Taktikcorner: Bemüht, aber unorganisiert

cache/images/article_1547_maierhofer_140.jpg »In drei, vier Jahren sind wir soweit«, warnte Berti Vogts im Anschluss an die 0:3-Niederlage seiner Aseris in Wien die Fußballwelt. So unterlegen waren sie im Duell mit Österreichs Nationalmannschaft aber nicht, das Ergebnis täuscht ein bisschen. Arnautovic und Co. gelangen zwar einige ansehnliche Aktionen, ein organisiertes Offensivspiel war über weite Strecken allerdings nicht zu erkennen.
Emanuel Van den Nest | 11.10.2010
Didi Constantini schickte seine Mannschaft mit einem 4-1-3-2 aufs Feld. Zlatko Junuzovic fungierte in dem System als zentrales Bindeglied - zwischen Abwehr und Angriff, zwischen linker und rechter Seite. Er war stets anspielbar und bemüht, Hilfestellungen zu leisten, und orientierte sich immer in Richtung des Balles. Wenn die Aseris ihn mit mehreren Spielern attackierten und dadurch den Raum geschickt eng machten, vertändelte sich Junuzovic häufig. Die Öffnung neuer Räume durch einen Seitenwechsel wäre manchmal die bessere Lösung gewesen. Darauf hatte man sich offensichtlich nicht vorbereitet. Paul Scharner, dahinter als Sechser aufgeboten, konnte oder wollte sich nicht in den Angriff einschalten, manchmal ignorierte er sogar gut postierte Anspielstationen in der gegnerischen Hälfte und spielte nach hinten.

 

Marko Arnautovic, nominell auf dem rechten Flügel eingesetzt, machte zu Beginn nur durch technische Gustostückerln auf sich aufmerksam. Mit Fortdauer des Spiels zog es den Werder-Legionär zunehmend in die Mitte oder nach links, er unterstützte dabei Junuzovic im Spielaufbau und bot sich immer wieder gut an. Arnautovic gelang auch etwas, das Seltenheitswert hatte: ein Lochpass. Er leitete das selbst erzielte 2:0 ein, in dem er das Auge für den freigelaufenen Stefan Maierhofer hatte. In der Nachspielzeit tat es ihm der eingewechselte Veli Kavlak gleich und eröffnete Arnautovics zweites Tor. Jimmy Hoffer zog dabei einen Abwehrspieler auf sich, während Arnautovic unbedrängt an der Abwehrreihe vorbeisprintete.

 

Stefan Maierhofer rannte, was das Zeug hielt, viele Meter aber umsonst. Er ließ sich geschickt zurückfallen, einerseits um der Deckung zu entfliehen, andererseits um die Offensivezentrale zu unterstützen und eine dortige Überzahlsituation zu schaffen. Doch sein aggressives Solo-Pressing war weniger glücklich. Überhaupt erfolgte das Forechecking des österreichischen Teams zu unsystematisch. Es wurde attackiert, wenn sich ein Gegenspieler in der Nähe befand. Eine kollektive Unterbindung der Anspielstationen des Gegners probierten die Österreicher aber nicht. Dabei hätte die Mannschaft gerade aus der konditionellen Überlegenheit Kapital schlagen können, Aserbaidschans Teamchef Berti Vogts klagte auf der Pressekonferenz nach dem Match über seinen »so genannten Fitnesstrainer«.

 

Und Didi Constantini? Der Teamchef war wohl auch vor dem Match in Wien auf dem Fahrrad unterwegs gewesen, jedenfalls durfte Roland Linz wieder in die Rolle der hängenden Spitze schlüpfen. Bemühungen, die Kreativität zu beleben, waren vorhanden, mehr aber auch nicht. Seine Ballberührungen beschränkten sich darauf, den Ball abprallen zu lassen, sei es zum Mitspieler oder zum Gegner. In Richtung Tor bewegte sich der Austrianer mit dem Ball kaum, und konnte deshalb seine Mitspieler nicht einsetzen.

 

Weiteres Manko: das Flügelspiel war kaum existent. Der rechte Außenverteidiger Florian Klein und der vor ihm agierende Martin Harnik waren nicht im Stande, Druck über die Flanken auszuüben. Harnik war selten anspielbereit und blieb oft am Gegner hängen. Der schnelle Außenverteidiger Christian Fuchs begann erst in der zweiten Hälfte, sich in die Offensive einzuschalten. Daraus ergab sich häufig eine Überzahlsituation auf der linken Seite, wodurch das Angriffspiel sichtlich beflügelt wurde.

 

Die Begegnung gegen Aserbaidschan hat gezeigt, dass eine spezifische Vorbereitung auch gegen schwächere Mannschaften notwendig ist. Die Aseris befanden sich phasenweise auf Augenhöhe, zudem blieb ihnen ein Elfmeter verwehrt. Der 3:0-Sieg der Österreicher war zwar in kaum einer Phase gefährdet, mit einer besser abgestimmten Offensive wäre er jedoch noch höher ausgefallen. Gegen Belgien wird das Nationalteam gezwungen sein, ein dem Gegner ebenbürtiges System auf den Rasen bringen. Einzelaktionen werden am Dienstag in Brüssel nicht ausreichen.

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Rubrik: Aktuell
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