Reform ohne Wirkung

cache/images/article_1383_bel_ligare_140.jpg In der Europa League hat Standard Lüttich nach dem 1:2 beim Hamburger SV gute Chancen, in das Semifinale einzuziehen. Das Playoff der besten Sechs der belgischen Liga versäumte der Titelverteidiger hingegen. Der kuriose neue Meisterschaftsmodus lässt dem Salzburg-Bezwinger dennoch eine Hintertür zur Qualifikation für einen internationalen Bewerb.
Klaus Federmair | 06.04.2010
Das wichtigste Ziel der belgischen Ligareform wird im ersten Jahr glatt verfehlt, so viel stand schon vor Beginn der neu eingeführten Playoff-Phase fest. Eigentlich sollten trotz 18er-Liga die drei vermeintlichen Topteams RSC Anderlecht, FC Brügge und Standard Lüttich je vier Mal gegeneinander spielen. Die großen Drei sind mit Abstand am zugkräftigsten und haben die höchsten Budgets. Durch die Halbierung der Punktezahl nach dem Grunddurchgang sollten möglichst alle ihrer direkten Duelle im Playoff der Spitzengruppe potenziell meisterschaftsentscheidend sein.

Sechs Finali im Plan, eines in der Realität
Soweit der Plan der Ligastrategen. Aber just der international positiv überraschende Meister der letzten zwei Saisonen zeigte in der Liga so schwache Leistungen, dass er über Platz acht in den 30 Runden des Grunddurchgangs nicht hinauskam. Statt je zwei mal zusätzlich auf den Titelverteidiger zu treffen, spielen Anderlecht und Brügge im Frühjahr ihre dritten und vierten Matches gegen die wenig attraktiven Gegner Gent, Sint Truiden, Kortrijk und Zulte-Waregem.

Anderlechts 2:2 gegen Brügge vom Ostersonntag wird wohl der einzige Playoff-Schlager bleiben, bei dem es um den Titel ging. Denn zu allem Überdruss ist Anderlecht diese Saison derart überlegen, dass die Brüsseler trotz Punktehalbierung nach dem Grunddurchgang aller Voraussicht nach vor dem vierten Match gegen die Flamen bereits als Meister feststehen dürften. Der Vorsprung auf Verfolger Brügge beträgt nach dem Osterduell bereits acht Punkte. Statt sechs Abenden mit außerordentlichen Einschaltquoten in der Endphase bleibt es also wohl bei einem einzigen.

Standard interessiert nur Europa
Standard konzentriert sich indessen auf internationale Aufgaben. Nach dem 1:2 im Viertelfinalhinspiel in Hamburg schonte Interimstrainer Dominque DOnofrio am Karsamstag in Genk einen Großteil seiner Stammspieler für das zweite Duell gegen den HSV am folgenden Donnerstag. Standard B kassierte prompt die erste Niederlage in der zweiten Runde des Playoff 2b. Dort matchen sich jene Klubs, die nach 30 Runden die Ränge acht, zehn, elf bzw. 13 belegt hatten, während im Playoff 2a die Nummern sieben, neun, zwölf und 14 spielen. In diese zweitklassigen Playoffs starteten alle Teams mit null Punkten.

Ob Standards Entscheidung, das Playoff so stiefmütterlich zu behandeln, klug war, wird sich weisen. Zu gewinnen gibt es dort jedenfalls Erstaunliches: einen Europa-League-Platz. Den erhält der Sieger aus dem Duell des Vierten des Playoff 1 mit dem Sieger der Entscheidungsspiele zwischen den beiden Erstplatzierten der Playoffs 2a und 2b. Vergeben die Lütticher diese große Chance, dann gibt es nur noch eine Alternative, in der kommenden Saison international zu spielen: als Titelverteidiger der Europa League.

Abstiegsplayoff nach sieben Wochen Pause

Eine besondere Kuriosität beschert der neue Meisterschaftsmodus dem 15. und nach dem Ausscheiden von Excelsior Mouscron im Dezember wegen eines Finanzdesasters Letzten, dem KSV Roeselare. Dessen Spieler haben Pause bis 8. Mai und spielen dann gegen den Zweiten, Dritten und Vierten der 2. Division um den Klassenerhalt.

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