Ronnys Sommermärchen II: WSK & Austria

BLOG Ronny (Name der Redaktion bekannt), der neue ballesterer-Praktikant, wird weiterhin von Stadion zu Stadion geschickt. Welche Beocbachtungen er beim Wiener Sportklub und der Wiener Austria gemacht hat, lest ihr in seinem Blog.
Ronny Light | 17.08.2012

Nachdem Tommy und ich uns von der Hohen Warte verabschiedet haben, nehmen wir die S-Bahn bis Hernals. Dort steht der Sportclub-Platz, Stadion des Wiener Sportklub. Mitten in einem Wohngebiet ragen zwei Flutlichtmasten in die Nacht. Das enge und abgenutzte Stadion wirkt fast so, als sei es mit seiner Umgebung verwachsen. Und tatsächlich, die als »Blaue Tribüne« bekannte Hintertortribüne ist direkt an ein Wohnhaus angebaut. Gleich der zweite sympathische Ground am Abend. Die Partie des WSK gegen Ostbahn XI läuft bereits seit einer guten Stunde. Ab der zweiten Hälfte ist der Eintritt hier gratis. Das hat es in Dresden vor gefühlten Äonen auch einmal gegeben. Ansonsten erinnern auch die Grasbüschel, die überall auf der Friedhofstribüne zum Vorschein kommen, an die Stufen des alten Rudolf-Harbig-Stadions.


Auch auf dem Sportclub-Platz fällt mir einmal mehr der starke St.-Pauli-Bezug auf, der hier wirklich stark ausgeprägt ist. Sicherheitsvorschriften werden hier aber wohl laxer gehandhabt als in Hamburg. Spritzer, was man in Deutschland unter Weinschorle kennt, werden aus Glasflaschen ausgeschenkt und wenn man es darauf anlegen würde, könnte man von den unteren Stufen der Friedhofstribüne direkt auf den Platz kommen   auch ohne den Zaun zu überklettern. In Deutschland kann ich mir so einen entspannten Umgang auch in der dritthöchsten Spielklasse leider nicht mehr vorstellen. Wenn gar schon geworfene Bierbecher aus Weichplastik einen Skandal verursachen, wären die beschriebenen Sachverhalte wohl der pure Horror für jeden fest angestellten Sicherheitsbeauftragten. Ob dieser gemütliche Umgang flächendeckend praktiziert wird oder ob  er vereinsspezifisch ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls sind das die kleinen Freuden, die dem Fußball im Unterhaus immer wieder seinen Reiz verleihen.

Super-Leo, Leo-Veilchen und Ronny Friends forever
Wie groß dieser Reiz sein kann, merkt man im direkten Vergleich. Am folgenden Sonntag besuche ich das Spiel der Wiener Austria gegen Admira Wacker Mödling. Das Franz-Horr-Stadion, offiziell mittlerweile unter einem anderen Namen bekannt, steht zwar auch relativ nahe an einem Wohngebiet, damit hört es sich mit den Gemeinsamkeiten zum Sportclub-Platz aber auch schon auf. Ich werde gleich einmal von etlichen großen Werbebotschaften diverser Sponsoren begrüßt. Weil es mit meiner Akkreditierung trotz Nachfrage nicht möglich ist, mich frei in andere Stadionbereiche zu begeben, muss ich mit der Pressetribüne Vorlieb nehmen. Dort gibt es zwar zu essen und zu trinken, aber irgendwie vertrage ich beim Fußball das stille Herumsitzen nicht. Mein Blick dreht sich automatisch Richtung Kurven. Admira hat zwar einen Gästeanhang von rund 200 Leuten mitgebracht, allerdings bieten die außer einer Zaunfahne und ein paar sporadischen Gesängen wenig Spektakuläres. Auf der anderen Seite wird die Ostkurve von der Austria-Szene bevölkert. Die Fahne der »Fanatics« hängt zentral im Oberrang, während »Boyz Viola« und »Inferno« im Unterrang hervorstechen. Sie sind die einzigen Gruppen, die an der permanenten Unterstützung ihrer Mannschaft interessiert sind. Die anderen haben zwar große Zaunfahnen, scheinen sich aber bis auf das Singen populärer Lieder und das Schwenken von Fahnen nur auf Fußball gucken zu beschränken. Das ist eigentlich verwunderlich, weil hier der Tabellendritte der Bundesliga auf den Tabellenvierten der letzten Saison trifft. Aber gut, es sind auch nur 8.350 Zuschauer im Stadion. Für Austria-Verhältnisse entspricht das genau dem Zuschauerschnitt der letzten Saison. Auch wenn der Vergleich nicht ganz fair ist, in Deutschland kommen zu fast jedem Zweitligisten mehr Zuschauer.


Trotzdem gibt es auch hier diese selten dämlichen Maskottchen und zwar gleich zwei davon. Muss das wirklich sein? Ich kann mich noch gut erinnern, welchen Aufschrei es bei uns gegeben hat, als der Verein den »Dynamo-Glückskäfer« einführen wollte. Glücklicherweise ist die idiotische Karnevalsfigur sofort wieder in der Mottenkiste verschwunden. Eigenartig wirken auch diese komischen Podeste, von denen sich die Tormänner den Ball für den Abstoß holen müssen. So einen hatte ich schon beim Spiel der Vienna gesehen. Vielleicht kann sich mal irgendeine Vermarktungsperson bei mir melden und mir mitteilen, wie und wo ich rund um österreichische Fußballspiele Werbung platzieren kann. Ich würde meinen Namen gern einmal auf den Schienbeinschonern des österreichischen Vinnie Jones sehen, wenn dieser mal wieder zu einer Blutgrätsche ansetzt. Auf Dynamo!

ballesterer # 120

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