Schicksalshafte Begegnungen

Auch wenn es unwahrscheinlich scheint: Serien sind sicher wie das Amen im Gebet.

Das Siegel auf Spaniens Schicksal erhärtete sich am vergangenen Freitag.

Bereits der Sieg über Saudi Arabien beschwor dunkle Wolken am iberischen Horizont. Das Unwetter brach los, als die Schweiz fünf Stunden später gegen Südkorea gewann und sich vor den Franzosen den Gruppensieg sicherte. Da half kein Flehen und Jammern - es war bittere Realität.
Spanien würde im Achtelfinale auf Frankreich treffen und ausscheiden.

Ambivalent sind sie, diese Serien. Wenn sie reißen, spricht niemand mehr davon. Halten sie aber, sind sie ungeschriebene Gesetze und künden wie Menetekel von drohendem Unheil.
Meistens halten sie.

Für die Spanier, die nach der Vorrunde zweitbeste Mannschaft, war diese Fügung sicherlich ungerecht. Mit dem richtigen Los, mit ein wenig Glück wären höhere Weihen möglich gewesen. Aber so? Damokles ist eben überall. Und wer nach dutzenden Siegen auf seinen Angstgegner trifft, verliert nun einmal, so ist es eben.

Rein hypothetisch wären auch andere Resultate möglich gewesen. Frankreich hätte auch verlieren können. Aber in den Köpfen der Spieler war sie verankert, die schwarze spanische Serie. Ebenso wie es letzte Woche für die Schweden unmöglich war, gegen England zu verlieren, konnte Frankreich an diesem Abend nur gewinnen. Dass die Skandinavier wenig später sang- und klanglos gegen Deutschland ausschieden, steht auf einem anderen Blatt.

Dass der Schicksalsfaden auch für unsere Nachbarn bereits gewoben ist, beweist der Viertelfinalgegner. Natürlich wird Argentinien nicht regulär besiegt werden. Wie denn auch? So traurig es klingt: da geht nichts mehr.

Und wenn, dann allerhöchstens im Elfmeterschießen...

Mario Sonnberger

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
ballesterer # 121

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