Sekagya und das goldene Bäuchlein

cache/images/article_1611_sekagya_140.jpg Uganda ist weit weg und sein Sprachengewirr groß. Die falsche Aussprache des Nachnamens von Ibrahim Sekagya deshalb entschuldbar. Doch Thomas König hätte nur nach Italien fahren müssen, dann hätte er Milan-Trainer Allegri zumindest kein goldenes Bäuchlein angedichtet.
Martin Schreiner | 21.03.2011
Innenverteidiger Ibrahim Sekagya hat was von einem Fels. Ruhig ragt er aus dem Abwehrzentrum von Red Bull Salzburg. Er spielt schnörkellos und direkt. Außerhalb des Spielfelds ist der Kapitän der ugandischen Nationalmannschaft dafür ein ruhiger Typ. Selbst im privaten Gespräch hält er sich vorzugsweise zurück. Vielleicht fand er deshalb noch keine Gelegenheit, der österreichischen Fußballwelt die richtige Aussprache seines Nachnamens mitzuteilen. Landläufig wird er in Funk und Fernsehen nämlich »Sekaja« ausgesprochen. Komisch eigentlich, wo doch gar kein eindeutschbares »J« in seinem Namen vorkommt. Vielleicht wandelte die deutsche Version der FIFA-Homepage deshalb die Schreibweise seines Nachnamens in diesem Sinne ab. Schon ein flüchtiger Blick auf Wikipedia lehrt jedoch die richtige Aussprache: »Sekaa«.

Für den gemeinen Mitteleuropäer ist es freilich nicht einfach beim in Uganda herrschenden Sprachengewirr den Überblick zu bewahren. Noch schwieriger ist es, von selbst die richtige Aussprache jedes ugandischen Nachnamens zu kennen. So entstammt auch der besserwisserische Inhalt des ersten Absatzes einem puren Zufall. Ohne die Bekanntschaft mit einer Übersetzerin hätte auch der Autor dieser Zeilen weiter ignorant und deutsch »Sekaja« gesagt.

Anders liegen die Dinge bei Thomas König. Der ORF-Fußballkommentator aus Vorarlberg ist von seinen Fremdsprachenkenntnissen überzeugt. Stolz lieferte er dem Fernsehzuschauer beim Champions-League-Achtelfinalspiel zwischen Tottenham und Milan live Hintergrundinformationen zu Milan-Trainer Massimiliano Allegri. Dieser sei mit der »panchina doro« ausgezeichnet worden. Zum besseren Verständnis wiederholte er diese Information für die nicht des Italienischen mächtigen Zuschauer laut und deutlich: »Pantina doro!«. Er verlieh damit Allegri nicht die goldene Bank als bestem italienischen Fußballtrainer, sondern das »goldene Bäuchlein«. Wo der sich doch so fesch im dunklen Mantel über das Ausscheiden seiner Mannschaft gegen Tottenham ärgerte. Anders als Uganda befindet sich Italien am Ende der A2. Herr König könnte also leicht hinfahren. Auf einer Bank am Strand von Caorle, könnte er sich die Sonne auf sein goldenes Bäuchlein scheinen lassen. Vielleicht kommt dann eine schöne Italienerin vorbei und erklärt ihm die richtige Aussprache seiner Sitzgelegenheit.
ballesterer # 120

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