Positiver Rassismus - gibt's das?

Jerome Efong Nzolo leitete als erster Schwarzer ein Erstligaspiel in Belgien. Und hatte 90 Minuten lang ein Lächeln auf den Lippen. Tosin Dosunmu versucht in Antwerpen seine Austria-Vergangenheit zu bewältigen.
Klaus Federmair | 01.02.2006
Der lächelnde Schiedsrichter

Die Medien stürzten sich anlässlich des Spiels FC Brussels gegen Lokeren geradezu auf den Schiedsrichter. Das Interesse der Journalisten galt weniger seinen Pfiffen als viel mehr dem gewinnenden Lächeln des 31-Jährigen, das sich gut als Markenzeichen eignet. "Das gehört einfach zu meiner Persönlichkeit", meinte Efong Nzolo, lächelnd natürlich, "an dem Tag, an dem ich mein Lächeln verliere, habe ich auf dem Platz nichts mehr verloren." Einen Fernsehreporter beunruhigte die gute Laune des Referees: "Aber wenn Sie eine Rote Karte zeigen, lächeln Sie hoffentlich nicht?" Weit gefehlt: "Das ist leider auch schon vorgekommen.", lächelte Efong Nzolo.

Das Lächeln des Schiedsrichters war ein netter Aufhänger für diverse Interviews. Die wahre Motivation der Journalisten lag aber in der Hautfarbe des aus Gabun stammenden Schiedsrichters aus Charleroi. Darauf angesprochen zeigte er sich aufgeschlossen: "Wenn man der Erste ist, ist es normal, dass sich die Medien besonders dafür interessieren." Und ergänzte: "Das ist positiver Rassismus."

Dosunmus violette Hypothek

Sicherlich kein positiver Rassismus war es, der laut der belgischen Tageszeitung "Le Soir" Tosin Dosunmu während seines Engagements bei der Wiener Austria entnervt haben soll. Das Blatt behauptet in seiner Ausgabe vom 27. Jänner, der Stürmer sei unter anderem "von einem unterschwelligen Rassismus, der sich täglich in hinterhältiger Weise manifestierte" abgestoßen gewesen.

Ob diese Einschätzung von Tosin Dosunmu selbst stammt, ist nicht ganz klar. Noch im Dezember hatte die Wochenzeitschrift "Sport Foot" den an Beerschot verliehenen Stürmer in einem Porträt mit versöhnlicheren Tönen zitiert. Er könne sich nicht beschweren, auch wenn man es in Belgien als Schwarzer leichter habe, hatte der Nigerianer damals gemeint. Wien sei immerhin eine kosmopolitische Stadt.

Austria als Profiteur?

Wie auch immer der aktuelle Führende der belgischen Torschützenliste über sein Austria-Gastspiel wirklich denkt, ganz ist er die violetten Geister noch nicht los. Nicht nur, weil auch Germinal Beerschot in Violett-Weiß spielt. Die Antwerpener behaupten, bis 31. März eine Option zu haben, der dem immer noch abstiegsgefährdeten Klub für 650.000 Euro Ablöse auch in der nächsten Saison Dosunmus Dienste sichern soll. Laut dessen Manager ist die Option allerdings schon im Dezember abgelaufen.

Wahrscheinlich könnte sich Germinal die 650.000 Euro ohnehin nicht leisten. Wenn der Nigerianer weiter Tore am laufenden Band schießt, ist daher das wahrscheinlichste Szenario ein sommerlicher Wechsel zu einem belgischen Spitzenklub. Zwei davon werden gleich in den Hauptbewerb nächsten Champions League einsteigen. Der krisengeschüttelte RSC Anderlecht könnte beispielsweise einen Nachfolger für Nenad Jestrovic brauchen, Dosunmu könnte weiter in Violett spielen und die Wiener Austria würde vermutlich mehr als 650.000 Euro einstreifen.

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Rubrik: Flachlandkick
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