Sergio in der Disko

cache/images/article_948_discokugel_140.jpg Für Luis Aragonés sind freie Tage noch freie Tage. Schweden sprechen für Spaniens Teamchef zumindest auf dem Feld Japanisch. Der von ihm nicht berücksichtigte Joseba Etxeberria schickte dem ballesterer fm derweil schöne Urlaubsgrüße aus Zürich.
Hannes Gaisberger | 16.06.2008
Als schwedische Journalisten vor dem Aufeinandertreffen der Nordländer mit Spanien Luis Aragonés ein Foto unter die Nase rieben, auf dem man Sergio Ramos in einer Innsbrucker In-Disko feiern sieht, hatten sie sicher mit einer anderen Reaktion gerechnet. »Nun, ich finde, Sergio sieht auf dem Foto sehr gut aus«, sagte Aragonés, »es war sein freier Tag. Da kann er machen was er will.«

Aragonés mag zwar bald 70 werden, deshalb ist er aber noch lange nicht senil. Was glauben die Herren Journalisten aus Schweden denn, wie so ein Fußballspieler seinen freien Tag rumbringt? Mit Sudoko? Mit Skizzen für neue Unterarmtattoos? Mit skandinavischen Erotikfilmchen? Lagerkoller will der alte Trainerfuchs jedenfalls nicht aufkommen lassen: Jeden fünften Tag dürfen die Spieler raus.

Das könnte nach dem 2:1 gegen Schweden noch eine Weile so weiter gehen. Es war ein knappes, ein hartes Match. Die »Selección« konnte diesmal nicht so schalten und walten wie gegen Russland, die Schweden haben »Japanisch mit uns geredet«, wie es Aragonés in der ihm eigenen Art ausdrückte.

Gründe, wieso Spanien schon wieder frühzeitig ausscheiden wird, sollen jetzt andere suchen. Beschränken wir uns auf das Positive: Torres hat sein lange ersehntes Tor geschossen, Villa in letzter Sekunde seinen vierten Turniertreffer erzielt und damit die Mannschaft als Gruppenersten ins Viertelfinale gehievt. Gegen Griechenland wird man ohne schlechtes Gewissen mit einer Light-Version der »Roja« auflaufen, denn Auswirkungen auf die Tabelle kann das Spiel nicht mehr haben. Sergio Ramos Auftritt im Tivoli neu war übrigens wie gewohnt vogelwild und hätte eher auf ein Stadlfest als in eine Nobeldisco gepasst.

Was machen nun eigentlich Fußballer, die nicht in die jeweiligen Nationalmannschaften berufen worden sind? Kolumnen verfassen? Sich selbst ins Team schreiben? Ihr gigantisches Vermögen verwalten? Neue Unterarmtattoos entwerfen? Falsch! Zumindest im Fall von Athletic Bilbaos Stürmer Joseba Andoni Etxeberria Lizardi. »Etxebe« aka »el Gallo« (der Hahn) aka »el Potro« (das Fohlen) nutzt die spielfreie Zeit auch nicht, um neue Spitznamen auszuhecken. Der 53-fache spanische Nationalspieler, der in den Kader für die WM 1998 und die EM 2000 und 2004 einberufen wurde, sucht weiterhin die große Bühne. Im kleinen.

Gemeinsam mit vier Freunden ist »Etxebe« vergangene Woche privat nach Zürich gereist, um sich Frankreich gegen Rumänien anzusehen. Unter ihnen Enrique, der freundliche deutschstämmige Metzger aus Bilbao, der einem baskisch-deutschen Athletic-Fanclub vorsteht. (siehe ballesterer fm, Nr. 28). Er war mit Exteberria auch schon bei der WM 2006 in Deutschland, für die Aragonés »el Gallo« auch nicht berücksichtigt hatte. Sein SMS-Kommentar nach dem Grottenkick: »Es war ein bisschen langweilig, aber trotzdem lustig bei den Rumanern. Viele Grüße von Etxeberria.«

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
ballesterer # 121

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