man die Kader, die von den Rapid- und Austria-Betreuern dann wirklich aufs Parkett geschickt wurden, erkennt man, dass warum auch immer eigentlich sämtliche Kreativspieler, also die potenziellen Hallenkönige, die im Turniernamen verankerten Dribblanskis fehlen. Symptomatisch, dass mit Raimund Hedl ein Tormann zum besten Spieler des Tages gewählt wurde.

Ohrenstöpsel bleiben eingepackt


Der erste Turniertag hätte für mich dennoch nicht besser beginnen können: Die Videoleinwand, die die Zuschauer vor zwei Jahren mit der Aufforderung zum Küssen quälte, war defekt oder nicht in Betrieb. Dass diese visuelle Zumutung den Zuschauern dieses Jahr erspart bleiben sollte, war zu diesem Zeitpunkt ebenso wenig zu erahnen, wie die Tatsache, dass die Leinwand noch turniermitentscheidend für die Austria werden sollte: Das erste Tor im Match gegen die Vienna wurde von Schiedsrichter Fritz Stuchlik erst nicht, dann aufgrund des exzessiven Jubels Rubin Okoties doch, und nach erneutem Blick auf die Leinwand wieder nicht gegeben.

Ließ die Aufforderung an den Garderoben, sich Ohrenstöpsel zu besorgen, noch Schlimmes vermuten, wurden die Besucher auch hier eines Besseren belehrt: Nicht nur die visuelle, sondern auch die akustische Zudröhnung hielt sich in Grenzen. Im Gegensatz zum WFV-Turnier eine Woche zuvor in der Dusikahalle, wo jede Pause genutzt wurde, um die immer wieder gleichen Werbeslogans der Sponsoren abzuspielen, wurden die Einschaltungen im erträglichen Bereich gehalten. Auch die Musik war nicht so laut, lange oder geschmacklos, als dass Ohrenstöpsel notwendig gewesen wären.

Hässliches Comeback der Affen

Die nächste positive Überraschung war die Stimmung in der Halle. Die Erwartungshaltung hatte sich hier in Grenzen gehalten, schließlich boykottieren die großen grün-weißen Fangruppen und auch Teile der organisierten Austria-Fans das Turnier. Andererseits waren meine Ohren vielleicht etwas getrübt durch die »absolute Nullstimmung« in der Dusikahalle, um einen Sitznachbarn zu zitieren. Der Boykott der Ultras war es jedenfalls, der endlich wieder spielbezogenen Spontansupport erlaubte. Auf der Habenseite ist auch zu verbuchen, dass Fangruppen aller vier Wiener Vereine, die Viennafans inklusiv Dudelsackspieler, gekommen waren.

Absoluter Tiefpunkt waren Urwaldgeräusche grün-weißer Anhänger in Richtung Okotie. Diese und die rassistischen Bemerkungen meiner Sitznachbarn während des gesamten Derbys hinterlassen selbst bei dem unerwartet hohen Kantersieg Rapids einen fahlen Beigeschmack. Paradox, dass diese Affenlaute, die in den letzten Jahren beinahe aus den Stadien verbannt werden konnten, ausgerechnet in der Halle wieder auflebten.  

Mehr Dramatik, weniger Taktieren


Insgesamt kann man sich aber Vienna-Spieler Alfred Niefergall anschließen, wenn es um den direkten Vergleich Stadthalle versus Dusikahalle geht: »Die Stadthalle ist immer etwas Schönes. Dusika war auch okay, aber das ist ein einzigartiges Turnier!« Etwas nüchterner fällt seine Beurteilung aus, welche Mannschaft, die Rapid Amateure oder die Kampfmannschaft, ihnen mehr Probleme bereitet habe: »Naja. Ich sag mal so: Wir haben gegen beide verloren.«

Stellvertretend für den Wiener Sportklub, den anderen Wiener Regionalligisten im Halbfinale, spricht auch Halil Akaslan seine Begeisterung für das Stadthallenturnier aus. Das fünftägige Vorbereitungsturnier vor wenigen Tagen im Prater hält er zumindest für sich persönlich - für einen Vorteil, da ihm die Umstellung auf das Parkett in der Stadthalle leicht gefallen sei.

Neben einigen kleinen Änderungen im Spielmodus ist der entscheidende Unterschied zu früher aber die Dauer des Turniers: Dauerte es einst bis zu sieben Tage, bis das Finale anstand, wird dieses nun schon am zweiten Tag ausgetragen. Wenn gegen jeden Gruppengegner nur einmal gespielt wird, gewinnt der erste Spieltag an Dramatik und ein fangesangliches Motto wird für die Spieler am Parkett immer wichtiger: »Macht sie alle, schießt sie aus der Halle!«

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Rubrik: Aktuell
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