Omar und die göttliche Fügung

Es kann kein Zufall sein, dass der zweifache Torschütze Mexikos ausgerechnet Omar Bravo heisst. Es ist ein Zeichen Gottes und göttliche Fügung. Leider werden dies im Iran nur wenige einsehen.
Gastautor | 12.06.2006

636 nach Christus, nach der Schlacht von Qadassiya, fand die Eroberung des Iran durch die Araber statt. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Iran ein islamisches Land. Der damalige Kalif des Islam war Omar Ibn al-Khattab. Es ist untertrieben zu sagen, dass Omar im Iran unbeliebt ist. Iraner können mit Niederlagen schlecht umgehen. Die Niederlage von Qadassiya, die folgende Islamisierung des Iran ist etwas, worüber die meisten noch immer nicht hinweg sind. Selbst religiöse Perser schmerzt diese Niederlage noch immer. Nationalistische Perser geben sowieso bei allen Problemen des Iran den Arabern und der Islamisierung die Schuld, weil davor war ja alles eitel Wonne.

Doch das Problem ist, dass damals eben gar nichts eitel Wonne war. Der Iran wurde praktisch von zoroastrischen Priestern regiert, die jegliches Abweichen von ihrer Lehre nicht zuließen. So wurden Anhänger von Mazdak und Mani, zwei großen persischen Philosophen, in Massen hingerichtet, ein Schicksal welches auch Christen und Buddhisten traf. An die 80000 Menschen sollen Opfer dieser Inquisition gewesen sein. Die damaligen Könige, die Sassaniden, waren vollkommen unfähig, die Macht der Priester zu kontrollieren und die sozialen Missverhältnisse im Iran. Diverse Schlachten an den Grenzen gegen das oströmische Reich waren die Hauptgründe dafür, dass sich niemand für die Schlacht von Qadassiya begeistern konnte und das große persische Reich unter ging.

Ali Daei mit einem zoroastrischen Priester zu vergleichen ist vielleicht etwas weit hergeholt. Man kann vor allem schwer beweisen, dass er hinter vielen Problemen des Iranischen Fussball steht. Doch es tauchen schon einige Ungeklärtheiten auf, über die man die Stirn runzeln muss.

Niemand kann z.B. erklären, warum Iman Mobali, ein Spieler der in den letzten 3 Jahren der beste Mittelfeldspieler im Iran war, ein Spielmachertyp spanischer Prägung wie Xavi oder Cesc Fabregas, ausgerechnet nach einem bösen Foul an Ali Daei nicht mehr in das Nationalteam einberufen wurde.

Es gibt auch keine Erklärung dafür, warum die beiden defensiv besten Mannschaften des Iran, Esteghlal und Saipa, gemeinsam nur einen Verteidiger bei der WM haben, der nur auf der Bank sitzt, dafür aber Ali Daeis Klub Saba, der keine so gute Abwehr hat, gleich zwei Verteidiger im Nationalteam hat. Einer davon, Yahya Golmohammadi, war auch grandios an 2 von 3 Gegentreffern beteiligt.

Verwunderlich ist auch, dass der laut Branko Ivankovic beste iranische Torhüter aller Zeiten, Mirzapour, der eine gewisse Freundschaft zu Daei pflegt, sich seit 4 Jahren gar nicht entwickelt hat und dieselben Probleme mit dem Fußballspielen hat, wie vor 4 Jahren. Verlässlich ist bei ihm nur, dass er jeden Monat mindestens einen Schnitzer liefert.

Und warum wurde Ali Karimi ausgetauscht? Selbst wenn dieser angeblich nur halbfit war, stimmt dies doch sehr nachdenklich. Karimi war immer wieder einer der wenigen Spieler, die herbe Kritik an der Vorbereitung und am System geübt haben. Er kann Daei auch schon seit langem nicht leiden und Berichte, wonach es im Team Camp zu einem Streit zwischen ihm und Daei kam, wurden vom Betreuerstab nicht dementiert.

Aber das größte Wunder waren wohl die 90 Minuten von Ali Daei. Der großartige Rafael Marquez hat nach 40 Minuten eingesehen, dass von Daei nichts mehr kommen wird. Er fing an, seinem Spitznamen "Kaiser von Michoacan" gerecht zu werden und nach vorne zu stoßen, weil es hinten für ihn nichts zu tun gab.

Es kann nur ein Zeichen Gottes gewesen sein, dass ausgerechnet ein Spieler mit dem Vornamen Omar zweimal gegen den Iran traf. Es war wie vor knapp 1400 Jahren ein Schlag gegen ein korruptes Regime und (soziale) Ungerechtigkeit. Es bleibt zu hoffen, dass die Lehren daraus gezogen werden. Doch da die meisten nach 1400 Jahren nicht verstanden haben, wie es zur Niederlage von Qadassiya kam, ist die Hoffnung gering, dass man aus Nürnberg Lehren zieht.

Mahdi Rahimi, Wien

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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