Schweini-Watch, die erste

Er ist wieder da. Schöner als je zuvor. Nicht nur deshalb spielt Bastian die Gegner um den Verstand.
Stefan Kraft | 10.06.2006

Keine Angst, das Spiel der zwei langweiligsten Mannschaften dieser WM hätten wir hinter uns. Ein Suchtgifttest in den Abwehrreihen von Deutschland und Costa Rica erübrigt sich, ebenso die Frage, wer der schönste, eleganteste und auffälligste Spieler dieser Weltmeisterschaft werden wird.

Bastian Schweinsteiger ist einer dieser Persönlichkeiten, die nicht viel dafür tun müssen, um alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Da wäre etwa sein rotzfreches Dressing: Gegen alle Bekleidungsparagraphen und gute Sitten ließ er gestern im Eröffnungsspiel einfach das Leibchen raushängen. Marke: James Dean. Dem er auch zum Verwechseln ähnlich sieht.

Wäre da nicht seine völlig abgefahrene Frisur. Eidotterblonde Haarspitzen kokettieren auf's Außergewöhnlichste mit Eichhörnchenbraunen Enden auf den Schläfen. Dazwischen thront ein Styling in Form eines Flugzeugträgers, auf dem gerade zwei Neutronenbombenbeladene F-14 mit Schallgeschwindigkeit eingeschlagen sind. Marke: Apocalypse Now. Und so spielt er auch, der Schweinsteiniger.

Es waren nicht nur die rasierscharfen Pässe und die Luchs-artigen Körpertäuschungen der deutschen Nummer 7, die Costa Ricas Mannschaft um den Verstand brachten. Es waren auch seine beinahe schon unerträgliche physische Präsenz, seine Adleraugen, seine unerschütterliche Spielintelligenz, die irgendwo zwischen Frankfurter Schule, Situationismus und Kants Kritik der Urteilskraft einzuordnen ist.
Bastian Schweinsteiger, das ist das Ding an sich im Fußball. Wünschen wir ihm das Allerbeste.

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
ballesterer # 120

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