Stars and Stripes für Rosana

cache/images/article_1205_rosana_140.jpg Rosana dos Santos Augusto, die ehemalige Starspielerin des österreichischen Serienmeisters SV Neulengbach, hat den großen Sprung geschafft und ist seit 1. März in der neuen US-Profiliga WPS (Women's Professional Soccer) bei Sky Blue New Jersey unter Vertrag. Kurz nach Saisonauftakt telefonierte die 26-jährige Brasilianerin mit dem ballesterer und erzählte von ihren ersten Eindrücken in den USA.
Robert Florencio | 14.04.2009
ballesterer: Wie bist du im neuen Team aufgenommen worden?
Rosana: Noch besser als erwartet, alle waren sehr freundlich zu mir. Besonders Coach Ian Sawyers, der ja auch gleichzeitig der Ehemann von der bekannten Ex-Nationalspielerin Julie Foudy ist, hält große Stücke auf mich.

Was ist der größte Unterschied zu Neulengbach?
Hier gibt es keinen Unterschied zu einer Herrenprofimannschaft. Wir trainieren zumeist zweimal täglich, die Trainingsmethodik ist sehr anspruchsvoll. Man versteht sehr schnell, warum dieses Land im Frauenfußball die Nummer Eins ist.

Euer Auftaktspiel gegen Los Angeles Sol, wo ja auch die dreifache Weltfußballerin Marta spielt, habt ihr 0:2 verloren. Wie war das Spiel?

L.A. hat nicht zuletzt dank einer sehr guten Marta und ihrer beiden Tore knapp vor der Halbzeit das Spiel verdient gewonnen. In der zweiten Hälfte war es dann ausgeglichener und wir hatten auch noch einige Chancen.

Du musstest leider verletzungsbedingt passen. Wie ist es zu deiner Verletzung gekommen und wann kannst du wieder spielen?
Zehn Tage vor Meisterschaftsbeginn habe ich mir in einem Testspiel eine Verletzung am Knie zugezogen. Ich hoffe aber, dass ich schon gegen FC Gold Pride wieder spielen kann.

Welche Platzierung traust du deinem Team zu?
Wir haben mit Natasha Kai, Heather O'Reilly und Christie Rampone drei herausragende US-Nationalteamspielerinnen in unseren Reihen. Die anderen Vereine sind aber dank des Drafting-Systems de facto gleichstark besetzt. Somit ist vom ersten bis zum letzten Platz eigentlich alles möglich.

Bereits vor ihrer Abreise in die USA hatte der ballesterer die Gelegenheit gehabt, Rosana in ihrer Heimatstadt São Paulo zu interviewen. Nach anfänglicher Schüchternheit blühte die wohl beste Frauenfußballerin, die jemals in Österreich tätig war, im Laufe des Gesprächs regelrecht auf.

ballesterer: Erzähle uns zunächst von deinem tollen Auftritt bei den Panamerikanischen Spielen von Rio, wo ihr die Goldmedaille geholt habt und du mit deinen Toren wesentlich zum Erfolg beigetragen hast. Anstatt im Wienerwaldstadion hast du plötzlich im Maracana Stadion gespielt.
Rosana: Obwohl ich von meinen WM- und Olympiateilnahmen schon einige Erfahrungen mit Großereignissen hatte, war dieses Heimturnier ein besonderer Höhepunkt in meiner Karriere. Ein volles Maracana, wo 70.000 meinen Namen gesungen haben, nachdem ich beide Tore im Semifinale gegen Mexiko geschossen hatte. Ich muss ehrlich zugeben, da ist mir dann der Schauer über den Rücken gelaufen. Meine Mutter war auch im Stadion, aber da die Fans in der Reihe vor ihr ein großes Transparent mit meinem Namen gespannt hatten, hat sie nicht allzu viel vom Spiel mitbekommen. Trotzdem hat sie allein von dieser wunderbaren Atmosphäre Tränen in den Augen gehabt.

Nach dem Finalsieg wurdest du ja als erste von der Reporterlegende Galvão Bueno live für den einflussreichen TV-Sender Globo interviewt. Dabei hat er händeringend an die Verantwortlichen in Politik und Sport appelliert, doch endlich etwas für euren Sport zu unternehmen. Was ist seit damals geschehen?
Leider noch viel zu wenig. Der Verband CBF hat es bis jetzt leider nicht geschafft, eine nationale Meisterschaft auf die Beine zu stellen. Es gibt nur einen nationalen Cupbewerb, der sich über eineinhalb Monate erstreckt. Das ist viel zu wenig, um professionell das Auslangen zu finden. Insofern finde ich auch unsere beiden Finalniederlagen bei der WM 2007 und Olympia 2008 gar nicht so schlecht, denn vielleicht ist das ein Anstoß für die Verantwortlichen endlich bessere Strukturen zu schaffen.

Woran mangelt es denn am meisten?
Zunächst natürlich einmal am Finanziellen. Nur ganz wenige Klubs, und die hauptsächlich in São Paulo und Umland, haben einigermaßen würdige Bedingungen, wo sich die Mädchen mit täglichem Training unter fachmännischer Aufsicht entwickeln können. Dazu gehört natürlich auch die medizinische und physiotherapeutische Betreuung. Wenn die Mädchen dann noch Unterstützung durch Gemeindeverwaltungen und Universitäten für ihre Berufsausbildung bekommen, umso besser. Aber wie gesagt: Dieser Idealzustand existiert nur für eine verschwindend geringe Anzahl.

Wie hat sich dein Österreich-Engagement ergeben?
Nun, das war recht amüsant. Bruno Mangl, der Obmann des SV Neulengbach, hat sich damals überlegt, wie er den Frauenfußball in Österreich attraktiver gestalten kann. Er hat mich schon bei der WM 2003 in den USA gesehen, dort hat ihn offenbar meine Leistung beeindruckt und von da an, wollte er mich engagieren. Nach kurzen Verhandlungen mit meinem damaligen Verein in Südbrasilien ist es ihm gelungen, mich nach Österreich zu lotsen.

Wie war dein Einstand in diesem völlig fremden Land?
Nach den ersten beiden Spielen habe ich gedacht, dass ich das nicht durchstehen werde. Die körperbetonte, vergleichsweise harte Spielweise war für mich völlig ungewohnt. Ich war mit blauen Flecken übersät. Nach und nach habe ich mich aber immer besser darauf eingestellt, und konnte auch dank der wunderbaren Unterstützung des gesamten Teams, wobei meiner Trainerin Olga Hutter besonderer Dank gebührt, eine Führungsposition einnehmen und auch schöne nationale und internationale Erfolge feiern. Natürlich waren auch das sympathische Umfeld und die Anwesenheit meiner zwei Landsfrauen eine große Unterstützung.

Ist es nie zu Vorkommnissen wie Beschimpfungen durch Zuschauer gekommen?
Wenn es am Anfang am Sportplatz passiert ist, dann weiß ich es nicht, weil ich ja die Sprache noch nicht beherrscht habe. Danach kann ich mich an nichts Nachteiliges erinnern. Ganz im Gegenteil: es war für mich die bisher schönste Station in meiner Karriere, ich habe dort große Freundschaften geknüpft und kann mir gut vorstellen, nach meinem Engagement in den USA wieder nach Neulengbach zurückzukehren. Denn von meiner Heimatstadt São Paulo habe ich mich doch ziemlich entfremdet, in dieser Stadt möchte ich eigentlich nicht mehr leben.

Wie siehst du eigentlich die Entwicklung der US-Profiliga im Angesicht der Finanzkrise? Das Vorgängermodell WUSA musste 2003 Konkurs anmelden. Wird der WPS ein dauerhaftes Bestehen möglich sein?
Ich denke schon. Soweit ich weiß, sind von den verantwortlichen Managern hier wesentlich seriösere Planungen getätigt worden. Es wird ja auch sehr behutsam vorgegangen. Diese Saison nehmen nur sieben Teams, die geographisch auf wichtige Bevölkerungszentren verteilt sind, teil. Nächstes Jahr starten dann nach der Konsolidierungsphase drei weitere Teams. Das »Drafting-System« garantiert ein ausgewogenes Feld. Ich wurde beispielsweise erst in der zweiten Runde des internationalen Drafts von Sky Blue gezogen, da sie aufgrund von drei verpflichteten US-Nationalteamspielerinnen zunächst den anderen Klubs den Vortritt lassen mussten.

Wie sieht deine Zukunftsplanung aus?
Zunächst möchte ich hier Fuß fassen und die Meisterschaft gewinnen. Mein Vertrag läuft erst einmal zwei Jahre. Dann natürlich 2011 die Frauenfußballweltmeisterschaft in Deutschland, wo wir uns hoffentlich für die Niederlage 2007 revanchieren und erstmals den Titel holen können. Mit ca. 30 oder 31 Jahren möchte ich dann aber meine Karriere beenden, um endlich auch einmal die schönen Dinge des Lebens zu genießen. Denn ein Sportlerleben ist doch mit vielen Entbehrungen verbunden.

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Rubrik: Aktuell
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