Rücktritt eines Fanbeauftragten (II)

Auch in Pasching reagiert die Vereinsführung auf die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs mit harschen Aussagen. Wir dokumentieren eine Aussendung des (ehemaligen) Fanbeauftragten Günter Habichler.
Gastautor | 25.08.2005

"Offizielle Rücktrittserklärung!

Diese E-Mail richtet sich an die Geschäftsleitung des FC Superfund sowie an die Bundesliga, an die Vereine der T-Mobile Bundesliga, an die Fanclubs des SV Pasching sowie an diverse Medien. Ich, Habichler Günter, beende mit sofortiger Wirkung, meine Tätigkeit als Fanbeauftragter des FC Superfund Pasching.

Zur Erklärung ist folgendes zu sagen:
Nach dem Bundesligaspiel FC Superfund gegen Red Bull Salzburg, am Samstag den 20. August 2005 wurde ich nach Ende des Spieles zu Präsident Franz Grad zitiert. Grund für die Unterredung waren die Spruchbänder welche während des Spieles von der heimischen Fantribüne präsentiert wurden. Hier wollte man auf die zunehmende Vermarktung und die totale Kommerzialisierung des heimischen Fußballs aufmerksam machen.Dieses Anliegen wurde mit folgenden Texten zum Ausdruck gebracht:

Spruchband 1:
WILLKOMMEN ZUM KOMMERZGIPFEL
IST DAS DIE FUSSBALLZUKUNFT
WOLLT IHR UNS VERARSCHEN


Spruchband 2:
TRIBÜNE HALBIERT, FANS SCHIKANIERT-
STADION VERSAUT, TRADITION GEKLAUT
DM: FUSSBALL IST NICHT DEINE WELT


Transparent:
SUPERFUND vs RED BULL
GRÜNE UND ROTE BULLEN ZERSTÖREN DIE TRADITION


Diese Zeilen dürften Herrn Grad so in Rage gebracht haben, dass er mir gegenüber wüste Beschimpfungen und Drohungen ausstieß. So viel zur freien Meinungsäußerung. Beim Verein FC Superfund scheint nur eine Meinung zu gelten und das ist jene des Präsidenten. Was man in Pasching von Vereinsseite von den eigenen Fans hält wurde mir während dieses Gespräches gänzlich bewusst.

So wurde mir an den Kopf geworfen, wenn uns irgendetwas nicht passen würde, könnten wir gar nicht so schnell schauen, als was er den Verein zusperren würde, wäre doch für ihn nicht das erste Mal.
Außerdem wurden die Fans der Südtribüne (wo ich mich übrigens auch persönlich angesprochen fühlte) von Präsident Franz Grad, sinngemäß als ein Haufen von "arbeitslosen Deppen" bezeichnet und von "Depperten" lasse er sich grundsätzlich nichts sagen. Auch eine Einrichtung, welche der Verein den Fans zur Lagerung und Herstellung von Fanartikel zur Verfügung gestellt hatte, musste umgehend geräumt werden.

In Anbetracht dieser Umstände ist es mir bedauerlicher Weise einfach nicht mehr möglich mit dieser Vereinsführung weiter zusammen zu arbeiten. Abschließend möchte ich mich noch für die gute Zusammenarbeit mit der Paschinger Exekutive, vor allem aber den Fanpolizisten, den Sicherheitsverantwortlichen und Fanbeauftragten sämtlicher Vereine bedanken.

Ich wünsche Herrn Grad etwas mehr Einsicht und meinem Nachfolger alles Gute.

Mit sportlichen Grüßen
Habichler Günter"

Referenzen:

Rubrik: Sonstiges
Thema: FC Superfund Pasching, Repression
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