Plautz mag keine »Neger«-Musik

cache/images/article_1016_plautz_140.jpg Techno, Hardrock und ähnliches »Tschi-Bumm« ist nichts für FIFA-Schiedsrichter Konrad Plautz. Bei Schlager und Volksmusik fühlt er sich wohler. Unwohlsein ruft jedoch seine Aussage hervor, er möge eben keine »Neger«-Musik. Ein Artikel in Kooperation mit sportal.at.
Clemens Schotola | 10.07.2008
Die entsprechenden Statements entfleuchten Österreichs EURO-Schiri in einem Interview mit dem ORF-Tirol. Bei der antirassistischen Initiative FairPlay, die im Rahmen der EM Antirassismus- und Fanprojekte durchführte, zeigt man sich naturgemäß nicht erfreut darüber. »Das Wort 'Neger' ist verunglimpfend und aufgrund des historisch-kolonialistischen Kontext abzulehnen«, erläutert Michael Fanizadeh von FairPlay, »das betrifft auch Konrad Plautz als Politiker. Das Ganze hat nicht nur eine sportliche Dimension.« Fanizadeh erinnert an die Vorbildfunktion, welche im Fußball nicht nur Spieler, sondern ganz besonders auch Schiedsrichter zu erfüllen haben, warnt vor Verharmlosung und fordert: »Hier ist ein klares Wort fällig«.

Keine klaren Worte...

Doch das zu erhalten, erweist sich als schwierig. Der Vorsitzende des Senats 4 für Schiedsrichterangelegenheiten, Johann Hantschk, weilt im Ausland und war für keine Stellungnahme zu erreichen. Auch Gerhard Kapl, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission des ÖFB ist nicht im Lande. Klare Worte, wie von Fanizadeh gefordert, fallen keine. Der »oberste« Schiedsrichter Kapl weist daraufhin, dass man die Begleitumstände kennen müsse.


Auch Georg Pangl, Geschäftsführer der Bundesliga, will sofort die Diskussion relativieren. »Ich kenne Konrad Plautz als erdigen, harmlosen und gläubigen Menschen. Ich lege meine Hand ins Feuer, dass er niemanden diskriminieren wollte«, so Pangl. Was ja auch niemand unterstellt hat. Eine klare Verurteilung der Aussage kommt auch von Pangl nicht: »Das ist eine Aussage von 'alten Frauen', Plautz soll das richtig stellen.« Eine ebenfalls eher fragwürdige Bemerkung, anstatt der erhofften klaren Worte.

»Ihr kennt's mi eh alle«

Konrad Plautz selbst leugnet das Zitat keineswegs. Er habe damit eben diese laute Techno-Musik (»Tschi-Bumm«) gemeint. Er sei Gegner jeglicher Diskriminierung und habe sogar einmal einen rassistischen Spieler ermahnt. Plautz klingt glaubhaft und niemand wird ihm wohl ernsthaft Rassismus unterstellen. Doch so gut seine Leistungen am Feld als Schiedsrichter auch sind, so unbeholfen wirkt sein Auftreten abseits des grünen Rasens. Legendär der Werbespot für die Landtagswahlen in Tirol (»Griaß eich, i bin's, der Konrad Plautz. Aber ihr kennt's mi eh alle«).

Auch die Erklärung, wie es zu so einer Aussage kommen konnte, passt ins Bild. »Unser letztes Theaterstück 'Ein Baby wider Willen' in Navis (Anm.: Plautz ist begeisterter Spielleiter der dortigen Heimatbühne). In diesem Stück fällt durch eine ältere Frau diese Aussage.« Insofern hat wohl Bundesliga-Vorstand Pangl Recht behalten. Immerhin gesteht Plautz im Nachhinein zu, dass seine Worte nicht wirklich glücklich gewählt waren. Für FairPlay zeigt der Vorfall jedenfalls eines: »Solche Aussagen sind ein Arbeitsauftrag für die Zukunft.«

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Rubrik: Aktuell
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