Okotie: »Möchte weiter Spaß haben«

cache/images/article_1227_okotie_140.jpg Auf dem Platz ein absoluter Vollprofi, der immer gewinnen will privat ein lockerer Typ, der das Leben genießt. Der einstige Musterschüler der Frank-Stronach-Akademie gibt sich auch im Interview mit dem ballesterer für das neue FairPlay-Jugendheft betont lässig. Autogramme gibt der Stürmer der Wiener Austria gerne und vor Stronach zieht er seinen Hut.
David Hudelist | 29.05.2009
Rubin, du bist der erste schwarze Teamspieler nach Helmut Köglberger 1965. Deine Herkunft ist vielleicht noch internationaler: Mutter aus Klagenfurt, Vater aus Nigeria, geboren in Pakistan.

In Pakistan bin ich zwar geboren, habe aber sonst keine Verbindung mehr zu diesem Land, ich habe es auch noch nie bereist. Wir sind dann gleich nach Barcelona gezogen, wo ich bis zu meinem 4. Lebensjahr gelebt habe. Danach sind wir weiter nach Wien. Als ich fünf war haben sich meine Eltern scheiden lassen. Seitdem habe ich eigentlich keinen Kontakt mehr zu meinem Vater und somit auch nicht zu Nigeria. Meine Verbindung zu Kärnten besteht noch weiterhin durch meine Oma. In letzter Zeit kann ich sie leider nicht mehr so häufig besuchen, früher war ich regelmäßig jeden Sommer bei ihr.

 

Die UEFA hat kürzlich beschlossen, dass bei rassistischen Äußerungen von Fans Spiele abgebrochen werden können.

Wenn mich die Fans im Stadion lautstark rassistisch beleidigen, würde ich einen Abbruch in Anspruch nehmen. Wenn es ein Gegenspieler macht, ist das nicht vertretbar, aber während dem Spiel würde ich versuchen es weg zu stecken und es wahrscheinlich nach dem Spiel thematisieren. Vereinzelt hört man von Fans leider noch immer rassistische Rufe von den Rängen. Es ist schwer wegen diesen ein Spiel abzubrechen, jedoch haben diese Äußerungen in einem Stadion nichts verloren und es darf nicht toleriert werden.

 

Beim diesjährigen Turnier in der Wiener Stadthalle hat es von den Rängen Affenlaute gegen dich gegeben.

Hab ich Gott sei Dank nicht mitbekommen, aber wenn das tatsächlich der Fall war, wäre es sehr schlecht wenn dagegen nichts unternommen wurde.

 

Wie beschreibst du generell dein Verhältnis zu den Fans?

Der Fußballsport lebt von den Fans und von der Begeisterung. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Fan und versuche ihnen auch was zurück zu geben und ihnen zum Beispiel jeden Autogrammwunsch zu erfüllen.

 

Was kannst du deinen Fans und jungen Fußballer_Innen mit auf den Weg geben?

Sie sollen Ziele und Träume haben und alles dafür geben. Wenn man Rückschläge erleidet nicht aufgeben und den Kopf hängen lassen, sondern mit neuer Kraft und Motivation an die Sache ran gehen.

 

Du bist eines der wenigen Vorzeigebeispiele aus der Frank-Stronach-Akademie. Hast du Frank Stronach jemals kennen gelernt?

Bei der U20-WM in Kanada hat er uns in seine Hauptzentrale in Toronto eingeladen. Wir haben dort ein bisschen geplaudert. Es ist ihm bewusst, dass ich ein Vorzeigebeispiel aus seiner Akademie bin. Kürzlich war ich bei Wr. Neustadt gegen Admira zuschauen, da hab ich ihn auch getroffen und mit ihm geredet. Er hat auch sofort meinen Freund begrüßt, obwohl er ihn nicht kannte und gefragt ob wir in den VIP-Club kommen wollen da muss ich sagen »Hut ab!«.

 

Wie war dein Einstieg in den Nachwuchsfußball?

Ein Freund hat mich zum Verein mitgenommen. Da hat es nichts mehr anderes gegeben. Die Schule war mir wichtig, aber es war mir immer klar, dass ich Profifußballer werden will.

 

Du hast im Nachwuchs von Rapid zur Austria gewechselt. Wie siehst du die Rivalität zwischen den beiden Vereinen.

Ich war als Jugendlicher kurz bei Rapid und habe eine schöne Zeit gehabt und viel gelernt. Jetzt spiel ich für die Austria das ist meine Mannschaft. Bei einem Derby geht es um die Nr. 1 in Wien, da will jeder unbedingt gewinnen und das sind für mich die wichtigsten Spiele im Jahr!

 

Dein Verhältnis zu Stefan Maierhofer?

Da wurde von den Medien und der Öffentlichkeit viel Öl ins Feuer gegossen. Ich habe ihn jetzt beim Team näher kennen gelernt. Er ist sehr in Ordnung und ich habe kein Problem mit ihm.

 

Wie gehst du mit Starallüren um?

Ich versuch normal zu bleiben. Ich möchte nach wie vor fortgehen und Spaß haben. Nur weil ich der Okotie bin und nun in der Öffentlichkeit stehe, heißt das ja nicht, dass ich keinen Spaß mehr haben darf. Es gehört halt dazu, dass dich die Leute erkennen und Autogramme von dir wollen, aber das ist kein Problem für mich, das mach ich gerne.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen Okotie auf dem Spielfeld und privat?

Im Spiel will ich unbedingt gewinnen und alles für den Erfolg tun und da stehe ich auch zu meinem Auftreten. Privat bin ich ein lockerer Typ, der Spaß am Leben hat und das Leben genießen will. Und genießen tu' ich es auch!

 

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