Planlos in Voitsberg

cache/images/article_1170_voitsberg_140.jpg Geografische Verwirrung und ein ASK-Voitsberg-Spezialtee beim Testspiel SK Sturm Graz gegen FC Vöcklabruck. Ein Groundhopper aus der Fußballprovinz.
Martin Schreiner | 27.02.2009
Voitsberg, ist sich mein Kollege sicher, wurde nur deshalb als Spielort für das Testspiel Sturm gegen Vöcklabruck am 21. Februar ausgewählt, weil es etwa auf halber Strecke zwischen Graz und Vöcklabruck liege. Dejan Stankovi sei Trainer in Kärnten. Ich hingegen bin mir relativ sicher, dass Vöcklabruck in Niederösterreich liegt. Zumindest die ehemalige weststeirische Kohlestadt und ihr Hans-Blümel-Stadion finden wir sofort, um uns mit eigenen Augen von der Verfassung der beiden Teams kurz vor Meisterschaftsbeginn zu überzeugen.

Kalt und klar ist der sonnige Wintersamstag, heiß der Matchbeginn, denn Sturm geht schon in den ersten zehn Minuten durch Hölzl und Muratovic 2:0 in Führung. Gemütlicher ist da schon der Platzsprecher, der in seiner Baucontainer-Sprecherkabine unter einem riesigen Stahlfußball mit DDR-Charme die Durchsage der Mannschaftaufstellung schon einmal wegen eines auf seinem Mobiltelefon eingehenden Anrufs unterbricht.

Die Grazer kontrollieren - ohne zu beeindrucken - die erste Halbzeit lang klar das Geschehen und können es sich sogar leisten, dass Mario Haas zwei Mal alleine vor dem Torwart vergibt. Vöcklabruck scheint nicht einmal annähernd in der Lage zu sein, den Tabellendritten der Bundesliga zu gefährden, obwohl sich das Erstliga-Team in der Winterpause verstärkt hat. Der von Trainer Stankovic sehr dich gestaltete Testspiel- und Trainingsplan wirkt sich wohl negativ auf die Spritzigkeit der Spieler aus.

Mir ist ob des einseitigen Spielverlaufs und der niedrigen Temperaturen kalt, und so beschließe ich, mich durch den ASK-Voitsberg-Spezialtee zu wärmen. Der fährt mir mit geschätzten 80 Prozent Rumgehalt nicht nur wärmend, sondern auch illuminierend ein. Während ich mich noch wundere, wer den solcherart Getränk überhaupt genussvoll und gleichgewichtsstabil konsumieren könne, klärt mich mein nach zwei ASK-Tee immer noch total unbeeindruckter Sitznachbar mit unverkennbar jugoslawischem Akzent auf: »Das ist der Unterschied, ich bin Ausländer.«

Die zweite Halbzeit ist durch eine Vielzahl von Spielerwechseln auf beiden Seiten im Spielfluss recht zerrüttet und ich gewinne dadurch eigentlich wenig Erkenntnisse über die wahre Spielstärke der beiden Mannschaften. Hölzl schießt für Sturm ein zweites Tor. Vöcklabruck gelingt durch Rade Djokic der späte Ehrentreffer zum 1:3-Endstand. Die Mannschaft kann gegen am Ende nur mehr zu zehnt fertig spielende Grazer aber froh sein, keine höhere Niederlage zu kassieren und glänzt mehr durch eine teilweise harte Spielart, als durch meisterschaftsbereite Verfassung.

Viel interessanter ist da schon die Auflösung des mich plagenden Geografierätsels. Trotz Rumtee kann ich selbst ausschließen, dass es sich bei Vöcklabruck um eine Kärntner Mannschaft handelt. Ist doch die zur Verwechslung Anlass gebende Stadt Völkermarkt maximal durch den Klopeinersee bekannt und besitzt keinen nennenswerten Fußballklub. Um aber zu erfahren, dass Vöcklabruck in Oberösterreich liegt, müssen mein Begleiter und ich erst den Telefonjoker ziehen.

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Rubrik: Aktuell
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