Schnitzer-Sepp und bestechender Tutu

cache/images/article_1483_südafrika_140.jpg WM-BLOG Das Bloemfontein-Tor von Frank Lampard und Englands Ausscheiden bestimmen noch immer die Schlagzeilen der südafrikanischen Zeitungen. Am Horizont ist aber schon ein neues heißen Eisens auszumachen: Erzbischof Desmond Tutu steht im Verdacht einer »himmlischen Bestechung«.
»Sepp Blunder Fifa boss under fire for refusal to adopt video technology«, titelt der Citizen in seiner Dienstag-Ausgabe. Die Kreativität der Redaktion scheint damit jedoch erschöpft, denn die Titelgeschichte im Blattinneren liefert nicht mehr als eine Sammlung internationaler Pressestimmen, in denen die Einführung von technischen Hilfsmitteln bei der Torerkennung gefordert wird.

Der interessanteste Vorschlag kommt von Mark Ogden vom britischen Telegraph, der Blatter auffordert, »eine Linie in den Sand zu ziehen«. Ogden meint es durchaus ernst mit diesem Bild und fordert, die Fläche hinter der Torlinie »aufzuackern« und Rasen durch Sand zu ersetzen. »Es kostet Nüsse, und wenn der Ball an die Querlatte rasselt wie beim Tor von Lampard, wird er liegen bleiben, sobald er den Sand berührt«, meint der englische Journalist. Das Manko seiner Theorie: für umkämpfte Torszene, bei denen sich der Torhüter hinter die Linie begibt, ist diese Methode nicht zu gebrauchen.  

Die Konkurrenz von The Star begnügt sich nicht mit Abschreiben, schießt sich aber ebenso auf den FIFA-Boss ein. Der englische Ex-Referee Graham Poll meint in einem Gastartikel unter dem Titel »Blatter, der Gauner in Englands Tordrama«, dem Schweizer falle nun auf den Kopf, dass er sich vor ein paar Monaten gegen eine elektronische Torerkennung ausgesprochen habe. Schiedsrichter Jorge Larrionda und seinem Team sei kein Vorwurf zu machen, da sie völlig richtig gestanden wären. Der Argentinier habe die Spieler beobachten, sein Assistent an der Linie auf mögliche Abseitsstellungen achten müssen, meint Poll, der sich sowohl einen mit Mikrochip ausgestatteten Ball als auch Torkameras oder Torrichter vorstellen kann.

The Star-Sportchef Kevin McCallum assistiert in seiner Kolumne: »Wir können WM-Matches in 3D anschauen und Lampards Tor in mehr als zwei Dimensionen, aber die FIFA kann sich nicht dazu durchringen, den Rückwärtsknopf zu betätigen. Das ist mittelalterliches Denken. Wir sind in der Zukunft angekommen, liebe FIFA. Ihr solltet das erkennen.«

Der Citizen hat derweil in der Vergangenheit »pikante« Details aufgestöbert. Der Chef des WM-Organisationskomitees, Danny Jordaan, der seinem Bruder laut der aktuellen Titelstory der Wochenzeitung Mail & Guardian einen lukrativen WM-Job in Port Elizabeth verschafft haben soll, versucht in dem Boulevard-Blatt von eigenen Problemen abzulenken, indem er Erzbischof Tutu in einem bisher nicht bekannten Licht darstellt.

Der Friedensnobelpreisträger hatte sich im Vorfeld der WM-Vergabe stets für Korruptionsfreiheit ausgesprochen. In einem Meeting mit FIFA-Offiziellen soll er jedoch gesagt haben: »Wenn ihr für uns stimmt, garantiere ich euch ein Erste-Klasse-Ticket in den Himmel.« Als er Tutu später auf diese Diskrepanz angesprochen habe, antwortete Tutu laut Jordaan: »Nein, das ist keine Bestechung. Schmieren kann man nur Lebende. Um das Erste-Klasse-Ticket zu bekommen, müssen sie erst sterben.« Ein Strick dürfte dem aufrechten Erxbischof daraus nicht zu drehen sein.
ballesterer # 120

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