¡Vaya Semanita! Was für eine Woche!

cache/images/article_977_reina_140.jpg Mehr als eine Woche ist es nun schon her und es ist noch immer wahr: Spanien ist Europameister! Einige Schlaglichter auf die ungewöhnlichen, weil ungewohnten Feierlichkeiten der Spanier.
Hannes Gaisberger | 09.07.2008
Der Flash-Interviewer des Fernsehsenders Cuatro hatte unmittelbar nach dem Finale für den frischgebackenen Europameister Andres Iniesta eine tolle Überraschung parat: Geheimnistuerisch reichte er die Knopf-im-Ohr-Leitung, die der wie immer blasse, doch überglückliche FC Barcelona-Spieler vorfreudig annahm. Wer konnte da in der Leitung sein? Mutter, Vater, der erste Trainer aus Kindheitstagen? Falsch. Es war der aufgeschwemmte Formel-Eins-Schnösel Fernando Alonso. Zu Iniestas Glück gab es technische Probleme mit der Verbindung und er konnte sich wieder zum Abfeiern in die Katakomben des Happel-Stadions verziehen.

Stewardessen wissen schon eher, wie man auf die aktuellen Bedürfnisse seines Gegenübers eingeht. Sie tanzten während des Flugs »Macarena« für die übernächtigen Campeones. Dafür ernteten sie zwar Applaus, doch neben Chef-Animateur Pepe Reina verblassten ihre Moves. Der Reserve-Keeper der Selección war nur beim bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Griechenland im Tor gestanden. Das hielt ihn aber ebenso wenig wie seine katalanische Abstammung davon ab, das Zepter des Partykönigs an sich zu reißen. Der Schlussmann von FC Liverpool führte die Polonaise an, gröhlte die Aufstellung inklusive Spitznamen ins Mikro und sang persönlich beziehungsweise regional zugeschnittene Stimmungshits an. Er stand im Mittelpunkt, obwohl er nur 90 unwichtige Minuten gespielt hatte. Dafür hat er die schönste Stimme und den besten Schmäh. Ein weiterer Beweis, dass Statistiken nichts taugen.


In Madrid malten Jets die Landesfarben an den Himmel, Empfang beim König, Empfang beim Präsidenten. Die Schulter war weichgeklopft, die Leber hartgesoffen. Doch es ging weiter:  Empfang in der Region, Empfang beim Verein, Empfang im Heimatsort. Im valencianischen Vilamarxant zum Beispiel. Dort wurde Raúl Albiol, der immerhin 156 Minuten im EM-Einsatz war, eine große Ehre zuteil. Eine Straße des 7.000-Einwohner zählenden Städtchens wird nach dem Innenverteidiger von Valencia benannt. Albiol freute sich routiniert, schließlich heißt das hiesige Stadion bereits Hermanos Albiol (Anm.: Brüder Albiol), zu Ehren von Raúl und seinem Bruder Miguel, der momentan bei Zweitliga-Aufsteiger Rayo Vallecano unter Vertrag steht. Wie soll man sich da nicht daheim fühlen?


Móstoles, eine Satellitenstadt im Süden Madrids. Auch hier soll eine Straße umbenannt werden. Doch nicht der berühmteste Sohn der Stadt, Iker Casillas, ist als Namensgeber auserkoren. Die Calle de la madre que parió a Casillas wäre, wie ihr Name sagt, »der Mutter, die Casillas gebar« gewidmet. Als Urheber dieser Initiative fungiert die Madrider Brauerei Mahou, die das gefakte Bürgerbegehren als Guerilla-Marketing-Maßnahme lanciert hat. Der Schmäh ist aufgegangen, immerhin konnten bis jetzt 40.000 Unterschriften gesammelt werden. Maria del Carmen Casillas war schon während der Europameisterschaft in den Schlagzeilen aufgetaucht, da sie im Zuge des Elfmeterschießens gegen Italien, bei dem Sohnemann Iker zwei Elfer halten konnte, vor Aufregung kurzfristig ihr Bewußtsein verloren hatte. Was für eine Woche!
 

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
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