Uruguays Propheten

cache/images/article_1438_uruguay_140.jpg WM-BLOG Das erste Spiel ist gespielt, der erste Punkt eingefahren. Zeit, Prognosen auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen. Wer hatte recht? Hans Krankl, Oscar Washington Tabárez, die knapp bekleidete Silvia oder der peruanische Astrologe Vladimir?

Hannes Gaisberger | 16.06.2010
Für Krankl muss das Spiel der »Celeste« ernüchternd gewesen sein. Wenn er nur einen Funken Selbstkritik in seinem Körper hat, wird ihm aufgefallen sein, dass »ein Sturm-Duo, um das einen ganz Europa beneidet«, nämlich Diego Forlán und Luis Suárez, auch nicht viel ausrichten kann, wenn der Rest der Mannschaft bieder spielt. Obwohl: einen Punkt gegen Frankreich würden sogar die verwöhntesten Fans der österreichischen Nationalmannschaft ungeschaut mitnehmen.

 

Zufrieden wird hingegen Diego Godín von Villarreal gewesen sein, der schon vor dem Spiel meinte: »Das Wichtigste ist, nicht zu verlieren.« Das dürfte sich auch Trainer Tabárez gedacht haben, obwohl er vor dem Spiel angegeben hat, auf Sieg spielen zu lassen. Was ist nicht alles gerätselt worden über die Aufstellung Uruguays: Taktikgläubige freuten sich auf ein experimentelles 3-4-1-2, das der Coach extra für die Franzosen ausgetüftelt hatte. Taktiktafeln sind geduldig und für Südafrika heckt Tabárez schon wieder eine neue Strategie aus: ein 4-3-1-2, mit Forlán als hängende Spitze. Das hört sich interessant an, könnte aber trotzdem auf das Gleiche hinauslaufen, was die »Celeste« schon gegen Frankreich und eigentlich auch die Jahrzehnte zuvor gezeigt hat: defensiven, körperbetonten Fußball.


Sicherheit in Südafrika: hinlänglich durchdiskutiert. Allein die Tatsache, dass sich der mit Verlaub überdurchschnittlich vorsichtige Herr Chefredakteur relativ frei durch das Land bewegt, spricht Bände. Trotzdem noch ein Tipp für alle am Kap Weilenden: die Geldbündel nicht im Hotel liegen lassen! Das raten zumindest uruguayische Verbandsdelegierte, denen während der Partie gegen Frankreich je nach Quelle 4.000, 8.000 oder 12.000 Dollar aus ihrem Hotel entwendet wurden.


Wenigstens erwischt es keine Armen? Weit gefehlt. Die Asociación Uruguaya de Fútbol (AUF) spart, wo es geht. Zum Beispiel beim Trainer. Laut dieser Studie der portugiesischen Seite Futebol Finance steht nur auf dem Lohnzettel von Kim Jong Hun, dem Trainer von Nordkorea, weniger als auf jener von Tabárez. 205.000 Euro soll er angeblich verdienen, nicht einmal ein Zehntel vom Salär Jogi Löws. Überraschend hohe Gehälter beziehen Pim Verbeek in Australien (1,2 Mio. ) und Ricki Herbert in Neuseeland (800.000 ). Dagegen nehmen sich die 560.000 eines Raymond Domenech gar bescheiden aus. Fabio Capellos Spitzenwert von 8,8 Mio. nicht.


Aber Geld ist bekanntlich nicht alles im Leben. Es gibt zum Beispiel auch noch Sex. Mit Sex kann man wiederum sehr gut verkaufen, was Silvia für die spanische Wett-Webpage apuestasdeportivas.com macht. Silvia liebt Bier, Fußball, knappe Kleidung und knallharte Analysen. Und sie hat im Zweierweg das Unentschieden gegen Frankreich vorausgesagt. Und den Sieg der Deutschen.


Mit prognostizierten Siegen von Mexiko und Uruguay ist der peruanische Berufs-Astrologe Vladimir knapp daneben gelegen bzw. hat er daneben gelegt. Er hat sich die Mühe gemacht, zu allen Gruppenspielen die Tarot-Karten zu befragen. Uruguay hätte gegen Frankreich gewinnen müssen, da sie sechs Kelche und die Franzosen nur vier Schwerter hatten. Bei dem zweiten Match gegen Südafrika steht es Sonne gegen Sumo Sacerdote (The Hierophant), macht ein Unentschieden. Scheint ein 1-1 werden, präzisiert Vladimir. Das letzte Spiel gegen Mexiko geht verloren, da der goldene Ritter die fünf Kelche übertrumpft. Aufgrund der anderen Ergebnisse steigen Mexiko als Gruppenerster und Uruguay als zweiter auf. Bei Vladimir aus Cieneguilla.

ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png