Sir Geoff, der Deutschland-Fan

cache/images/article_956_hurst_140.jpg Englands EM-Abstinenz treibt immer seltsamere Blüten. Ausgerechnet der Wembley-Held von 1966, Geoff Hurst, outete sich jetzt als Anhänger der deutschen Mannschaft.
Carsten Germann | 19.06.2008
Die Fotomontage in der Sun erinnert an die alten Tage in den Redaktionsstuben der englischen Boulevardblätter. Sie zeigt Sir Geoff Hurst nach dem WM-Triumph am 30. Juli 1966 in Wembley und mit einem Deutschland-Schal. Englands WM-Held, der sich mit dem »Wembley-Tor« zum 3:2 im Finale gegen Deutschland unsterblich gemacht hatte, bewegt sich in seinem Heimatland derzeit auf dünnem Eis. Während die »Three Lions« die EM vor dem Fernseher verfolgen, hält es Sir Geoff mit den Deutschen. Oh my goodness!

»Eigentlich muss man Deutschland mögen«

Sir Geoff und die Deutschen. Den graumelierten Herrn verbindet mehr als nur das »Wembley-Tor« mit den DFB-Kickern. »Ich habe im Februar 1966 mein Länderspiel-Debüt gegen Deutschland gegeben«, erklärt Hurst in der Sun, »mein bestes Match war das Finale 1966, mein schlimmstes Erlebnis war das WM-Aus 1970 gegen sie und 1972 habe ich gegen sie mein letztes Spiel gemacht.« Klingt einleuchtend.

Hurst weiß, dass er seine Landsleute mit seiner Vorliebe für Ballack & Co. kitzelt: »Klar, einige werden jetzt die Augenbrauen verwundert hochziehen, aber eigentlich muss man Deutschland mögen«, sagt der ehemalige Stürmerstar von West Ham United, »ihre Bilanz bei Welt- und Europameisterschaften ist fantastisch und mit Michael Ballack haben sie einen hervorragenden Anführer.« Worte, die jedem englischen Hardliner noch mehr Bauchschmerzen bereiten dürften, als das 2:3 von Dortmund-Profi Mladen Petric aus Kroatien, das die Engländer am 21. November 2007 in die Zuschauerrolle brachte.

Gastfreundlich und mit Humor?

Die Sympathiewerte von Geoffrey Charles Hurst in Deutschland sind nach den drei Finaltoren von 1966 nicht unbedingt die besten. Dennoch müssen Sätze wie dieser dem deutschen Fan runtergehen wie Öl: »Warum sollte ich nicht ein Land unterstützen, das ich persönlich sehr mag?« Ja, warum eigentlich nicht?

Immerhin schwärmt Hurst seit der WM 2006, als er das englische Team-Quartier in Baden-Baden besuchte, von der deutschen Gastfreundschaft. »Die Deutschen sind uns ziemlich ähnlich«, sagt Sir Geoff und legt noch ein Schäuferl nach, »sie sind entschlossen, stark und stolz und sie haben sogar Humor.« Doch der 1998 von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagene WM-Held hat bei aller Schwärmerei auch einen gravierenden Unterschied zu den Insel-Kickern ausgemacht: »Im Gegensatz zu uns können die Deutschen Elfmeter schießen.«

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
ballesterer # 121

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