Und die Kurve brennt doch

cache/images/article_1353_pyro_logo_140.jpg Während die erste Runde der Frühjahrsmeisterschaft bei Schneefall und auf vereisten Spielfeldern stattfand, ging es zumindest in den Kurven heiß her. Die aktiven Fans protestierten gegen das neue Pyrotechnikgesetz, mit der Website »Pyrotechnik ist kein Verbrechen« ging zudem eine kurvenübergreifende Initiative online.
Mathias Slezak | 16.02.2010
Den Anfang der Protestaktionen machten bereits am Mittwoch vergangener Woche die Fans von Sturm Graz beim Cup-Spiel gegen Salzburg mit einem 45-minütigen Stimmungsboykott und einem Transparent mit der Aufschrift »Das ist Fekters Vision: Ein Stadion ohne Leidenschaft und Emotion«.  Die zweite Spielhälfte begann dann mit reichlich Pyrotechnik aus der Fankurve der Grazer, die in einer Aussendung die Kriminalisierung von Fans durch das neue Gesetz anprangerten und erklärten, dass sich in den vergangenen zehn Jahren mehr Sturmfans beim Befestigen von Transparenten an Zäunen als beim Abbrennen von Bengalen verletzt hätten.

Beim Freitagsspiel in Linz stand ein Stimmungsboykott aus anderen Gründen an der Tagesordnung: Einige Fanklubs des LASK blieben in den ersten 45 Minuten dem Stadion fern, um ihre Unzufriedenheit mit dem Führungsstil von Präsident Peter-Michael Reichel kundzutun. Nachdem sie in der zweiten Halbzeit ihre gewohnten Plätze wieder eingenommen hatten, hielten die Linzer ein »Pyrotechnik ist kein Verbrechen«-Spruchband hoch und sorgten mit einigen Leuchtfackeln für einen stimmungsvollen Hintergrund.

Auch die Rapid-Fans protestierten mit zahlreichen Bengalen sowie drei Spruchbändern gegen die Gesetzesänderung und zitierten den Maler Vincent Van Gogh: »Man soll das Feuer in einer Seele nie ausgehen lassen, sondern es schüren«. Die Polizei zeigte sich von dieser Referenz aus der Kunstgeschichte jedoch unbeeindruckt. Das Videomaterial vom Spiel wird derzeit untersucht. Ob und wie viele »Zündler« identifiziert wurden, ist noch unklar.

Rieder Smileys und überflüssige Zivilbeamte
Die Rieder Fanklubs entrollten beim Spiel gegen Salzburg ebenfalls ein »Pyrotechnik ist kein Verbrechen«-Plakat und zündeten, durch das Aufsetzen von weißen Gesichtsmasken mit aufgemaltem Smiley anonymisiert, einige Bengalen. Ein Ried-Fan wurde dabei von Polizisten erwischt und angezeigt. Er muss aufgrund des verschärften Strafrahmens mit einer Geldbuße von bis zu 4.360 Euro rechnen.

 

Auch die Austria-Fanklubs protestierten allerdings nicht gegen das neue Pyrogesetz, sondern gegen die Maßnahmen der Klubführung nach dem Bilbao-Match. Daher gab es beim Spiel gegen Kapfenberg keinen organisierten Support.

Am Sonntagnachmittag traten beim Gastspiel von Sturm Graz bei Austria Kärnten die ersten offenkundigen Auswirkungen des neuen Gesetzes auf die Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien zu Tage. »Beim Auswärtsspiel in Klagenfurt gab es schärfere Kontrollen als jemals zuvor. Es waren außerdem rund 25 Beamte in Zivil im Sektor anwesend, die scheinbar nur dazu abgestellt waren, Verfehlungen von uns zu beobachten«, erklärte ein Vertreter der Grazer Nordtribüne gegenüber dem ballesterer. »Ein schwer überzogener und komplett sinnloser Aufwand, da wir fürs Kärnten-Match keinerlei Aktionen geplant hatten.« Ob das Großaufgebot eine direkte Reaktion der Exekutive auf die Proteste im Spiel gegen Salzburg gewesen sei, könne er nicht sagen.

Vereinsübergreifende Initiative
Erstmals an die Öffentlichkeit gewandt hat sich unterdessen die Faninitiative »Pyrotechnik ist kein Verbrechen«. Rund 40 Fanklubs aus ganz Österreich unterstützen die Bemühungen, »einen kontrollierten und verantwortungsvollen Gebrauch von Pyrotechnik« wieder zu erlauben. Auf der Website der Initiative findet man zudem Fotos von den Protestaktionen, Pyro-Zitate von Oliver Polzer und Peter Pacult sowie einen Pressespiegel.

Es sei jedem klar gewesen, dass man in dieser Angelegenheit nur mit einer szeneübergreifenden Aktion etwas erreichen könne, so einer der Organisatoren zum ballesterer. Die Fußballfans sprechen vor allem die in der Diskussion vorherrschende Doppelmoral an, die Pyrotechnik in Fußballstadien kriminalisiere und in anderen Sportarten, wie zum Beispiel beim Nachtslalom in Schladming, als tolle Stimmung darstelle. Sie erteilen der Benützung von Knallkörpern und Böllern eine klare Absage und sprechen sich dafür aus, durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen (Sand- und Wasserkübel) ein kontrolliertes Abbrennen im Sektor zu ermöglichen und keine pyrotechnischen Gegenstände auf die Laufbahn oder ins Spielfeld zu werfen.

Wie die offiziellen Stellen auf die Initiative reagieren, bleibt abzuwarten. Sollte es zu einem ernsthaften Entgegenkommen des Innenministeriums kommen, sei man durchaus gesprächsbereit und wolle nichts unversucht lassen, so einer der Vertreter der Kampagne. »Primäres Ziel ist es, ein Umdenken in der Bevölkerung zu erreichen und eine alternative Informationsquelle zu schaffen, die es jedem begeisterten Sportfan ermöglicht, sich sein eigenes Bild zu machen.« Das erste Fazit ist jedenfalls positiv: »Wir wurden darin bestätigt, dass es der richtige Schritt war, diese Aktion zu starten.«

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png