¡Vaya Semanitas! - Calderons Verfolger I

cache/images/article_1126_ramon_140.jpg Ramón Calderón Ramos hat das Präsidentenamt bei Real Madrid nach einer knappen und umstrittenen Wahl seit Juli 2006 inne. Obwohl die »Königlichen« seitdem zwei Mal den Meistertitel gewinnen konnten, schiebt Calderón keine ruhige Kugel. Verschiedene Personen stellen ihm scheinbar oder wirklich nach. Calderón fühlt sich verfolgt. Teil eins dieser Kolumne beschäftigt sich mit den »externen Verfolgern« des Real-Präsidenten.
Hannes Gaisberger | 04.12.2008
Paolo Calabresi, italienischer Komiker:
Im März 2008 stellt sich zum Champions-League-Achtelfinale zwischen Real Madrid und AS Roma überraschender Besuch im Bernabeu-Stadion ein: Hollywood-Star Nicholas Cage wird von Calderón im VIP-Sektor begrüßt, mit einem geschwind beflockten Real-Trikot beschenkt, darf noch einen Blick in die Umkleidekabine werfen und Robinho die Hand schütteln. Das nennt man Kundenservice! Als wenig später auffliegt, dass Reals Nicholas Cage in Wirklichkeit Paolo Calabresi heißt und für die Sendung »Italian Job« des italienischen Senders La7 als Promi-Doppelgänger Schabernack treibt, war Calderons Humor auf die Probe gestellt. Allzu viel gelacht dürfte er beim Anblick des Videos nicht haben, zumindest lässt seine Reaktion die Entlassung von acht Mitarbeitern der Geschäftsstelle darauf schließen.

Alex Ferguson, schottischer Trainer:
»Als Klub von General Franco ist es Real Madrid aus der Zeit vor der Einführung der Demokratie in Spanien gewohnt, zu bekommen, wen oder was immer sie wollen«, sagte der Manchester-United-Manager vor einigen Wochen. Herbe Worte für einen Sir. Scheinbar wurde im Transfer-Sommer 2008 zwischen den G-14-Kumpels Real und ManU zu viel Porzellan wegen Cristiano Ronaldo zerschlagen. Dass die ehedem hervorragenden Geschäftsbeziehungen (siehe Beckham, Van Nistelrooy, Heinze) endgültig vergällt sind, zeigt die Antwort auf die historisch-verkürzte Grußbotschaft von der Insel: Ferguson (67) werde langsam senil und sei neidisch auf die vielen Titel Real Madrids, so der 57-jährige Calderón gegenüber Marca. Der adlige Tadel des Sirs: »Calderón neigt zur Scharlatanerie und gibt jede Woche seltsame Sachen von sich.« Da haben sich zwei gefunden.

Kreditkartenbetrüger, spanischer Klubpräsident:
»Das war ein Werk von Mafiosi, Verbrechern, rücksichts- und skrupellosen Leuten!« Ende Oktober gab Calderón den Medien auf einer Pressekonferenz so richtig Stoff. Alejandro Alcázar von Sport kommentierte den Auftritt mit den Worten »Ramón Calderón springt in die Arena um den Stier bei den Hörnern zu packen.« Die Meldungen, wonach der Präsident mit klubeigenen Kreditkarten Kleinigkeiten bis hinunter zum täglichen Kaffee beglichen hätte und die spöttischen Reaktionen darauf, trieben den gelernten Rechtsanwalt im Präsidentenamt zur Weißglut. »Futbolitis« - die derben, Barça-lastigen Cartoons von Sport - brachten die Häme auf den Punkt: Einer, der damit protzt, Cristiano Ronaldo um 120 Millionen verpflichten zu wollen, könne sich also nicht einmal einen »Cafelito«, ein »Kaffetscherl«, leisten. Aufmagaziniert mit Kontoauszügen und allerlei anderem Papierkram widerlegte Calderón in aller Ausführlichkeit die Anschuldigungen und ließ auch gleich durchblicken, wer für derartige Verleumdungen verantwortlich sei:

La Cope, El Mundo, Negocio,..., spanische Presse:
Eine Menge Tageszeitungen, Radio- und Fernsehsender müssen täglich mit sensationellen Neuigkeiten aus der Welt der »Merengues« befüllt werden. Die Real-affinen Medien sind Calderón seit Beginn seiner Amtszeit böse, hat er ihnen doch Kaka und Fabregas als Morgengabe versprochen. Stattdessen wurden eine Menge Holländer verpflichtet (zuletzt Klaas Jan Huntelaar), die zwar allesamt hervorragende Kicker sind, doch keine »galaktischen« Stars, nach denen man in Madrid so dürstet. Das Verhältnis zur Presse darf als höchst angespannt bezeichnet werden. Calderón: »Mit denen von La Cope (Anm.: span. Radiosender und Internetportal) werde ich nicht mehr sprechen, denn in ihrem Nachtprogramm werde ich permanent, ja fast schon zwanghaft, attackiert. Die Informationen, die in El Mundo veröffentlicht werden, sind falsch bis kriminell.« Auch das Wirtschaftsblatt Negocio hat verspielt, berichteten sie doch von einer angeblichen »ökonomischen Armut« Calderons. Aber gegen die Medien kann man als Präsident bei den Großklubs Barça und Real nicht lange überleben. Schon gar nicht, wenn Vorgänger und potenzielle Nachfolger schon fleißig die Messer wetzen, von denen in Teil zwei dieser Kolumne die Rede sein wird.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png