Spielvereinigung Radio/Fußball besiegt den Fusionsklub TV-Politik

Neulich auf Ö1: Hicke und sein einziger Pass auf Josef Pröll
Klaus Federmair | 13.09.2005

Was macht der österreichische Bildungsbürger am Samstagmittag? Er hört das »Mittagsjournal« des hochseriösen öffentlichen Minderheitenradiosenders Ö1. Nicht zuletzt freut er sich auf »Im Journal zu Gast«, die samstägliche Interviewserie, in der Politiker statt lächelnd platzierte Populistenslogans ganze Argumentationsketten aufbieten müssen.

Am 10. September wurde bei der Vorstellung des Studiogasts aber so manche Nase gerümpft. Im Studio saß Josef Hickersberger, Trainer des SK Rapid. Immerhin hat Hickersberger die Hütteldorfer sensationell in die Champions League geführt, und obendrein kann er Sätze formulieren, die der gemeine Ö1-Hörer einem aus dem Fußballgeschäft eher nicht zutraut.

So wurde über das legendäre 0-1 gegen die Färöer-Inseln, die Persönlichkeitsentwicklung durch Trainerjobs im Nahen Osten und die Verantwortung der Gesellschaft für die Unterentwicklung des Nationalteams philosophiert. Um schließlich wieder zu den klassischen Inhalten einer Nachrichtensendung zurückzufinden: Ob Hickersberger nicht Politiker werden wolle?

»Das wäre viel zu einfach«, meint der Fußballtrainer trocken. Und erklärt dem erstaunten Interviewer: »Das beste Beispiel ist Erwin Pröll. Ich habe ihm mit einem einzigen Pass klargemacht, dass er es im Fußball nie zu etwas bringen wird. Er ist dann in die Politik gegangen und heute als Landeshauptmann von Niederösterreich einer der erfolgreichsten Politiker Österreichs«. Die Anforderungen in der Politik seien einfach nicht so hoch wie im Fußball.

Solch große Erkenntnisse kann man im Fernsehen heutzutage nicht mehr gewinnen. Und das beste am Radio: Man kann das Augenzwinkern nicht sehen.

Referenzen:

Rubrik: Sonstiges
Thema: Josef Hickersberger
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