Sir Mick, die Pechmarie

cache/images/article_1485_england_140.jpg WM-BLOG Er war als Glücksbringer angereist: Rockstar Mick Jagger drückte im Achtelfinale sowohl den USA als auch seinem Heimatland England die Daumen. Umsonst. Vor allem Englands Achtelfinal-Aus brachte Sir Mick die bittere Erkenntnis: You can`t always get what you want.
Carsten Germann | 01.07.2010
Eine illustre Runde hatte sich da auf der Tribüne des Royal Bafokeng Stadions in Rustenburg versammelt. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton saß neben CNN-Moderator Wolf Blitzer und der Nachrichten-Sprecherin Katie Couric. In roten Trainingsjacken Clinton hatte aufgrund der abendlichen Kälte sogar noch ein blaues Leiberl drübergezogen drückten sie »Stars & Stripes« die Daumen. Sir Mick kam etwas später. Der 66-jährige Frontmann der Rolling Stones nahm mit beigefarbenem Schal neben Clinton Platz.

Bill Clinton verzichtete dieses Mal mit Rücksicht auf seine Gesundheit auf übermäßige Temperamentsausbrüche. Beim Last-Minute-Sieg der Amerikaner gegen Algerien (1:0) hatte Clinton so geschrien, dass er danach nach eigenem Bekunden »eine Menge Tee mit Honig trinken« musste. Davor soll es in der Kabine das ein oder andere Bierchen mit US-Kapitän Carlos Bocanegra gegeben haben. Derartige »Exzesse« konnten von Jagger nicht berichtet werden. Mit eisiger Miene verfolgte er das bittere Aus der US-Boys nach packenden 120 Minuten gegen Ghana. Paint it black.

Am Sonntag ging Jaggers WM-Tour weiter. Ab nach Bloemfontein, zum Klassiker Deutschland gegen England. Mit Fotohandy und England-Schal platzierte sich Mick in der eine Reihe vor dem ehemaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und dessen Ehefrau Margit. Beide gelten als inoffizielle Glücksbringer der Deutschen.

Spätestens als Jagger vor dem Spiel in Großaufnahme gezeigt wurde, hätte auch der letzte unbedarfte Engländer warnend aufschreien müssen. Mick Jagger auf der Tribüne bei einem England-Spiel da konnte es nichts werden mit dem Viertelfinale für die »Three Lions«. Gegen die Deutschen gab es für England bei Weltmeisterschaften sowieso nur selten Satisfaction.

Als man 1966 zum letzten Mal bei einer WM gegen die DFB-Auswahl gewann, hatten Mick Jagger und die Stones gerade ihr legendäres Album Aftermath herausgebracht. Es bestand ausschließlich aus eigenen Kompositionen. Inzwischen sind die Zeiten ruhiger geworden. Aber Jagger und Fußball scheinen immer noch so wenig zusammenzupassen wie die Beatles und Stones.

Schon 1998 brachte Tribünengast Jagger den Engländern kein Glück. Sie verloren in St. Etienne in einem ähnlich denkwürdigen Spiel wie jetzt gegen Deutschland nach Elfmeterschießen kam der K.o. gegen Argentinien. David Beckham flog vom Platz, Sir Mick war not amused. Nun waren es die Deutschen, »die England zermalmten« (Daily Mail) 1:4. Wieder musste Mick Jagger traurig zusehen.

Kaum war die Partie vorbei, schlug man in Brasilien mit bangem Blick auf Jaggers nächsten geplanten WM-Spielbesuch Alarm. Gegen Chile wollte sich der Altrocker, der einmal mit dem fast 26 Jahre jüngeren brasilianischen Fotomodell Luciana Gimenez liiert war, in Johannesburg mit Sohn Lucas die »Selecao« gönnen. Keine gute Idee.

»Der Sänger der Rolling Stones hat den Ruf, bei dieser WM nur Pech zu bringen«, warnte ESPN Brasil. Die Fans des Rekordweltmeisters fürchteten gar, die Präsenz des Rock-Opas im Ellis Park könne dazu führen, dass man ihnen am Ende die Stones-Hymne It`s all over now spielt. Dieses Horrorszenario blieb den Brasilianern erspart, sie gewannen 3:0. Sir Mick war amused und in Rio und anderswo hielt man sich an einen anderen Song von ihm: Dancing in the Street.

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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