»They had luck but not too much«

cache/images/article_2045_fanbotschaft_140.jpg 2:2, dank des Ausgleichs in letzter Minute. Die eisige Winternacht von Dublin endete für das ÖFB-Team doch noch versöhnlich. Die 2.700 österreichischen Fans erlebten ein Wellental der Gefühle. Für das erheiternde Schlusswort sorgte einmal mehr Altmeister Giovanni Trapattoni.
Robert Florencio | 28.03.2013

Schon der Anfang der irischen Reise sollte kein leichter sein. Wohlfeile 23 Euro für die Taxifahrt ausgelegt, um den angekündigten Ort für das Abschlusstraining rechtzeitig zu erreichen. Bei der Ankunft dann die Auskunft der etwas amüsiert wirkenden Platzarbeiter, dass das Training kurzfristig ins 15 Kilometer entfernte Aviva-Stadion verlegt wurde. Ein schöner Spaziergang entlang der rauen Irischen See entschädigt für die Enttäuschung.

Drei Stunden später erfolgt im Nobelhotel des Küstendorfes Malahide - auch hier mit reichlich Verspätung - der große Auftritt vom Altmeister Giovanni Trapattoni. Obwohl Übersetzerin Manuela Spinelli sich größte Mühe bei Traps Ausführungen gibt, zeigt sich bald, dass das Hauptproblem in seinen Ausführungen liegt. Grammatikalische Fehler kann die Übersetzerin korrigieren, inhaltliche und verständnismäßige nicht. »Trap« wirkt nicht mehr komplett konzentriert. Auf eine Frage gibt er eine komplett unsinnige Antwort, Arnautovic vermeint er noch in seiner Salzburgzeit als Gegenspieler gesehen zu haben. Der Zahn der Zeit nagt halt auch an den Legenden im internationalen Fußball. Irland dürfte die letzte Trainerstation des 74-Jährigen sein.

Beim Abschlusstraining der österreichischen Mannschaft, das wie üblich nur für 15 Minuten zugänglich ist, kommt der Reporter von SkySports mit einem Fotoalbum der ÖFB-Auswahl auf mich zu und ersucht mich, ihm die richtigen Aussprache der Spielernamen beizubringen. Ein löbliches Unterfangen, das auch so manchem heimischen TV-Berichterstatter zur Nachahmung durchaus zu empfehlen wäre.

Oberösterreichisches Scharmützel
In der Nacht vor dem Spiel kommt es in der Innenstadt  von Dublin zu einem kleinen Scharmützel zwischen angeheiterten jugendlichen oberösterreichischen Fans der SV Ried und des LASK. Die irische Polizei ist sofort mit fünf Fahrzeugen zur Stelle und zerstreut sowohl Beteiligte als auch unbeteiligte Anwesende wie mich rasch. Es geht ohne Festnahmen ab, aber Thomas Gaßler von der österreichischen Fanbotschaft, der gleich daneben sein Quartier bezogen hat, muss ausrücken und zur Beruhigung der Lage beitragen. Beim Besuch der von Pro Supporters organisierten Fanbotschaft am Nachmittag des Spieltags ist er wesentlich gelöster und verweist auf die erfolgreiche Arbeit der erstmals seit der EURO 2008 wieder aktiven Einrichtung. Zusammen mit sechs Mitarbeitern, darunter auch Mitglieder der irischen Supporter-Organisation »You Boys in Green« werden zahlreiche Infobroschüren an die österreichischen Fans verteilt.  Zwei Fans, denen am Vortag Tickets und Geld gestohlen wurden, werden dank der Solidarität des irischen Verbands FAI und seiner Sponsoren der Schaden sogar mehr als ersetzt.

In unmittelbarer Nähe zum Aviva-Stadium findet am Dienstagnachmittag als Vorspiel ein Aufeinandertreffen der von Toni Pfeffer gecoachten und mit Thomas Winklhofer verstärkten österreichischen Fanauswahl mit den irischen Kollegen statt. Die erweisen sich als wesentlich wetterfester, trotzen auch einem kurzfristig einsetzenden Schneesturm und entscheiden die Partie mit 3:1 für sich. Die österreichischen Fans versammeln sich in den rund ums Stadion liegenden Pubs. Nach einem Pint Guiness im »Landsdowne« verlasse ich nach Ertönen einer sehr rauschig klingenden Bundeshymne rasch die Lokalität.

Gut begonnen, stark nachgelassen
Im Stadion herrscht schon zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn rege Betriebsamkeit. Die Hinweisschilder, dass es sich um ein rauchfreies Stadion handelt, wirken für die österreichischen Gäste etwas exotisch. Die kühn geschwungene Tribünenkonstruktion erinnert an seinen Längsseiten an das Wembley-Stadion, auf der einrangigen Hintertorseite, wo die österreichischen Fans ihre Plätze einnehmen, kommen eher Erinnerungen an die Stadien der österreichischen Bundesligisten auf.

So wie die Stadionarchitektur für Überraschungen sorgt, entwickelt sich schließlich auch das Spiel. Eine bissig auftretende ÖFB-Mannschaft lässt zu Beginn keinen Zweifel aufkommen, dass man heute drei Punkte holen möchte. Die Iren können sich noch nicht einmal richtig sortieren, da fällt nach einem durch Zlatko Junuzovic eroberten Ball und einer perfekten Vorlage auf Martin Harnik das 1:0. Auch die darauffolgenden Minuten lassen vermuten, dass die Österreicher den Gegner mit Haut und Haar fressen wollen. Es sollte sich aber der in Irland Kult gewordene Trapattoni-Satz »don't say cat until you've got it in the bag« bewahrheiten. Ein hartes Foul am besten Österreicher, Junuzovic, und die damit verbundene Einwechslung Julian Baumgartlingers sowie das ungeschickte Elferfoul von Emanuel »Mad Dog« Pogatetz wenig später sollten der Partie noch vor der Pause eine entscheidende Wende geben. Der Ausgleich und dann der Führungstreffer durch Walters nach einer Ecke als letzte Aktion vor dem Halbzeitpfiff schickt die Österreicher demoralisiert in die Kabine.

Die zweite Hälfte beginnt zerfahren. Die ÖFB-Elf verfängt sich in der massierten irischen Abwehrzentrale, die Iren lauern auf schnell vorgetragene Konterstöße. Ein läuferisch und kämpferisch intensiv geführtes Match sollte es bis zum Schluss bleiben. Österreich kommt zu zunehmend besseren Chancen, wenngleich in der 67.Minute Heinz Lindner mit einem großartigen Reflex das 1:3 und damit das Ende aller WM-Träume verhindern kann. Der Gewaltschuss von David Alaba in der 92. Minute zum Ausgleich, sorgt dafür, dass das »F-Word« nach Schlusspfiff der am häufigsten verwendete Ausdruck der irischen Fans beim Verlassen des Stadions ist.

Trap bleibt locker
Auf der anschließenden Pressekonferenz entlädt sich die Enttäuschung der irischen Kollegen an ihrem Teamchef. Einen erzürnt der Austausch von Shane Long, ein anderer provoziert Trapattoni sogar mit der Frage, ob er glaubt, mit solchen Ergebnissen im Juni beim nächsten Spiel noch auf der Trainerbank zu sitzen. »Trap« bleibt jedoch ganz der italienische Signore und verliert bei seinen Antworten nicht die Contenance. Auch seine Formulierung über den späten Ausgleichstreffer der Österreicher ist sehr diplomatisch: »They had luck but not too much«. Ein Satz der am Ende eines engen Qualifikationsrennens in Gruppe C auch für den Gruppenzweiten gelten könnte. Nehmen sich die drei um diesen Platz kämpfenden Teams in den weiteren Begegnungen weiterhin gegenseitig die Punkte weg, könnten am Ende alle lange Gesichter machen. Denn bekanntlich darf der punkteschwächste Zweitplatzierte aller neun Europagruppen nicht in der Barrage antreten. 

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
Verein: ÖFB
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