Schiedsrichterversteher

Leicht haben es die Schiedsrichter ohnedies nicht. Schon gar nicht bei Fußballweltmeisterschaften. Nicht weil sie im Mittelpunkt stehen, sondern weil sie vermehrt im Mittelpunkt stehen. Doch dieses Problem ist größtenteils hausgemacht.

Schiedsrichter haben Stress, wenn sie Fußballspiele leiten. Das ist normal und normal ist auch, dass der Stress mit der Bedeutung der Partien zunimmt. Eine Weltmeisterschaft besteht quasi nur aus bedeutenden und extrem bedeutenden Spielen. Unverständlich ist daher das Vorgehen der FIFA, gerade bei Weltmeisterschaften an den Regeln herum zu werken.

Denn traditionell lässt das IFAB (International Football Association Board) - das Gremium für Fußballregelfragen - bei der WM Botschaften aussenden und Erneuerungen einführen. Die IFAB und somit die FIFA benützen die wichtigste Fußballveranstaltung der Welt als Experimentierfeld für Regeladaptationen. Wir erinnern uns an die WM 1998 wo die Neuerung, ein Foul von hinten mit einer roten Karte zu belangen eine wahre Flut an Platzverweisen auslöste. Auch heuer wurden die Schiedsrichter angehalten neue Regeln zu installieren. So zum Beispiel: "...alle Vorfälle im Zusammenhang mit Ellenbogenstößen, rücksichtslosem Tackling und groben Fouls mit einem Feldverweis zu ahnden". Grundsätzlich eine recht gescheite Regel, die freilich schon vor fünfzig Jahren hätte ausgesandt werden können. Diese Neuerung macht den Schiris bis dato auch wenige Probleme.

Die dümmste Neuerung dieser WM ist jedoch, das Sperren des Balls oder nur der Versuch dessen, mit einer gelben Karte zu bestrafen. Zweimal vor dem Ball stehen heißt ein ganzes Spiel auf der Tribüne sitzen. Während andere Sportsfreunde die fröhlich nach fremden Waden grätschen oder wie Boulahrouz Khalid beherzt gegen portugiesische Oberschenkel springen, auch nur - wenn überhaupt - mit gelben Karten bestraft werden. Hier wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen.
Denn eine gelbe Karte wegen Zeitverzögerns kann eigentlich keine ganze gelbe Karte sein und dann sind wir bei Poll Graham und langsam beginnt man den Mann der drei gelbe Karten für eine Rote verteilte zu verstehen. Natürlich wünscht man sich ein Spiel frei von Zeitverzögerungsaktionen, doch eine gelbe Karte ist in einem Turnier quasi eine halbe Sperre. Kann der Schiri die Spieler nicht Kraft seiner Persönlichkeit nicht vom "Wassern" abhalten bleibt ihm immer noch die Überspielzeit. Denn keine Regel besagt, dass diese immer nur drei oder vier Minuten betragen darf. [pen]

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Rubrik: Spielfeld
ballesterer # 120

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