Polnischer Internetmeister

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Angel Perez Garcia kam als unbekannter Trainer zum oberschlesischen Verein Piast Gliwice und verlieh der grauen Maus einiges an Ausstrahlung, vor allem mit seiner offenen Art und durch in Paint gebastelten Memes. 

Radoslaw Zak | 24.03.2015

Die Industriestadt Gliwice ist mit rund 200.000 Einwohnern eine der größten in Schlesien und Geburtsort von mehr oder weniger berühmten Fußballern wie Thomas Sobotzik, Sebastian Boenisch und Lukas Podolski. 1939 ist die Stadt in die Weltgeschichte eingegangen, als SS-Angehörige in polnischen Uniformen einen Überfall auf den Sender Gleiwitz inszenierten und Adolf Hitler somit eine fadenscheinige Rechtfertigung für den Angriff auf Polen lieferten. Der 1945 gegründete Klub Piast, benannt nach einer alten Herrscherdynastie, ist das fußballerische Aushängeschild Gliwices. Bis auf zwei Cup-Endspiele ist das Team nie besonders in Erscheinung getreten, zudem haftet dem Klub das Image einer grauen Maus an. Erst in der Saison 2008/09 gelang der erstmalige Aufstieg in die Ekstraklasa, die Sympathien der schlesischen Fußballfans verteilten sich in den Jahrzehnten zuvor mehrheitlich auf Górnik Zabrze, GKS Katowice oder Ruch Chorzów. In die 10.000 Zuschauer fassende Tesco-Arena verirren sich selten mehr als 3.500 Fans.

Im Mai 2014 wehte ein Hauch von südeuropäischem Flair durch die Stadt: Angel Perez Garcia trat seinen Trainerposten bei Piast an. Ein bis dato unbeschriebenes Blatt, das zuvor unterklassige spanische Vereine trainiert und über den Irak und die Malediven den Weg zu den als eigenbrötlerisch geltenden Schlesiern gefunden hatte. Deren Herzen eroberte der ehemalige Spieler von Real Madrid im Sturm. Er zeigte sich offen und volksnah, wusste sich über die sozialen Medien zu präsentieren. Auf Instagram präsentierte er sich vor Sehenswürdigkeiten wie Kirchenglocken und in Krakau, filmte sich im Trikot seines Arbeitgebers und richtete eine Botschaft an die Fans die Fans seines ehemaligen Klubs Real Murcia.
 

Famos waren seine mit Paint erstellten Motivationsbotschaften und Danksagungen auf Twitter: 

 

Als Piast im letzten Jahr Cracovia, Nachbar Górnik und sogar das Spitzenteam Legia Warszawa erstmals besiegte, postete Perez Garcia ein Bild, das ihn landesweit berühmt machte.

 

Die „Resultados Historicos“ sorgten für solche Furore, dass sich die Grafiker der Ekstraklasa-Website die Mühe machten, Perez Garcia einen ordentlichen Anhang für den Lebenslauf zu basteln: 

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Mit seiner offenen und herzlichen Art machte sich Perez Garcia Freunde und gewann das uneingeschränkte Vertrauen der Piast-Fans. Er respektierte sie und zeigte sich von ihrem Support begeistert.


Die Fans feierten ihn regelmäßig in Sprechchören und eigens für ihn erstellten Bannern. Den wahrscheinlich letzten bekam er an am letzten Spieltag im Stadion zu sehen. Obwohl er aus der durchschnittlichen Mannschaft das Maximum herausholte und sie in sicheren Gefilden hielt, wurde Garcia zum Unverständnis von Fans und Experten entlassen. Seine Amtszeit dauerte somit lediglich 33 Spiele. 

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Die Fans gedachten den „Resultados Historicos“ und applaudierten dem zuvor entlassenen Trainer, der auf Einladung von mehreren hundert Anhängern mit ihnen auf der Tribüne Platz nahm. Perez Garcia weinte vor Rührung. Es bleibt zu hoffen, dass der Spanier bald wieder in Polen eine Anstellung findet. In den traurigen Ligaalltag brachte er mit seinem Auftreten nämlich viel Sonnenschein herein.

  

 

Foto: Instagram perezgarcia3

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