¡Vaya Semanitas! Calderons Verfolger II

cache/images/article_1129_aznar_140.jpg Mit 564:517 Stimmen hat Ramón Calderón Ramos bei der ordentlichen Hauptversammlung am 7. Dezember das Budget für 2009 durchgebracht. Eine knappe Angelegenheit und noch lange kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen. Dafür hat Calderón zu viele Feinde und Verfolger. Teil zwei dieser Kolumne beschäftigt sich mit den Nebenbuhlern des Real-Präsidenten.
Hannes Gaisberger | 12.12.2008
Florentino Pérez, »galaktischer« Ex-Präsident:
Fez, Marokko, Mitte November: Am Rande des wohltätigen Spiels »Freunde von Zidane« gegen »Freunde von Ronaldo« lässt sich Pérez mit seinen zwei »Ex-Galacticos« abbilden. Ein scheinbar harmloses Foto, wäre der Bauunternehmer nicht ein Meister der Intrigen, der es seit jeher verstanden hat, die latente Hysterie der madrilenischen Presse zu bedienen. Jose Manuel »Pipi« Estrada, der als »El Inalámbrico«(der Schnurlose) für Marca schreibt, spinnt den Faden weiter: »Florentino will ein schlagkräftiges Team zusammenstellen, um in eineinhalb Jahren bei den Präsidentenwahlen anzutreten.« Für Zidane dessen fußballerische und menschliche Größe die Real-Fans in der Calderón-Ära schmerzlich vermissen sei der Posten des Sportdirektors reserviert. Da scheint es nebensächlich, dass Pérez auf die Frage, ob er wieder antreten wolle, gegenüber dem TV-Sender Cuatro mit einem enschiedenen »Nein!« geantwortet hat, da er sich aufgrund der Wirtschafts-Krise vermehrt um sein Unternehmen kümmern müsse. Das mag zwar stimmen, so richtig glauben wollte ihm das aber niemand. Am wenigsten Calderón, der seit Amtsantritt gegen den Ruf kämpft, nur ein Platzhalter und provisorischer Präsident zu sein, bis wieder ein Mann vom Formate Florentino Pérez kommt. Oder eben Florentino Pérez selbst. Dem wiederum Calderón schon mehrmals unterstellt hat, ihn zu verfolgen und von einem Detektivbüro ausspionieren zu lassen. Ein Beispiel aus Sport: »Es waren zwei Autos, ein Mercedes und ein Lancia. Als sie die Polizei gekommen ist, haben sie das Weite gesucht. Aber wir haben die Autonummern.« Wenig überraschend, dass Calderón beim Anblick des marrokanischen Schnappschusses unentspannt reagiert hat: »Als wir zwei Mal Meister geworden sind, habe ich ihn nicht solche Fotos machen sehen. Ich hoffe, dass morgen ein Foto von ihm mit einem anderen Spieler erscheint, der die Millionen von Real laut eigenen Aussagen in die Steigerung der Geburtenrate und die Ankurbelung der Prostitution gesteckt hat.« Gemeint ist Antonio Cassano, der laut seiner Autobiographie »Vi Dico Tutto« Sex mit 700 Frauen hatte und als einer der größten Transfer-Flops der Pérez-Ära gilt.

Juan Villalonga Navarro, Ex-Telefónica-Chef
Der Günstling der konservativen Aznar-Regierung und selbstlose Bräutigam der reichen mexikanischen Witwe Adriana Abascal will nach seinen erfolglosen Versuchen bei Liverpool und Valencia nun bei Real Madrid das Steuer an sich reißen. In der Sendung »Punto Pelota« auf Intereconomia TV hat er angekündigt, dass ihm »nichts mehr gefallen würde als Spieler von Barça loszueisen.« Pikantes Detail am Rande: Villalonga ist ein guter Freund von Florentino Pérez und ein Schulkollege des folgenden Anwärters.

José María Aznar, Ex-Ministerpräsident Spaniens
Ideologisch im Franquismus groß geworden, optisch eine Mischung aus Karl-Heinz Grasser und Josef Fritzl, charismatisch wie eine Harnröhrenentzündung: Polit-Pensionist Aznar langweilt sich trotz Pseudojobs als Ehrenprofessor und Berater zu Tode. El Periódico de Catalunya glaubt zu wissen, dass Aznar schon lange vom Präsidentenposten träumt, der ihm ein Ansehen verleihen würde, dass mit jenem des Ministerpräsidenten locker mithalten kann. Dafür wäre allerdings eine Statutenänderung vonnöten, schließlich ist  Aznar statt der geforderten zehn erst seit vier Jahren Vereinsmitglied.

Juan Palacios & Miguel-Angel Villar-Mir, Ex-Kandidaten für das Präsidentenamt
Laut einem Bericht von El Mundo die moralischen Sieger der letzten Präsidentenwahlen von 2006. Aufgrund angeblicher Unregelmäßigkeiten wurde nach einem Einspruch von Calderón entschieden, die per Briefwahl abgegebenen Stimmen nicht zu berücksichtigen. Calderón wurde mit weniger als 250 Stimmen Vorsprung zum Sieger erklärt. Hätten die Briefe gezählt, wäre er auf Rang drei abgerutscht. Geschäftsmann Palacios und Bauunternehmer Villar-Mir haben die Vorfälle nicht vergessen, eine Fortsetzung vor Gericht folgt.

Der dritte und letzte Teil befasst sich mit den vereinsinternen Verfolgern und dem Bauernopfer Bernd Schuster.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png